26. April 2021 / 16:49 Uhr

"Bin wegen Nagelsmann hier": Wie reagieren RB Leipzigs Spieler auf Wechselwunsch?

"Bin wegen Nagelsmann hier": Wie reagieren RB Leipzigs Spieler auf Wechselwunsch?

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Julian Nagelsmann hat ein enges Verhältnis zu seinen Spielern. Hier umarmt er Christopher Nkunku.
Julian Nagelsmann hat ein enges Verhältnis zu seinen Spielern. Hier umarmt er Christopher Nkunku. © Imago/Sven Simon
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Wenn Julian Nagelsmann nach München wechselt, erfüllt sich für den gebürtigen Bayer ein Lebenstraum. Bei RB Leipzig bleibt eine Mannschaft zurück, die er zusammengestellt, die er begeistert, deren Akteure er in die Messestadt gelockt hat.

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Leipzig. „Wenn ich ehrlich bin, bin ich wegen Nagelsmann hier, wegen ihm unterschrieb ich erneut“, gab RB Leipzigs Linksverteidiger Angelino im vergangenen Jahr gegenüber der spanischen Marca zu Protokoll. „Ich bin sehr glücklich mit ihm und der Art, wie er spielen lässt. Alles was er vermittelt, seine Taktik, passt perfekt zu mir.“ Im Januar, nachdem er einen langfristigen Vertrag an der Pleiße unterzeichnet hatte, schob er in Richtung seines Trainers nach: „Er ist sehr direkt, hat einen guten Kontakt zu allen Spieler, hat mir vom ersten Tag an das Vertrauen geschenkt und meiner Karriere einen großen Schub gegeben.“

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Große Rolle bei Kaderplanung

Nun wird Julian Nagelsmann den Bundesliga-Zweiten verlassen, daran besteht kaum noch ein Zweifel. „Als Spieler würde ich mir ja ganz schön verarscht vorkommen“, schrieb ein Twitter-Nutzer am Sonntag. Die Enttäuschung bei seiner Mannschaft, dürfte tatsächlich nicht klein ausfallen. Noch vor der Sonntagspartie gegen den VfB Stuttgart sagte Yussuf Poulsen im Brustton der Überzeugung: „Nur ihr (Medien) stellt das infrage, ob er hier bleibt oder nicht, nicht wir. Wir gehen davon aus, dass wir auch in die nächste Saison mit Julian starten.“

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Nagelsmann gilt als Menschenfänger, spielte bei der Kaderentwicklung der Roten Bullen eine große Rolle. Das bestätigte vor Kurzem Vorstandschef Oliver Mintzlaff selbst. „Sonst hast du am Ende Geld investiert und hast einen Spieler, den der Trainer nicht wirklich sieht. Wenn der dann auch noch jung ist und entwickelt und integriert werden muss, dann funktioniert das nicht“, so der RB-Boss.



Was passiert im Saisonendspurt?

Nagelsmann überzeugte vor allem die Jungen, die Leipzig bevorzugt bindet. Justin Kluivert bestätigte im November gegenüber „De Telegraaf“, der 33-Jährige und sein Spielstil seien ausschlaggebend für seine Leihe gewesen. „Ich finde es großartig: hoher Druck, schön Gas geben, vorwärts spielen. Das ist auch der Grund, warum ich hierhergekommen bin.“ Alexander Sörloth schwärmte im Interview: "Ich merke, dass ich immer mehr von ihm mitnehme." Benjamin Henrichs, erst vor einigen Wochen fest verpflichtet, erklärte, es seien die Gespräche mit dem Coach gewesen, die ihn von einem Wechsel überzeugt hätten. „Er hat mir genau erklärt, wie und wo er mich sieht. Jetzt will ich ihm und mir beweisen, dass ich das auch kann.“ Brian Brobbey, der im Sommer zu RB kommen wird, sagte im Rahmen seiner Vorstellung: „Julian Nagelsmann ist ein junger und sehr guter Trainer, von dem ich noch viel lernen kann.“

Und nun? Am Freitag steht für RB das Halbfinale im DFB-Pokal an. Es geht um viel. Der erste Titel für die Sachsen ist möglich. Werden die Profis um Poulsen ihrem Noch-Chef folgen, der ihnen in schillernden Farben so überzeugend eine gemeinsame Zukunft skizzierte, und sie nun, wenn man es hart formulieren möchte, sitzen lässt? Die Antwort darauf könnte ein Fingerzeig sein für das, was in der kommenden Saison wartet, wenn der Trainer am Cottaweg Jesse Marsch oder anders heißt.