27. November 2021 / 07:14 Uhr

Goldene Zeiten wohl vorbei: Deutsche Biathleten starten in schwierigen Olympia-Winter

Goldene Zeiten wohl vorbei: Deutsche Biathleten starten in schwierigen Olympia-Winter

Lars Becker
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Franziska Preuß und Erik Lesser gehen als deutsche Aushängeschilder in die Saison.
Franziska Preuß und Erik Lesser gehen als deutsche Aushängeschilder in die Saison. © IMAGO/Bildbyran/Gerhard König (Montage)
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Am Samstag starten die deutschen Biathleten in die neue Saison – in der auch die Olympischen Spiele in Peking anstehen. Mit großer Medaillenvorfreude müssen die deutschen Fans das Highlight wohl nicht erwarten: Zu den Top-Favoriten zählen die DSV-Jäger nicht mehr.

Olympiasieger Arnd Peiffer ist neu für die ARD am Start, Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier tritt für das ZDF an. Die deutschen Biathlon-Stars sind auch in diesem Winter live im TV-Lieblingssport hierzulande zu erleben – als TV-Experten. Peiffer und Dahlmeier holten bei Olympia vor vier Jahren in Südkorea insgesamt dreimal Gold für Deutschland. Eine derartige Bilanz dürfte ein Traum bleiben in diesem Olympiawinter, der am Samstag (11.45 Uhr, ZDF und Eurosport) auf dem Weg zu den Spielen in Peking mit dem Weltcup in Östersund (Schweden) beginnt.

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Die goldenen Zeiten des deutschen Biathlons mit Stars wie Frank Luck, Ricco Groß, Sven Fischer, Kati Wilhelm oder Magdalena Neuner gehören längst der Vergangenheit an. Während des vergangenen Winters traten mit Simon Schempp und Peiffer zwei weitere Erfolgsgaranten zurück. Der neue ARD-Experte Peiffer, der in dieser Position Neuner vertritt, hatte bei der WM im Februar im slowenischen Pokljuka noch die einzige deutsche Einzelmedaille gewonnen. Insgesamt gab es bei zwölf WM-Entscheidungen nur zweimal Silber für Deutschland. Zum Vergleich: Norwegen gewann siebenmal Gold. Und: Das deutsche Biathlon hat ein echtes Nachwuchsproblem. Bernd Eisenbichler, Sportlicher Leiter Biathlon im Deutschen Skiverband, ist bei der Formulierung der Ziele deshalb sehr zurückhaltend: "Wichtig für diese Saison ist es, dass wir konstant leistungsfähig sind. Letztes Jahr waren punktuell gute Ergebnisse dabei, aber eben nicht über den gesamten Winter." Ex-Weltmeister Erik Lesser wird deutlicher: "Wir müssen kleinere Brötchen backen."

Zu den echten Mitfavoriten für die Weltcupsaison und Olympia gehören aus deutscher Sicht eigentlich nur Franziska Preuß und Denise Herrmann. Preuß schaffte es im vergangenen Winter auf Platz drei im Gesamtweltcup und sagt: "Ich habe mich den ganzen Sommer über gut gefühlt, und es ist einiges vorwärtsgegangen." Noch besser sind die Chancen für die laufstarke Herrmann – allerdings nur, wenn es am Schießstand passt. Deshalb hat die 32 Jahre alte Ex-Skilangläuferin in der Vorbereitung auch besondere Konzentration darauf gelegt. Ihren "Leistungszenit" will Herrmann bei Olympia erreichen – dann gehört sie dort definitiv zu den Medaillenkandidaten. Für den Rest der deutschen Biathlonfrauen wären schon Top-15-Plätze ein Erfolg.


DSV-Nachwuchs lässt auf sich warten

Bei den deutschen Männern gibt es nach dem Abschied von Peiffer und Schempp keinen Kandidaten für dauerhafte Podestplatzierungen. Routinier Lesser, Benedikt Doll und Philipp Nawrath könnten aber punktuell in Podestnähe vorstoßen, wenn alles zusammenpasst. Für den Weltcup-Auftakt visiert das Trio Plätze unter den Top 15 an, um sich frühzeitig die Olympiaqualifikation zu sichern. Der auch schon 33 Jahre alte Lesser will "im Gesamtweltcup unter die Top Ten kommen." Dazu erhofft er sich, "dass die Jüngeren im Team uns richtig Druck machen". Die Chancen sind nicht besonders hoch: Beim Weltcup-Auftakt ist nur Justus Strelow (24) ein neues Gesicht. Benedikt Doll glaubt trotzdem an ein Wunder: "Ich glaube, dass wir eine gute Staffel haben werden und uns nicht verstecken müssen."

Die großen Sieganwärter kommen unterdessen auch in diesem Winter aus Norwegen. Bei den Frauen mit Tiril Eckhoff, der Gesamtweltcupsiegerin der Vorsaison, und Marte Olsbu Röiseland. Bei den Männern versucht Johannes Thingnes Bö die vierte große Kristallkugel in Serie zu gewinnen. Größter Konkurrent könnte sein Teamkollege Sturla Holm Lægreid werden. Er ist gerade 24 Jahre alt – von solch einem Talent können die deutschen Biathleten nur träumen.