22. Januar 2022 / 08:00 Uhr

Birlehm räumt vor Leipzig-Abschied ein: „Habe hier leistungstechnisch ein kleines Loch gehabt“

Birlehm räumt vor Leipzig-Abschied ein: „Habe hier leistungstechnisch ein kleines Loch gehabt“

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Interview Birlehm
Joel Birlehm war zuletzt mit seiner eigenen Leistung unzufrieden. © Christian Modla
Anzeige

Der Handball-Keeper Joel Birlehm sprach im SPORTBUZZER-Interview über seine Zeit in beim SCH DHfK Leipzig, dem Wechsel zu den Rhein-Neckar Löwen und seine Zukunft in Mannheim.

Leipzig. Handball-Keeper Joel Birlehm hat in den vergangenen Jahren beim SC DHfK Leipzig auf sich aufmerksam gemacht. Eine Nominierung für die Nationalmannschaft und nun der sofortige Wechsel zu den Rhein-Neckar Löwen waren die Konsequenz. Im Interview spricht der 24-Jährige über seine Zeit in der Messestadt, die Torhüter-Position und seine Zukunft in Mannheim.

Anzeige

SPORTBUZZER: Vor wenigen Tagen sind Sie erstmals Vater geworden, nun hat der SC DHfK Ihren Wechsel zu den Rhein-Neckar Löwen verkündet. Ganz schön viel los. Schlafen Sie überhaupt noch?

Joel Birlehm: Klar (lacht), aber es ist natürlich viel zu tun und zu organisieren. Ich reise sofort nach Mannheim und werde da erstmal im Hotel unterkommen. Meine Verlobte, meine Tochter und unser Hund kommen nach, wenn sich der Stress etwas gelegt hat und wir eine eigene Wohnung gefunden haben.

Anzeige

Nach zweieinhalb Jahren in Leipzig sicherlich ein großer Schritt für Sie. Was verbinden Sie mit der Zeit beim SC DHfK?

Ich habe hier die Chance bekommen, Bundesliga zu spielen. Kurz nachdem wir mit Lübbecke abgestiegen sind, habe ich in Leipzig meinen Vertrag unterzeichnet. Das war eine riesige Chance für mich, für die ich sehr dankbar bin. Das Jahr bei Lübbecke in der 2. Liga habe ich zu Ende gespielt, das war definitiv wichtig und lehrreich – aber ich wollte unbedingt wieder in die 1. Liga. Es ist für jeden Sportler das Größte, in der höchsten Spielklasse dabei zu sein. Danach wird man richtig süchtig.

Der Verein hat von Anfang an große Stücke auf Sie gehalten. Haben Sie viel Druck gespürt?

Nein, gar nicht. Ich habe mich hier sehr willkommen gefühlt. Aber ich kann mich noch gut an den ersten Leistungstest mit Philipp Müller erinnern, der mich als Skispringer betitelt hat. Wir sind etwa gleich groß, aber er wog bestimmt zwölf Kilo mehr als ich. Da musste ich mir am Anfang einiges anhören, aber immer alles freundschaftlich.

Seitdem haben Sie körperlich ordentlich zugelegt.

Stimmt, ich konnte die abgebrochene Saison, also die Corona-Pause, für viel Athletiktraining nutzen.

Sie sprechen es an. Die Pandemie hat einen großen Teil Ihrer Zeit hier beeinflusst. Wie haben Sie die Auswirkungen wahrgenommen?

Corona hat noch immer schlimme Auswirkungen auf die Gesellschaft und auch in unserem Team hatten sich über die Zeit einige Spieler infiziert. Das war alles andere als leicht. Aber ich muss gestehen, dass ich auch ein bisschen davon profitiert habe. Ich hatte mich eine Woche vor dem Saisonabbruch verletzt, hatte einen Muskelbündelriss und musste in die Reha. Durch den Abbruch habe ich nur ein Spiel verpasst, konnte mich langsam zurückarbeiten und die Zeit zum Muskelaufbau nutzen. In der nächsten Saison hatte Kristian (Saeveras; Red.) dann Corona. In den Wochen lag fast die gesamte Verantwortung auf mir, da habe ich vermutlich die besten Leistungen meiner Karriere abrufen können.

Mehr zum SC DHfK Leipzig

Und Ihr Torwart-Trainer Milos Putera ist zum zweiten Keeper geworden. Eine ungewöhnliche Situation.

Sicherlich, aber einen Torwart-Trainer als Co-Trainer zu haben, ist einfach optimal. Das ist ein zukunftsweisender Ansatz, den sicher bald noch mehr Mannschaften umsetzen werden. Milos ist fit, kennt den modernen Handball genau. Die Zusammenarbeit war einfach großartig.

Die Löwen sind ein Spitzen-Club, spielen seit Jahren in der Bundesliga ganz vorne mit. Was erwarten Sie sich von dem Wechsel?


Die Jungs stecken in der vielleicht schwersten Saison, die sie je hatten. Sie kämpfen aufgrund von Personalsorgen und Corona mit der Konstanz, bekommen dafür auch viel Kritik. Wir müssen jetzt schnell mehr Zählbares holen. Aber ich habe richtig Bock auf den nächsten Schritt und in Mannheim alles zu geben.

DHfK-Manager Karsten Günther hatte Ihren kurzfristigen Wechsel auch damit begründet, dass Sie hier nicht mehr zur Top-Form gefunden haben. Kritik, die Sie sich zu Herzen nehmen?

Ja, natürlich, ich muss das auch auf meine Kappe nehmen. Ich habe hier leistungstechnisch ein kleines Loch gehabt, aber ich habe jedes Mal im Leipzig-Trikot mein Bestes gegeben. Ich denke, dass wir eine Lösung gefunden haben, die für alle Parteien gut ist. Jetzt gilt mein voller Fokus den Löwen.