27. Februar 2021 / 18:32 Uhr

"Bin da, wo ich gebraucht werde": Wolfsburgs Casteels jetzt 666 Liga-Minuten gegentorlos!

"Bin da, wo ich gebraucht werde": Wolfsburgs Casteels jetzt 666 Liga-Minuten gegentorlos!

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Jetzt 666 Minuten ohne Gegentor: VfL-Keeper Koen Casteels.
Jetzt 666 Minuten ohne Gegentor: VfL-Keeper Koen Casteels. © Roland Hermstein
Anzeige

Die Serie hält und hält! Auch gegen Hertha BSC kassierte der VfL Wolfsburg kein Gegentor. Damit sprang Torhüter Koen Casteels in der Liste der längsten Zu-null-Serien der Bundesliga auf Platz sechs. 

Anzeige

Der VfL Wolfsburg baut seine Serie aus! Auch beim 2:0-Sieg gegen Hertha BSC kassierte Torhüter Koen Casteels kein Gegentor, damit ist der Belgier in der Fußball-Bundesliga jetzt schon seit 666 Minuten unbezwungen. Und mit dieser Anzahl an gegentorlosen Minuten sprang der Keeper in der Liste der längsten Zu-null-Serien in die Top Ten. Casteels bescheiden: "Wenn mal einer durchkommt, bin ich da, wo ich gebraucht werde."

Anzeige

Casteels ist weiter auf den Spuren, den historischen Rekord von Timo Hildebrand zu knacken - saisonübergreifend war dieser vor fast 18 Jahren mit dem VfB Stuttgart 884 Minuten ohne Gegentreffer geblieben. Sorgen habe sich der 41-Jährige aber noch nicht gemacht. "Weil es mir nicht wirklich wichtig ist", sagte der gebürtige Wormser jüngst. Doch Casteels kommt dem Ex-Schlussmann immer näher. In der Liste der längsten Gegentorlos-Serien zog der Torwart nun an den Fußball-Größen Uli Stein (HSV), Tim Wiese, Oliver Reck (beide Werder Bremen) und Frank Rost (Schalke 04) vorbei auf Platz sechs. Jetzt hat er "nur noch" zweimal Manuel Neuer, zweimal Oliver Kahn und ebenjenen Hildebrand vor der Nase.

Die längsten Zu-Null-Serien der Bundesliga

Die längsten Zu-Null-Serien der Bundesliga zum Durchklicken Zur Galerie
Die längsten Zu-Null-Serien der Bundesliga zum Durchklicken ©

Dass er jetzt bei 666 gegentorlosen Minuten steht, dafür musste Casteels gegen Hertha erneut einige Paraden auspacken. Nach einer Stunde hielt er stark gegen Deyovaisio Zeefuik, der nach verlängertem Kopfball von Marin Pongracic am zweiten Pfosten völlig frei ebenfalls per Kopf am VfL-Schlussmann scheiterte. Und dann war er zur Stelle, als Jhon Cordoba vor ihm auftauchte (79.). Zu hoch hängen will der bodenständige belgische Nationalspieler seine zuletzt gezeigten Leistungen aber nicht. "Das ist ein Verdienst der ganzen Mannschaft", sagt Casteels. "Wir lassen sehr wenig Torchancen zu. Das machen wir richtig gut. Die Kombination aus früh angreifen und mal etwas tiefer zu stehen, gelingt uns ganz gut, damit der Gegner zu wenig Torchancen kommt."

Aber es war nicht nur Casteels selbst, der großen Anteil daran hatte, dass es wieder einen Zu-null-Sieg für die Wolfsburger gab. Bei dem Versuch von Cordoba soll Baku den Angreifer gefoult haben, Schiedsrichter Christian Dankert zeigte auf den Punkt. Doch nach Videobeweis revidierte der Unparteiische die Entscheidung - Glück für den VfL und Casteels, der diesen Ball an diesem Tag vermutlich sogar auch noch gehalten hätte... Kurz darauf half der Pfosten beim Schuss von Krzysztof Piatek.

Lob gab's auch von Oliver Glasner. "Was die Mannschaft schon seit längerem auszeichnet, ist, dass sie alles investiert, um die Null zu halten. Sie haben sich immer wieder reingeworfen", sagte der VfL-Coach. "Und wenn mal etwas durchgekommen ist, haben wir mit Koen Casteels einen richtig guten Torhüter, der die Situationen auch noch entschärft." Generell fand Wolfsburgs Nummer 1 aber, dass es "kein einfaches Spiel" für sein Team war, weil es sich "mit dem Ball etwas schwergetan" habe. "Aber dann ist die Effizienz da. Solche Spiele muss man auch gewinnen." Da schloss sich Glasner an: "In der ersten Halbzeit waren wir um das eine Tor besser, auch wenn wir uns schwergetan haben, Räume zu finden. In der zweiten Halbzeit war es noch ein Stück weit schwieriger, weil Hertha mehr Aktionen nach vorn hatte."

<b>Koen Casteels</b>: Vor der Pause lenkte er einen Tousart-Schuss über die Latte, danach erst wieder in den zweiten 45 Minuten gefordert, im zweiten Durchgang starke Parade gegen Zeefuik nach Pongracic-Patzer. - Note: 2 Zur Galerie
Koen Casteels: Vor der Pause lenkte er einen Tousart-Schuss über die Latte, danach erst wieder in den zweiten 45 Minuten gefordert, im zweiten Durchgang starke Parade gegen Zeefuik nach Pongracic-Patzer. - Note: 2 ©

Der VfL erfüllte seine Aufgabe, Casteels hielt den Kasten sauber. Zum sechsten Mal seit Rückrunden-Start - das gelang bisher in der Historie bisher nur einmal dem FC Bayern und einmal dem FC Schalke, häufiger noch keinem Team. Aber auch wenn es gerade so richtig gut läuft, der VfL mit den drei Punkten Tabellenplatz drei sicherte, den Patzer von Champions-League-Konkurrent Eintracht Frankfurt (am Freitag 1:2 in Bremen) nutzte, in der Rückrunden-Tabelle Erster ist und den sechsten Sieg im siebten Liga-Spiel feierte, denkt niemand im Verein an die Champions League oder gar an mehr. "Wir schauen gar nicht auf die Tabelle", unterstreicht Casteels. "Wir versuchen, so viele Punkte wie möglich zu holen. Aber es sind noch viele Spiele." Beim VfL weiß jeder, "dass wir hart arbeiten müssen. Wenn wir fünf Prozent weniger geben, werden die Spiele extrem schwer und dann kann uns jeder Gegner schlagen."

Und seit Samstagabend steht auch fest, dass der VfL jetzt die beste Defensive der Liga stellt. RB Leipzig rutschte in diesem Ranking mit dem zweiten Gegentor gegen Borussia Mönchengladbach auf Rang zwei ab. Zudem ist der VfL mit insgesamt zwölf gegentorlosen Spielen in dieser Saison jetzt Bundesliga-Spitze. Aber was macht diese Zu-null-Serie jetzt mit den Wolfsburgern? "Es gibt Selbstvertrauen. Das sieht man auch", sagt Glasner. "Die Spieler wissen, dass wir defensiv gute Abläufe haben, dass es schwer ist, sich gegen uns Chancen zu erspielen." Aber nicht nur das: "Die Spieler werden auch nicht unruhig. Sie sind vielleicht sogar noch ruhiger als ich auf der Bank..."