19. Mai 2020 / 09:40 Uhr

Blick zurück: Aktivist Rötha dominiert Fußball-Kreisklasse

Blick zurück: Aktivist Rötha dominiert Fußball-Kreisklasse

Henry Lickfeldt
Leipziger Volkszeitung
AktivistRtha
Ein erfolgreiches Team: die Truppe von Aktivist Rötha im Jahr 1983/84. © privat
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So war das damals. In der Fußball-Saison 1983/84 hat sich Espenhain-Rötha mit Coach Rolf Rübesam und Spielmacher Gerold Thiel den Kreismeistertitel geschnappt.

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Espenhain/Rötha: In lebhafter Erinnerung bleibt den 14 Gemeinschaften der 1. Fußball-Kreisklasse Borna die Saison 1983/1984. Spielfotos von den Spielen und Mannschaftsfotos sind nur wenige vorhanden. Doch die damaligen Akteure möchten diese alte Fußballzeit nicht missen. Die hohe Mannschaftsmeldung im Herrenbereich unterstrich die Popularität des regionalen Fußballsports.

Nach dem Spiel saßen Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer oft noch lange am Stammtisch im Sportlerheim und plauderten in gemütlicher Atmosphäre. Das Spieljahr lief vom 28. August 1983 bis 12. Mai 1984. Groß war die Begeisterung auf den Rängen. Die meisten Besucher verbuchten Aktivist Deutzen, Fortschritt Pegau und Aktivist Rötha. Einen Zuschauerrekord gab es bei den zwei Nachbarschaftskämpfen zwischen Aktivist Rötha und Chemie Böhlen II (5:2 und 0:1) vor jeweils 320 Besuchern sowie den brisanten Derbys an der Weißen Elster zwischen Traktor Auligk, Fortschritt Pegau und Fortschritt Groitzsch II. Für die positive Überraschung sorgte der Tabellendritte Traktor Auligk mit Trainer Hermann Benndorf und den drei Torjägern Maik Benndorf, Heinz Schacke und Ralf Kunze. Hoch war die Torquote: Mit insgesamt 647 Toren in 182 Meisterschaftsspielen lag die Torquote bei 3,53 Toren pro Partie.

Abstieg aber Fairplay-Sieger

Vizemeister Aktivist Espenhain-Rötha rutschte in die Favoritenrolle, nachdem mit den Spielmachern Gerold Thiel und Michael Jeremiasch sowie den Brüdern Andreas und Thomas Dathe erstklassige Fußballer ihre Bestform erreichten und das Team von Trainer-Legende Rolf Rübesam weit überlegen die Liga beherrschte. Dagegen landete der Vorjahresdritte Aktivist Espenhain III mit mageren 11:41 Punkten plötzlich weit abgeschlagen ganz am Tabellenende und stieg zusammen mit Aktivist Eula in die 2. Kreisklasse ab.

Der Abstieg wurde fair hingenommen, denn die Espenhainer Mannschaft wurde Fairplay-Sieger. Neuling Eula fehlten bei Punktgleichheit mit Kahnsdorf (beide 16:36) nur acht Tore zum Klassenerhalt. Titelverteidiger Aktivist Borna II rutschte nach schwacher Serie auf den enttäuschenden 11. Rang ab. Der Röthaer Andreas Dathe, Jahrgang 1955, wurde mit 22 Saisontoren überlegen Torschützenkönig. Dann folgen Strassburg (Böhlen III), Öhmichen (Hainichen), Lewna (Dynamo Borna) und Försterling (Kahnsdorf) mit jeweils 14 Toren. Die zwei torreichsten Begegnungen mit jeweils neun Toren waren Aktivist Espenhain-Eula gegen Aktivist Rötha (4:5) und Aktivist Großzössen gegen Aktivist Ramsdorf (6:3).

Sportlich gesehen dominierte die Elf von Aktivist Espenhain-Rötha mit der beeindruckenden Bilanz von 76:16 Toren und 48:4 Punkten. Ein sagenhafter Vorsprung von 14 Zählern auf die zwei Verfolger Aktivist Großzössen und Traktor Auligk (beide 34:18) sowie Pokalsieger Chemie Böhlen III (32:20), Traktor Hainichen (29:23) und Aktivist Deutzen (28:24) brachte frühzeitig den Kreismeistertitel und die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur Bezirksklasse gegen Aufbau Waldheim, Motor Torgau, Empor Lützschena und Chemie Eilenburg II.

Rolf Rübesam war jahrelang der erfolgreiche Trainer. Frank Winkler half als Assistent. Es gab zudem gute Trainings- und Wettkampfbedingungen in Rötha. So standen den Mitgliedern ein Vereinsheim mit Umkleidekabinen, Duschräumen und Kultursaal sowie zwei Turnhallen im Winter und schlechtem Wetter zur Verfügung.

Die Trikotfarben waren weiß-rote Hemden, rote Hosen und rote Stutzen. Zeitzeugen wie Wolfgang Ziegler, Gerold Thiel und Andreas Dathe schwelgen in Nostalgie, wenn sie an die 1984er-Meisterschaft denken. Für den Röthaer Spielmacher Gerold Thiel, Jahrgang 1957, war der damalige souveräne Meistertitel ein Resultat einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Auch für Stammkeeper Wolfgang Ziegler sind die Anekdoten noch allgegenwärtig. Zweiter Torwart war Hans Karwarth. Auch die Böhlener Zugänge Volker Kowalczyk, Michael Jeremiasch und Uwe Sorke aus Neukieritzsch verstärkten die Röthaer. Die Fußballer stellten mit 16 ungeschlagenen Punktspielen und tollen 29:1 Punkten einen neuen Startrekord auf.

Rötha mit Startrekord

Aktivist Rötha spielte im einzelnen 2:0 bei Dynamo Borna, 2:1 gegen Auligk, 3:2 in Ramsdorf, 5:2 gegen Chemie Böhlen III, 0:0 in Hainichen, 5:1 gegen Fortschritt Groitzsch II, 5:4 in Eula, 6:0 gegen Fortschritt Pegau, 2:0 in Großzössen, 3:0 gegen Aktivist Deutzen, 3:0 in Espenhain III, 5:0 gegen SG Dynamo Borna sowie 1:0 in Auligk. Hinzu kam das kampflose 3:0 gegen Aktivist Kahnsdorf, da der Gast nicht antrat. Mittelstürmer Andreas Dathe schoß die meisten Tore. Bruder Thomas Dathe, Volker Kowalczyk, Jürgen John und Gerold Thiel folgten. Günter Höber, Uwe Sorke, Steffen Thiel, Wilfried Binder, Frank Lange, Steffen Schulz und Jürgen Miedl spielten in der Defensive. Ein Röthaer Mannschaftsbild vor dem Sportlerheim vom 6. Mai 1984 zeigt die komplette Meistermannschaft nach dem letzten Heimspiel – dem 6:0-Heimsieg gegen Aktivist Espenhain III nach Toren von Gerold Thiel (3), Thomas Dathe (2) und Kowalczyk. In den Aufstiegsspielen zur Bezirksklasse hatte Aktivist Espenhain-Rötha großes Pech.

In der ausgeglichenen Aufstiegsgruppe B hätten vier Teams aufsteigen können. Nach acht engen Aufstiegsspielen fehlten bei Punktgleichheit nur wenige Tore im Vergleich mit dem Zweiten Motor Torgau zum Aufstieg. Hinter SG Dynamo Waldheim (10:6) und Motor Torgau (9:7) reichten ebenfalls starke 9:7 Punkte zu Rang drei vor Empor Lützschena (8:8) und Chemie Eilenburg II (4:12).

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Nach einer starken Serie landete Aktivist Großzössen auf Platz zwei. Die erfolgreichsten Torschützen hießen Andreas Scheibe, Andreas Schröter, Volker Schiller, Kutzbora, Kürbitz, Schmidt, Hartfeld, Popowitsch und Walter. Heimstätte war die Lobstädter Werner-Seelenbinder-Kampfbahn. Verletzungen von Richter und Gerwick sowie fünf Heimniederlagen warfen die torhungrige Elf zurück. Höhepunkte waren das 6:3 und 5:0 gegen Aktivist Ramsdorf, 5:1 und 4:0 gegen Dynamo Borna sowie 4:0 gegen Aktivist Deutzen. Die brisanten engen Nachbarschaftsderbys gegen Aktivist Kahnsdorf gewann Großzössen knapp mit 2:1 (Tore durch Modersohn, Schiller) sowie 1:0 (Richter). An der Weißen Elster gab es mit Traktor Auligk, Fortschritt Pegau und Fortschritt Groitzsch II drei spielstarke Teams. Traktor Auligk blieb in allen vier Derbys ungeschlagen und spielte gegen Fortschritt Groitzsch II 5:1 und 0:0 sowie gegen Fortschritt Pegau 1:1 und 0:0.

Drei Tage den Sieg feiern

Im Schatten des überragenden Kreismeisters Rötha sprangen die Fußballer von Traktor Auligk mit 58:29 Toren und 34:18 Zählern überraschend auf Platz drei. Hier spielte die Familie Benndorf aus Minkwitz eine große Rolle. Vater Hermann Benndorf war der verantwortliche Trainer, Sohn Maik Benndorf der Torschütze vom Dienst.

Auch Mittelfeldspieler Andre Bräuer, Jahrgang 1963, kann sich noch gut an die erfolgreichste Auligker Zeit erinnern. Andre Bräuer spielte mit der Rückennummer 6 im offensiven Mittelfeld. Beim Auligker 1:1 im Elster-Derby gegen den Erzrivalen Fortschritt Pegau markierte Bräuer den 1:1-Ausgleich. Die Elf war sehr schussstark: Das Stürmertrio Ralf Kunze, Linksaußen Reiner Thiel (Jahrgang 1956) und Rechtsaußen Maik Benndorf, machte immer viel Dampf. Kapitän war Bernd Körner mit seiner Rückennummer 10.

Schon mit dem beeindruckenden 6:2 gegen Aktivist Ramsdorf sowie dem 5:1 gegen Fortschritt Groitzsch II bewiesen die „Grünen“ ihre Angriffswucht. Maik Benndorf erzielte mit 13 Saisontoren die meisten. Beim 5:1 gegen Fortschritt Groitzsch II glänzte er mit einem Hattrick. Dann folgen der offensive Mittelfeldspieler Heinz Schacke und Ralf Kunze mit jeweils acht Treffern. Zugang Reiner Bergter kam im Alter von 29 Jahren als Routinier zum Team. Im Mittelfeld agierten Andre Bräuer, Leander Steinkopf und Steffen Klausnitz. Stammkeeper war der erst 18-jährige Rene Oettel. In der Abwehrkette agierten Heiko Etzold, Lothar Krause und Bernd Körner.

In der starken Rückrunde glänzten die Auligker mit drei klaren 4:0-Siegen über Aktivist Eula, Dynamo Borna und bei Aktivist Kahnsdorf. Abschließend gelang ein 3:0 gegen Chemie Böhlen III nach Toren von Heinz Schacke, Reiner Bergter und Andre Bräuer. Nach dem gelungenen Saisonabschluss fuhr die gesamte Mannschaft für drei Tage in den Thüringer Wald in ein Suhler Trainingscamp und feierte die erfolgreiche Saison.