10. September 2021 / 22:09 Uhr

Bittere Pleite nach Verlängerung: Grizzlys verlieren Saison-Auftakt in Köln

Bittere Pleite nach Verlängerung: Grizzlys verlieren Saison-Auftakt in Köln

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Knappe Pleite: Die Grizzlys Wolfsburg haben des Saison-Auftakt in Köln nach Verlängerung verloren.
Knappe Pleite: Die Grizzlys Wolfsburg haben des Saison-Auftakt in Köln nach Verlängerung verloren. © dpa
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Bittere Niederlage für die Grizzlys Wolfsburg zum Start in die neue DEL-Saison. Die Mannschaft von Coach Mike Stewart unterlag bei den Kölner Haien mit 1:2 nach Verlängerung.

Intensiver Start in die neue Saison. Vielleicht schon ein bisschen zu intensiv: Satte 19 Strafminuten sammelten die Grizzlys Wolfsburg im Auftakt-Spiel bei den Kölner Haien und machten sich so das Leben selbst schwer. Am Ende stand vor 9300 Zuschauern ein bitteres 1:2 (1:1, 0:0, 0:0) nach Verlängerung bei den Kölner Haien zu Buche - Coach Mike Stewart verpasste in einem ausgeglichenen Spiel einen Sieg bei der Rückkehr zu seinem Ex-Klub.

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Personal

Dass Luis Schinko nach seiner Schulter-OP fehlen wird, stand lange fest. Nicht auf dem Aufstellungsbogen zu finden waren zudem Janik Möser und Fabio Pfohl sowie Neuzugang Tyler Gaudet - damit fehlten den Wolfsburgern gleich zwei etatmäßige Center. Vor dem Spiel war klar: Von dem Grizzlys-Trio, das an Corona erkrankt war, fiel nur ein Spieler definitiv aus, zwei waren vor dem Auftakt fraglich, sind aber mit nach Köln gefahren. Um wen es sich dabei handelt, teilten die Wolfsburger nicht mit. Gaudet allerdings war noch bei der Ersatz-Generalprobe gegen Kassel (5:1) dabei, kann also dadurch keiner der drei an Covid-19 Erkrankten sein. Stewart erklärte nach dem Spiel, dass es sich bei dem Center um eine Vorsichtsmaßnahme gehandelt habe: "Tyler war angeschlagen, kam spät dazu, hat viele Trainingseinheiten vor der Saison nicht mitgemacht. Wir werden sehen, ob er am Sonntag gegen Krefeld spielt."

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Kurioser Start

Das Spiel begann kurios: mit einer Strafe wegen Behinderung beim Bully nach nur einer (!) Sekunde gegen Chris DeSousa. Kein optimaler Einstand für den Neuzugang in der DEL, der aber ansonsten auffällig agierte. Was dadurch aber rasch zu erahnen war: In den Special Teams standen die Grizzlys gut, kassierten im ersten Durchgang trotz vier Strafen, darunter ein Fünf gegen Drei, kein Gegentreffer in Unterzahl. Im Gegenteil: Julian Melchiori hatte sogar eine gute Möglichkeit im Breakaway. Auffällig: Allein im ersten Drittel (8 Minuten) hatten die Wolfsburger schon mehr Strafminuten kassiert als im Schnitt in der letzten Saison pro Spiel (7.02 Minuten).

So gingen die Wolfsburger zudem mit ihrer ersten Überzahl direkt in Führung: Nach einem Schuss von DeSousa, den Haie Goalie Justin Pogge zunächst parierte, war Kapitän Sebastian Furchner zur Stelle und erzielte die Führung per Abstauber. Und damit das erste Saisontor der Wolfsburger.

Der aggressive Forecheck, den Coach Mike Stewart von seiner Mannschaft sehen will, war rasch zu erkennen, ebenso wie das Ziel, den Puck schnell aus dem eigenen Drittel zu bringen. Einen gemächlichen Aufbau von hinter dem Tor aus gibt es nicht mehr, die Grizzlys spielen deutlich vertikaler. Aber dieses schnelle, vertikale Spiel war gegen Köln auch Fehleranfällig. Häufig gingen Pucks verloren, auch beim Versuch, die Scheibe im Eins-gegen-eins aus der eigenen Zone zu transportieren.

DEL-Start: Grizzlys Wolfsburg bei den Kölner Haien

DEL-Start: Grizzlys Wolfsburg bei den Kölner Haien Zur Galerie
DEL-Start: Grizzlys Wolfsburg bei den Kölner Haien © DPA

Köln hatte durch viele Strafen und Ungenauigkeiten im Spielaufbau der Grizzlys mehr Chancen, Dustin Strahlmeier hielt stark - war beim Drei-auf-zwei der Haie, das Landon Ferraro zum Ausgleich einnetzte, aber chancenlos. Bitter zudem: Valentin Busch knallte nach einem Check Alexander Oblinger unglücklich mit dem Gesicht in die Bande, musste daraufhin auf der Bank behandelt werden, kehrte anschließend nicht aufs Eis zurück. Der Stürmer wird sich wohl schwerer verletzt haben, verriet Stewart nach dem Spiel. Wollte aber nicht genau sagen, wo sich Busch verletzt hat. Nur so viel: "Stand jetzt wird er am Sonntag nicht spielen können. Es wird bei ihm länger dauern als nur dieses Wochenende."


Im zweiten Durchgang spielten lange nur die Haie. Die Grizzlys schafften es nicht, genügend Druck auf die Gastgeber auszuüben und sammelten zudem weiterhin Strafen, machten sich so das Leben selbst schwer. Doch ein Treffer gelang den Kölnern in der Phase nicht - und fast wäre er dann auf der anderen Seite gefallen, erneut im Powerplay: Erst scheitere Torschütze Furchner an Pogge nach starkem Anspiel von Trevor Mingoia. Anschließend hätte DeSousa den Kölner Schlussmann mit einem Schuss von halb rechts in die kurze Ecke fast überwunden. Doch nach Videobeweis war klar: Der Puck war nicht hinter der Linie.

Es blieb jede Menge Feuer im Spiel: Rund vier Minuten vor Ende des zweiten Durchgangs gerieten Spencer Machacek und Kölns Maximilian Glötzl aneinander, lieferten sich einen Faustkampf, für den beide jeweils fünf Minuten Strafe bekamen. Angesichts der vielen Strafminuten (19 nach dem zweiten Durchgang) sagte Gerrit Fauser in der Drittelpause am Megantasport-Mikrofon: "Wir müssen weg von der Strafbank bleiben. Das müssen wir besser machen, damit wir ins Forecheck kommen. Wenn du so viel in Unterzahl spielst, kostet das extrem viel Kraft."

Im dritten Drittel wurde die Partie zerfahrener, beiden Teams waren aber deutlich disziplinierter, was Strafzeiten anging. Die beste Chance hatte zunächst Machacek. Nach einem Puck-Gewinn im Kölner Drittel konnte der Stürmer Pogge aber nicht überwinden. Auch Köln blieb gefährlich, in einer Koproduktion retteten Strahlmeier und Björn Krupp, dessen Vater Uwe Trainer der Haie ist, nach Scheiben-Verlust von Julian Melchiori. Andreas Thuresson hatte beim Breakaway die Möglichkeit. Treffer fielen aber auch im Schlussdrittel keine - es ging in die Verlängerung.

Dort dauerte es nicht mal eine Minute, bis die Entscheidung gefallen war: Maurice Edwards verwertete einen Konter, nachdem die Kölner einen Pass von Machacek abgefangen hatten. Sieg für Köln, aber immerhin ein Punkt für Wolfsburg. So sah auch Grizzlys-Verteidiger Dominik Bittner bei Magentasport nach dem Spiel "ein ausgeglichenes Spiel". Und analysierte: "Es gab Tor-Chancen auf beiden Seiten, auch durch Fehlpässe. Am Ende hatten wir einen Fehlpass zu viel..." Aber unabhängig vom Ergebnis freute sich der Wolfsburger über die 9300 Fans im Kölner Stadion: "Es ist einfach gut, dass endlich wieder Leute in die Halle dürfen. Unser Sport lebt von den Fans."

Auch Stewart kritisierte, dass sein Team zu viele Strafen genommen hatte, das habe viel Kraft gekostet. Und: "Das Puck-Management hat uns gekillt. Wir hatten zu viele Fehlpässe. In der laufenden Partie wurde es aber ein wenig besser." Grundsätzlich sei der Coach mit ersten Saisonspiel seiner Mannschaft zufrieden gewesen, kann mit dem Auswärts-Punkt zum Auftakt gut leben. "Wir hatten Chancen, alleine zwei in den letzten vier Minuten. Aber beide Goalies waren heute stark."

Statistik

  • Grizzlys: Strahlmeier - Krupp, Melchiori; Bittner, Murray; Button, Wurm; Raabe - Mingoia, DeSousa, Rech; Hungerecker, Fauser, Furchner; Reichel, Machacek, Archibald; Nijenhuis, Festerling, Busch.
  • Haie: Pogge - Edwards, Müller; Ugbekile, Zerressen; Sennhenn, Sieloff; Glötzl - Thuresson, Matsumoto, Kammerer; Bires, Howden, Barinka; Ferraro, Olver, Chrobot; Oblinger, Müller, Dumont.
  • Schiedsrichter: Köttstorfer / Rohatsch.
  • Zuschauer: 9300. - Strafminuten: Köln 13 / Wolfsburg 19.
  • Tore: 0:1 (2:34) Furchner (DeSousa - 5:4), 1:1 (17:28) Ferraro (Chrobot/Edwards), 2:1 (60:58) Edwards (Bires).