29. Dezember 2021 / 15:41 Uhr

Blick in die nordsächsische Kristallkugel: Kabinen-Kampf der Superstars

Blick in die nordsächsische Kristallkugel: Kabinen-Kampf der Superstars

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Streiten sich vielleicht um die Einzelkabine beim ESV Delitzsch: RB Leipzig André Silva und Deutschlands Superstar Ramon Kaselowsky.
Streiten sich vielleicht um die Einzelkabine beim ESV Delitzsch: RB Leipzig André Silva und Deutschlands Superstar Ramon Kaselowsky. © Getty Images/Alexander Prautzsch
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Genug geärgert, gewütet und geheult. Genug vom bösen Wort mit C. Zeit für freudbetonte Ausblicke auf das Jahr 2022 in Nordsachsen. Man wird ja wohl noch spekulieren dürfen.

Nordsachsen. Der ESV Delitzsch veräußert mit Jahresbeginn die Namensrechte an seiner sehr alten und etwas ehrwürdigen Spielstätte. Das Eisenbahnerstadion heißt künftig City-Döner-Sodann-Softeis-Chef-Pizza-Service-Café-Marjuschka-Arena. Die Marketing-Maßnahme erweist sich als Goldgrube für den seit kurz nach Christi Geburt klammen Verein.

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Nun droht der Sparstrumpf plötzlich zu explodieren. Um die strapazierte Baumwollbuxe zu entlasten, verpflichtet Chefstratege Ralph Zahn in der Winterpause den bei RB Leipzig gescheiterten portugiesischen Prachtathleten André Silva. Silva macht allerdings kein Spiel für den ESV. Er zofft sich mit „Superstar“ Ramon „Roselly“ Kaselowsky um das Vorrecht auf eine eigene Umkleidekabine. Coach Rico Winkler greift durch und schickt beide in den unbefristeten Urlaub. Aus Frust ersteht Silva günstig ein rabattiertes Südseeeiland (früher fanden in 100 Seemeilen Entfernung Atomtests statt), verbringt den Rest seiner Karriere als Strandfußballer am eigenen Strand und verdingt sich als Krabbenfischer.

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Im kalten Deutschland unterdessen zieht sich Wermsdorfs Erfolgstrainer Dierk Kupfer aus Mangel an Alternativen in seine Schreibstube zurück und beginnt die Arbeit an seiner Autobiografie. Zunächst als Wandzeitung für das heimische Wohnzimmer gedacht, wächst sich das Werk zu einem monumentalen Epos aus. Der Verlag Kneipenhäuser & Rich sichert sich die Rechte am Buch. Titel: „Wie ich zweimal fast nordsächsischer Meister wurde, aber irgendwas kam immer dazwischen. P.S.: Dafür bin ich zweifacher Pokalsieger“.

Gar vier Pokale hat Thomas Patommel als Obermotz dem SV Frisch-Auf Doberschütz-Mockrehna in die Vitrine gestellt. Selbiges gelingt ihm nun auch in Verantwortung bei Wacker Dahlen – und zwar binnen eines Jahres. Erst wandert der Kreispokal unter freiem Himmel – am traditionsreichen Termin am Vorabend des Männertags – gen Dahlen. Kurz darauf entschließt sich der Nordsächsische Verband im Juli die ausgefallene Futsal-Kreismeisterschaft des Jahres 2021 im Juli 2022 nachzuholen. Wacker meldet als einzige Mannschaft und gewinnt verdient den Titel. Noch im Dezember finden die Titelkämpfe 2022 und zur Sicherheit auch die vorgezogenen für 2023 statt. Wieder setzt sich Dahlen durch, diesmal zweimal gegen die eigenen Reserve.

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Auf Reserve läuft auch der Mannschaftsbus des FC Eilenburg. Weil die Kraftstoffpreise im Februar erstmals die 2-Euro-Marke reißen (je Liter Diesel), verpassen die Truppenteile von Dompteur Nico Knaubel das Auswärtsspiel bei Tennis Borussia Berlin. Der vereinseigene Ikarus bleibt mit ausgetrocknetem Tank auf der A9 liegen. Ausgerechnet eine Woche zuvor hatte Mannschaftsleiter Ecki Hohlfeld seinen tarnfarbengrünen Alukanister nach fünf Dienst-Jahrzehnten mit einem feurigen Knalleffekt in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

In Bad Düben brauchen sie solche Ersatzteile nicht. Die Regionalliga-Volleyballer des SVB fahren traditionell mit der Bahn zu Auswärtsspielen. Manche sogar zu Heimspielen. Das fällt endlich auch den Verbandsverantwortlichen auf. Sie verleihen den Dübenern die Umweltplakette „Der grüne Luchs“.

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Die mitgelieferte Prämie investiert die Mannschaft des Gestaltwandlers Kevin Phillipp (Spieler, Trainer, Kronkorkenentferner) in einen ausgestopften Heidebiber, der künftig auf dem Maskottchen „Holzi“, dem Holzscheit mit Gesicht und Haaren, hockt. Wenige Wochen später zahlt sich der aufgemotzte Glücksbringer aus. Via Quotientenregelung feiern die Dübener die Meisterschaft und entscheiden sich zum Aufstieg in die 3. Liga. Phillipp kokett: „Wir werden auch nicht jünger.“ Erster Neuzugang ist André Quasdorf vom Krostitzer SV. Der frühere Nationalspieler will es mit Mitte 50 noch mal wissen und fühlt sich dank neuer Hüfte und künstlichem Kniegelenk nach eigener Aussage „so fit wie seit der Wende nicht“.

Zeichen und Wunder geschehen auch noch beim SHV Oschatz. Präsident Jens Fiddecke kann die Lokalmatadore Thomas Oehlrich und Maik Wolf zu einer Rückkehr bewegen. So startet der SHV mit einer Herrenmannschaft neu in der Handball-Kreisklasse. Vorerst verzichten Oehlrich/Wolf aus Gründen der Fairness auf weitere Feldmitspieler. Lediglich Torwart Silvio Heinevetter ergänzt das dynamische Duo. Der Altinternationale wird mit einem bis zum Jahre 2024 datierten Profivertrag ausgestattet. Im Anschluss erwirbt er eine Immobilie am Markt, wird zum Kneipier und nennt sein Gasthaus „Simones letzter Tropfen“. Na denn: Zum Wohle!

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