24. Februar 2021 / 15:06 Uhr

Blick zurück: Becker schießt Machern zum Kreismeister

Blick zurück: Becker schießt Machern zum Kreismeister

Henry Lickfeldt
Leipziger Volkszeitung
Traktor Machern schnappt sich im WM-Jahr den Kreismeistertitel.
Traktor Machern schnappt sich im WM-Jahr den Kreismeistertitel. © privat
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Traktor Machern wird in der Fußball-Saison 1973/74 mit Trainer Wolfgang Strehle erstmals Wurzener Kreismeister. Ein großer Anteil an dem Erfolg sind dabei die neunzehn Treffer von Horst Becker.

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Machern. In lebhafter Erinnerung bleibt den Akteuren der 1. Fußball-Kreisklasse Wurzen das Geschehen im Spieljahr 1973/1974. Im Zeitraum vom 25. August 1973 bis 30. März 1974 kämpften 13 Vereine eifrig um Punkte. Schlechte Platzverhältnisse in den Wintermonaten, kleine Umkleideräume, wenig Telefonanschlüsse und Sportplätze stellten harte Bedingungen dar.

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Titelverteidiger Traktor Bennewitz konnte seinen Titel nicht verteidigen. Traktor Machern erkämpfte sich nach 24 Punktspielen mit der Bilanz von 53:28 Toren und 39:9 Punkten vor Traktor Burkartshain (36:12), Traktor Bennewitz (34:14), Empor Wurzen II (33:15) und Stahl Brandis II (29:19) seinen ersten Meistertitel. Neuling ESV Lok Beucha sicherte sich auf Platz sieben beizeiten den Klassenverbleib.

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Im Abstiegskampf fielen die beiden Schlusslichter Aufbau Lüptitz (6:42) und Traktor Nitzschka (5:43) weit ab. Aufbau kam mit einem blauen Auge davon. Traktor Nitzschka musste am Saisonende in die 2. Kreisklasse absteigen.

Eine Besonderheit gab es zusätzlich mit der jungen A-Junioren-Elf von Empor Wurzen: Diese spielstarke Nachwuchsmannschaft trug außerhalb der Wertung nur Pflichtfreundschaftsspiele aus. Beide angesetzten Freundschaftsspiele zwischen Traktor Machern und Empor Junioren fanden auch statt: Endstand 7:5 und 1:1.

Burkartshain auf Platz zwei

Die Burkartshainer Fußballherren sicherten sich überraschend den Vizemeistertitel und gewannen den Traktor-Pokal. In einem spannenden Endspiel in Wurzen am 22. Dezember 1973 hielten die Burkartshainer den Favoriten Traktor Bennewitz im Strafstoßschießen mit 5:4 Toren in Schach und wurden durch den KFA-Vorsitzenden Gerhard Brodkorb nach dem Spiel mit dem „Silbernen Traktor“ ausgezeichnet.

Im FDGB-Pokalfinale am 23. Mai 1974 in Gerichshain trafen Außenseiter ESV Lok Beucha und Traktor Bennewitz aufeinander. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung stand es 2:2. Im notwendigen Strafstoßschießen behielten die Beuchaer mit 4:2 Treffern aus elf Metern Entfernung die Oberhand und schafften die Sensation.

Zurück zum Liga-Alltag: Im Abstiegskampf ging es eng zu. Hier traf es Schlusslicht Traktor Nitzschka mit nur 5:43 Punkten als Absteiger, weil Aufbau Lüptitz mit 6:42 Punkten einen Punkt mehr sammelte. Die Nitzschkaer erkämpften in den zwei direkten Vergleichen gegen Aufbau Lüptitz beim 4:1 und 5:0 zwar alle vier möglichen Punkte und durch das 2:2 gegen Traktor Nischwitz den fünften Punkt. Trotzdem reichte es für Nitzschka nicht ganz.

Machern ist die stabilste Mannschaft

Wegen Personalproblemen trat Nitzschka zuhause gegen Bennewitz nicht an und musste beim 1:11 bei Empor Wurzen II sogar eine zweistellige Niederlage hinnehmen. Nach Saisonende verlor Traktor Nitzschka die vom Kreisverband angesetzten Relegationsspiele gegen Traktor Thallwitz (Tabellenzweiter der 2. Kreisklasse) klar mit 2:5 und 1:3 Toren. Aufbau Lüptitz besiegte am letzten Spieltag Lok Beucha mit 3:1 Toren und überflügelte damit noch Traktor Nitzschka. Aufbau Lüptitz musste beim 0:10 gegen Bennewitz einmal eine zweistellige Niederlage verkraften.

Die Fußballer von Traktor Machern erwiesen sich als stabilste Mannschaft und erkämpften mit klaren Vorsprung den ersten Meistertitel. Nach Saisonende absolvierten die Macherner noch die acht schweren Aufstiegsspiele zur Bezirksklasse gegen Traktor Krostitz, Lok Naunhof, Lok Ost Leipzig II und Traktor Gerstenberg. Trainer Dr. Wolfgang Strehle führte die Schwarz-Weißen zum Kreismeistertitel. Die erfolgreichsten Torschützen waren Horst Becker mit 19, Thomas Bär mit 13 und Rainer Gafert mit sieben Saisontoren.

Torschützenkönig Horst Becker wurde aufgrund seiner hohen Trefferausbeute von seinen Mannschaftskameraden immer nur mit dem Spitznamen „Artur, der Engel“ angeredet. Stammkeeper des neuen Kreismeisters war Dietmar Fuchs. Traktor Machern erhielt insgesamt nur drei Strafstöße, die jeweils Thomas Bär verwandelte. Die Schiedsrichter pfiffen sieben Elfmeter gegen Machern, von denen Keeper Dietmar Fuchs drei abwehren konnte.

Vorentscheidung vertagt

Die zwei Spitzenspiele gegen Traktor Bennewitz (3:2 und 0:3) beziehungsweise gegen Empor Wurzen II (0:2 und 1:0) brachten noch keine Vorentscheidung. Am 17. Spieltag reiste Traktor Machern umsonst nach Nitzschka, denn der Tabellenletzte trat unsportlicherweise nicht an. Traktor Machern erhielt die zwei Punkte am grünen Tisch. Die Maximalanzahl von 23 Einsätzen erreichten drei Sportfreunde: Klaus Fröhlich, Horst Becker und Thomas Bär.

Als rechter Verteidiger überzeugte der trickreiche Klaus Fröhlich mit seiner Zweikampfstärke. Nur einmal fehlten Erich Nehring und Libero Bernd Härtel, die beide auf jeweils 22 Einsätze kamen. Torwart Dietmar Fuchs stand 21-mal im Torkasten. Steffen Erhard absolvierte 20 Einsätze. Dann folgen mit jeweils 19 Einsätzen Rainer Gafert und Verteidiger Wolfgang Filip. Mittelfeldakteur Heinz Vieweg bestritt 18 Spiele.

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Dietmar Lorenz, Jahrgang 1951, kann sich auch heute noch genau an den Titelgewinn und die schönen alten Zeiten in Machern erinnern. Dietmar Lorenz war Halbläufer, der mit 17 Jahren 1968 in den Männerbereich einstieg und bis 1979 elf Spielzeiten lang seinem Heimatverein Traktor Machern treu blieb. Er hatte auch nie mit Verletzungen zu kämpfen. Lorenz berichtet: „Wir hatten damals zuhause in Machern nur einfache Bedingungen, aber die Kameradschaft untereinander war groß. Unsere Umkleideräume befanden sich in der Turnhalle im Schlosspark. Es gab Toiletten und sechs Waschbecken, aber keine Duschen. Unser Platz lag jedoch 800 Meter von den Kabinen entfernt. Zur Halbzeitpause blieben beide Gemeinschaften deshalb auf dem Platz und tranken heißen Tee!“ Weitere Stammspieler waren Frank Spalteholz mit 16 und die Brüder Steffen und Klaus Erhard.

Im letzten Heimspiel am 23. März 1974 erreichte Traktor Machern im Nachbarschaftsderby gegen Traktor Gerichshain ein 1:1 durch den Treffer von Frank Spalteholz wurde vorzeitig Kreismeister. Die Sportfreunde Klaus Eberhardt, Klaus Zaspel, Edmund Bluschke, Gunter Bergt, Dietrich und Menge waren Ergänzungsspieler. Mit einem torreichen 3:3 bei Aufbau Röcknitz gab es am 30. März 1974 einen tollen Abschluss. Bis zu den Aufstiegsspielen waren noch vier Wochen Zeit, also wurden Testspielpartner gesucht. Die Elf fuhr nach Polen zum SV Sulkovice (bei Krakow) und absolvierte dort ein Freundschaftsspiel. Sportfreund Horst Liebmann vom Kraftverkehr Deuben organisierte einen Mannschaftsbus für die weite Reise nach Polen. Auch eine kleine Meisterfeier wurde dort von den polnischen Sportfreunden organisiert.

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Spannende Aufstiegsspiele

Traktor Machern verkaufte sich in den Aufstiegsspielen teuer. Am 1. Mai 1974 sahen 250 Besucher das 1:1 gegen Lok Naunhof, wobei die Angriffsreihe Vieweg - Zaspel - Becker hieß. Zum 0:2 bei Lok Ost Leipzig II im zweiten Aufstiegsspiel fuhr die Elf mit dem Zug. Am 12. Mai 1974 knöpfte Traktor Machern im dritten Aufstiegsspiel dem Staffelfavoriten Traktor Krostitz ein 2:2 ab.

Die weitere Reise in den Kreis Altenburg unternahm Traktor Machern mit vier privaten Pkw. Trainer Dr. Wolfgang Strehle als Tierarzt und Gunter Bergt als Vorsitzender der LPG waren damals schon mobil. Traktor Machern unterlag bei Traktor Gerstenberg aber mit 2:3 Toren.

In den vier Rückspielen der Aufstiegsrunde zur Bezirksklasse spielte Traktor Machern gegen Traktor Gerstenberg 1:0, 0:5 in Krostitz, 2:2 gegen Lok Ost Leipzig II und 1:4 bei Lok Naunhof. Hinter Traktor Krostitz und Lok Naunhof (beide 11:5) und Lok Ost Leipzig II (9:7) erreichte Traktor Machern mit 9:19 Toren und 5:11 Punkten den 4. Gruppenrang vor Traktor Gerstenberg (4:12). Trainer Strehle zeigte sich mit dem Verlauf des gesamten Spieljahres sehr zufrieden.

Endstand 1973/1974

1. Traktor Machern 24 51:28 39: 9

2. Traktor Burkartshain 24 45.22 36:12

3. Traktor Bennewitz 24 66:22 34:14

4. Empor Wurzen II 24 64:26 33:15

5. Stahl Brandis II 24 61:37 29:19

6. Traktor Nischwitz 24 53:42 26.22

7. ESV Lok Beucha (N) 24 47:47 24:24

8. Traktor Gerichshain 24 28:35 24:24

9. Traktor Großzschepa 24 42:41 20:28

10. Aufbau Röcknitz 24 57:70 20:28

11. Aktivist Hohburg 24 27:45 17:31

12. Aufbau Lüptitz 24 23:95 6:42

13. Traktor Nitzschka 24 28:76 5:43

14. Empor Wurzen Junioren (a. W.)