10. März 2021 / 04:55 Uhr

Björn Laars als neuer Vorsitzender von Babelsberg 03 im großen Interview: "Das hat nichts mit Politik zu tun "

Björn Laars als neuer Vorsitzender von Babelsberg 03 im großen Interview: "Das hat nichts mit Politik zu tun "

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
09.03.2021, Fußball, Regionalliga,Vorstand,Vorstandsvorsitzender, Karl-Liebknecht-Stadion Potsdam
im Bild: v.l.
Björn Laars war beim SV Babelsberg 03 lange als Spieler, Nachwuchstrainer und Geschäftsstellenleiter tätig. Inzwischen ist er Vorstandsvorsitzender des Kiezvereins. © Julius Frick
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Regionalliga Nordost: Björn Laars spricht als neuer Vorsitzender des SV Babelsberg 03 über eine angestrebte Satzungsänderung, das Image des Kiezvereins und neue Ideen für weitere Sportangebote.

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Am 22. Februar trat Björn Laars die Nachfolge des kurz zuvor durch den Aufsichtsrat abberufenen Archibald Horlitz an und steht seitdem als Vorstandsvorsitzender an der Spitze des SV Babelsberg 03. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der 46-Jährige über den Führungswechsel, die angestrebte Doppelspitze mit Katharina Dahme und seine Vorstellung einer einheitlichen Spielphilosophie im Verein.

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Vor zwei Wochen sorgte der Wechsel an der Spitze des SVB für viel Aufsehen. Sind Sie weiter davon überzeugt, dass es der richtige Schritt war, Herr Laars?

Björn Laars: Auf jeden Fall. Ich habe den Schritt nicht bereut und habe in den vergangenen Tagen sehr, sehr positives Feedback bekommen.

Die Art und Weise der Abberufung vom langjährigen Vorsitzenden Archibald Horlitz war alternativlos?

Wir haben uns einen anderen Weg gewünscht. Es gab in den letzten Monaten viele Gespräche und Ideen, wie der Wechsel vollzogen werden soll. Ziel dabei war immer, eine einvernehmliche Lösung zu finden.

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Herr Horlitz hält Sie auf dem Posten des SVB-Vorstandsvorsitzenden für ungeeignet und hat das auch öffentlich kommuniziert.

Diese Meinung kann er natürlich haben. Meiner Ansicht nach wäre dafür aber die Mitgliederversammlung und nicht die Öffentlichkeit der richtige Raum gewesen. Und außerdem ist in der Satzung geregelt, wer über die Berufung des Vorstandsvorsitzenden entscheidet. Ich spüre auf jeden Fall ein sehr großes Vertrauen und das ist wichtig. Sollte das zukünftig nicht mehr der Fall sein, stehe ich einem Wechsel nicht im Weg. Bis dahin heißt es aber: Ärmel hochkrempeln.

Die letzte Mitgliederversammlung fand aufgrund der Corona-Pandemie im Sommer 2019 statt. Steht inzwischen schon ein neuer Termin?

Nein, es ist noch nichts final. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung. Ob mit einer Präsenz- oder Onlineveranstaltung. Bei der zweiten Variante gibt es mit Blick auf die Absicherung bei Abstimmungen viele rechtliche Aspekte zu beachten.

Ihr Vorgänger hat angekündigt, sich für einen Posten im Aufsichtsrat zur Wahl zu stellen. Halten Sie das für eine gute Wahl?

Grundsätzlich entscheiden das natürlich die Mitglieder auf der Mitgliederversammlung. Ich persönlich würde die dann zu erwartende Zusammenarbeit der Gremien als schwierig bezeichnen, da eine vertrauensvolle Arbeit aufgrund der jüngsten Ereignisse nicht möglich wäre.

Sie haben im November 2018 bekanntgegeben, dass Sie Ihren Posten als Geschäftsstellenleiter beim Verein zum Sommer 2019 aufgeben, um „das Thema Freizeit und eigene Ideen in den Fokus zu stellen“. Jetzt sind Sie in vorderster Front zurück. Wie kam es zu diesem Sinneswandel?

Es war auf jeden Fall nicht geplant. Nach kräftezehrenden Jahren auf der Geschäftsstelle brauchte ich einfach etwas Zeit zum Durchpusten. Eigentlich wollte ich gar nichts mehr im Verein machen. Nicht, weil ich im Bösen gegangen bin. Sondern einfach, um etwas Abstand zu gewinnen. Dann kam die Idee, einen ressortbezogenen Aufsichtsrat zu bilden.

Dafür stellten Sie sich vor etwas mehr als eineinhalb Jahren auf der Mitgliederversammlung zur Wahl und warben leidenschaftlich für das Team.

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Weil ich von diesem absolut überzeugt bin. In den Jahren davor waren Aufsichtsrat und Vorstand nur sehr dünn besetzt. Jetzt hatten wir Leute aus den verschiedensten Bereichen, wie zum Beispiel Medien oder Sponsoring gefunden, denen der Verein auch wirklich am Herzen liegt. Daher habe ich mich auch stark dafür eingesetzt.

Mit Erfolg. Das aufgestellte Team wurde gewählt und schob verschiedene Themen an. Unter anderem wurde eine Findungskommission für einen geeigneten Nachfolger von Archibald Horlitz gegründet.

Genau. Ich war aber kein Teil dieser Gruppe. Diese entwickelte die Idee einer Doppelspitze.

Mit Ihnen und der Aufsichtsratsvorsitzenden Katharina Dahme.

Genau.

Waren Sie sofort überzeugt?

Ich bin 2019 nicht für den Aufsichtsrat angetreten, um 19 Monate später Vorstandsvorsitzender zu werden. Daher hatte ich bei der ersten Anfrage auch abgesagt. Nach weiteren Gesprächen und dem ausgesprochenen Vertrauen des Aufsichtsrates habe ich zugesagt. Es geht dabei aber gar nicht um die Personen Katharina Dahme oder Björn Laars. Wir sind davon überzeugt, dass der Verein für die Zukunft mit der Möglichkeit einer Doppelspitze im Vereinsvorstand noch flexibler aufgestellt ist.

Dafür bedarf es einer Satzungsänderung.

Richtig. Diese soll den Mitgliedern auf der nächsten Mitgliederversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden. Dann werden wir sehen, wie sie sich entscheiden.

Was passiert, wenn die Satzungsänderung nicht angenommen wird?

Darüber machen wir uns keine Gedanken. Wir sind davon überzeugt und glauben, dass wir den Mitgliedern die Vorteile aufzeigen können.

Die da wären?

Jeder Mensch hat seine Stärken und natürlich auch Schwächen. Der Verein würde im Fall der Doppelspitze die Stärken von zwei Personen nutzen. Und Katharina und ich ergänzen uns sehr gut. Unabhängig davon heißt das ja auch nicht, dass es für immer eine Doppelspitze gibt.

In Bildern: Von Hermann Andreev bis Predrag Uzelac: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003.

Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. Zur Galerie
Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. © Jan Kuppert

Mit Ihrer Tätigkeit als Vorsitzender des von Ihnen gegründeten Potsdamer Vereins BLACK BEARS lässt sich dieses Amt gut verbinden?

Diese Tätigkeiten stehen nicht in Widerspruch zu meinem neuen Amt als Vorstandsvorsitzender bei Babelsberg 03. Wir kümmern uns dabei nur um Nachwuchskicker im Alter zwischen drei und zwölf Jahren. Da ist die Nachfrage in Potsdam deutlich größer als das Angebot. Vielmehr können beide Vereine voneinander profitieren. So wie es in der Vergangenheit übrigens auch schon war, als talentierte Spieler bei Nulldrei mittrainiert haben. Auch Testspiele waren Bestandteil des sportlichen Austausches und Miteinanders.

In welchen Bereichen sehen Sie ihre Stärken, die Sie als Vorsitzenden des SVB qualifizieren?



Schon in den Bereichen Sport und Finanzen. Ich habe viele Jahre selbst als Leistungssportler Fußball gespielt und zudem Sportmanagement und Buchhaltung studiert. Ich kenne den Verein aus vielen Jahren als Spieler, Nachwuchstrainer und Geschäftsstellenleiter, brauche also keine Einarbeitungszeit. Das ist ein Vorteil. Der Verein hat einfach ganz viele Jahre eine zentrale Rolle in meinem Leben gespielt. Dementsprechend viel bedeutet er mir und ich will auch ein Stück weit etwas zurückgeben.

Bei Ihrem Ex-Verein Hansa Rostock steht Ihr ehemaliger Mitspieler Martin Pieckenhagen als Sportvorstand in der Verantwortung und lässt die Kogge von der Rückkehr in die 2. Bundesliga träumen. Ein Vorbild?

Das ist eins von vielen Beispielen, bei dem sich Ex-Spieler bei Vereinen in verantwortlichen Positionen einbringen. Aber auch bei den Bundesligisten Bayern München oder Werder Bremen ist das ja seit vielen Jahren so. Mit unserem Kapitän Philip Saalbach als Geschäftsführer der Nulldrei Catering GmbH und Mitarbeiter der Geschäftsstelle haben wir da ja auch schon ein Beispiel.

Björn Laars (SVB), Türkiyemspor Berlin - SV Babelsberg 03 0:1, Fußball, Regionalliga Nord, Saison 2009/2010, Berlin, 27.03.2010, Foto: Jan Kuppert
Der ehemalige Defensivakteur Björn Laars beendete 2010 seine Laufbahn als aktiver Spieler. © Jan Kuppert

Der bisherige Vorstand hat zumindest bis zur Mitgliederversammlung seine Zusage gegeben. Ein gutes Zeichen?

Das ist natürlich gut, um erstmal weiter strukturiert arbeiten zu können. Wie es nach der nächsten Mitgliederversammlung weitergeht, wird man sehen.

Was haben Sie sich persönlich auf die Fahnen geschrieben, wo sehen Sie den größten Nachholbedarf?

Es geht darum, dass Wir-Gefühl wieder zu stärken. Es geht nur gemeinsam, wenn alle an einem Strang ziehen und die gleichen Ziele verfolgen, die vorher definiert wurden. Zum Beispiel haben wir es seit dem Abschied von Dietmar Demuth als Trainer im Jahr 2012 nicht geschafft, eine einheitliche Spielphilosophie zu entwickeln. Das wäre aber wichtig, um vom Nachwuchs aufbauend Spieler für die erste Mannschaft zu generieren. Dafür wollen wir wieder die erste Anlaufstelle für ambitionierte Spieler und Trainer in der Region werden. Das ist zuletzt abhanden gekommen.

Mit dem Ziel, am Ende die Früchte der Arbeit in der Regionalliga-Mannschaft zu ernten?

Natürlich. Wir zählen trotz der erfolgreichen wirtschaftlichen Konsolidierung, zu der Archibald Horlitz übrigens einen großen Beitrag geleistet hat, nicht zu den finanzstärksten Teams der Regionalliga Nordost. Wir können aber mit einem tollen Stadion, guten Bedingungen und überragenden Fans punkten. Damit kann man weiterhin gute neue Spieler von sich überzeugen – auch schon im Nachwuchs. Langfristig könnte sich das auszahlen und einen Mehrwert generieren. Das ist aber natürlich alles ein langjähriger Prozess, der nicht von heute auf morgen funktioniert. Zukünftig müssen wir immer abwägen, in welchen Bereich zukünftige Einnahmen fließen.

Mit einer zeitnahen Rückkehr in die 3. Liga ist also nicht zu rechnen?

Natürlich würden wir alle gerne wieder Drittliga-Fußball im „Karli“ sehen. Dafür muss man aber die sportlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen schaffen, um im Fall der Fälle, dass die Mannschaft eine überragende Saison spielt, bereit zu sein. Aber dafür werden wir keine finanziellen Wagnisse eingehen und nicht mehr ausgeben, als wir zur Verfügung haben. Da sollten wir aber das Normale nicht zum Besonderen machen. Jede Privatperson wirtschaftet so. Genauso müssen wir das als Verein auch tun.

Wirtschaftlich ist man im Vergleich zu anderen Clubs bislang gut durch die Corona-Krise gekommen, oder?

Das kann man so sagen. Zum einen kommt es uns da entgegen, dass wir aufgrund der Ausstattung unserer Spieler mit Brutto-Arbeitsverträgen auf staatliche Hilfen zurückgreifen können. Zum anderen erfahren wir eine große Unterstützung von Sympathisanten und auch den Dauerkarteninhabern, die uns trotz der schwierigen Lage die Treue halten. Bei diesem Punkt sind wir im Übrigen auch in intensiven Überlegungen, wie wir diese Anhänger für die vielen ausgefallenen Spiele entschädigen können.

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Die Regionalliga wird oft als Grauzone zwischen Profi- und Amateurfußball bezeichnet. Die Spieler haben nicht selten ein Programm wie Profis zu absolvieren, verdienen aber deutlich weniger und gehen arbeiten oder studieren. Sehen Sie den Verein da in einer besonderen Pflicht?

Absolut. Wir haben eine Verantwortung gegenüber den Jungs – vor allem was eine gewisse Nachhaltigkeit angeht. Es kann mit der Sportlerkarriere so schnell vorbei sein, da muss man gewappnet sein. Das bedeutet, dass das Thema Ausbildung und berufliche Weiterbildung ein wichtiger Bestandteil von Babelsberg 03 sein muss, ohne die sportliche Qualität zu mindern. Den Spielern das zu ermöglichen, gehört absolut zu unserer moralischen Pflicht. Und da sehe ich großen Nachholbedarf. Außerdem kann das ein Alleinstellungsmerkmal von uns sein.

Nulldrei stand in den vergangenen Jahren immer wieder wegen nichtsportlicher Themen im Fokus. Von außerhalb kommt nicht selten der Vorwurf, dass sich zu wenig auf den Sport konzentriert und zu viel Politik im Stadion gemacht wird. Können Sie das nachvollziehen?

Nur bedingt. Natürlich sind wir ein Sportverein und wollen sportlich für Schlagzeilen sorgen. Wenn man sich aber offen gegen Rechtsextremismus oder Homophobie einsetzt, hat das für mich nichts mit Politik, sondern mit Werten zu tun, wie sie jeder in unserer Gesellschaft vertreten sollte. Da waren wir meiner Meinung nach sogar in einer gewissen Vorreiterrolle. Der Deutsche Fußball-Bund hat sein Engagement in diesem Bereich in den vergangenen Jahren ja zum Glück auch immer mehr verstärkt. Babelsberg 03 hat sich in den vergangenen Jahren überregional ein Image aufgebaut, das absolut passt und von dem man auch viel profitiert. Das gilt es, eher weiter zu schärfen. Da sind wir wieder, wie etwa bei unseren Plänen zum Grünen Stadion, beim Thema Nachhaltigkeit. Da sind wir auf einem guten Weg, der aber noch lange nicht zu Ende ist.

Archibald Horlitz hatte in seinen Anfangsjahren immer das Ziel ausgegeben, die Zuschauerzahlen zu steigern. In den vergangenen Spielzeiten vor Corona waren diese aber sogar eher etwas rückläufig. Woran liegt das und wie will man diesem Trend entgegenwirken?

Zum einen spielen wir inzwischen in der achten Saison in Folge in der Regionalliga und haben dabei selten gegen den Abstieg und nie um den Aufstieg mitgespielt. Spannende Saisonverläufe ziehen natürlich mehr Fans an. Zum anderen müssen wir – wie bereits zuvor angesprochen – das Wir-Gefühl im gesamten Sportverein, zu dem ja nicht nur die Fußballer gehören, wieder stärken, um die Identifikation mit dem Verein zu erhöhen. Dann kommen zum Beispiel auch die Eltern mit ihren Kindern aus anderen Abteilungen zu den Spielen der Regionalliga-Mannschaft. Insgesamt geht es darum, dass Stadionerlebnis im „Karli“ noch attraktiver zu gestalten. Außerdem sind wir zum Beispiel auch preislich an der oberen Grenze für Regionalliga-Verhältnisse. Auch hier müssen wir schauen, ob wir die Preise attraktiver gestalten können. Daneben müssen die Themen Stadioncatering, Sicherheit und Infrastruktur analysiert werden.

Seit 2019 hat der Verein rund 150 Mitglieder verloren. Wie will man diesem Trend entgegenwirken?

Zum Beispiel mit dem Schaffen neuer Angebote beziehungsweise Abteilungen. Konkret schweben uns dabei Sachen wie Reha-Sport oder Eltern-Kind-Turnen vor. Außerdem müssen wir neben der Qualität auch die Quantität im Fußballnachwuchs steigern. Die Verpflichtung von Daniel Frahn war sportlich eine gute Entscheidung. Sie wurde aber intern und extern nicht gut kommuniziert. Das hat uns auch einige Mitglieder gekostet. Das bedeutet, die Art der Kommunikation zu verbessern. Und das ist die Stärke von Katharina Dahme.

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