22. Mai 2020 / 11:43 Uhr

Blick zurück: Zschaitz und Gleisberg kämpfen 1984 bis zur letzten Spielminute um Meisterschaft

Blick zurück: Zschaitz und Gleisberg kämpfen 1984 bis zur letzten Spielminute um Meisterschaft

Henry Lickfeldt
Leipziger Volkszeitung
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Die BSG Traktor Ostrau beendet die Spielzeit auf Rang sechs. © privat
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In der 1. Fußball-Kreisklasse des Jahres 1983/1984 kämpfen Traktor Zschaitz und Rotation Gleisberg bis zum Ende um den Titel. Traktor Ostrau landet im Tabellenmittelfeld.

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Muldental. Das Meisterschaftsfinale der 1. Fußball-Kreisklasse im Spieljahr 1983/1984 hielt die Fans bis zur letzten Spielminute in Atem. Vom 10. September 1983 bis 27. Mai 1984 kämpften zwölf Vereine eifrig um Meisterschaftspunkte sowie Aufstieg und Abstieg. Traktor Zschaitz und Rotation Gleisberg mit jeweils 31:13 Zählern fingen Vorwärts Döbeln mit 30:14 Punkten noch knapp ab. Fortschritt Hartha musste sich trotz starker Rückrunde erneut mit Rang vier begnügen, gewann aber das Pokal-Endspiel gegen Motor Leisnig mit 1:0.

Der ESV Lok Döbeln verbesserte sich auf Platz fünf mit guten 25:19 Zählern. Nach jeweils eher enttäuschenden Vorstellungen rutschten Traktor Ostrau auf Platz sechs, Motor Döbeln II auf Platz sieben und Motor Leisnig auf Platz acht ab. Im Abstiegskampf war Empor Döbeln mit mageren 8:36 Punkten beizeiten und chancenlos weit abgeschlagen. Empor feierte nur zwei Saisonsiege: 3:1 gegen SG Dynamo Waldheim II und 1:0 gegen Motor Roßwein II. Empor musste nach drei Spielzeiten wieder runter in die 2. Kreisklasse.

Ein langer Winter mit viel Schnee sorgte für Chaos im Terminkalender. Vielerorts gab es schlechte Platzverhältnisse in den Wintermonaten und deshalb zahlreiche Spielabsagen. Vorwärts Döbeln und Empor Döbeln hingen der Konkurrenz in der Rückrunde mit bis zu fünf Nachholern hinterher.

Starker Aufsteiger

Vorwärts spielte im Stadion im Bürgergarten und hatte in Mittelstürmer Polland einen echten Torjäger. Trainer Kurt Bunzel und Mannschaftsleiter Werner führten Vorwärts auf Anhieb an die Spitze. Bis drei Spieltage vor Abschluss führte Vorwärts Döbeln die Tabelle klar an, bevor in den letzten drei Punktspielen gegen Gegner der Abstiegszone der Titel noch verspielt wurde. Nutznießer war der Vorjahresfünfte Traktor Zschaitz. Nach 22 Punktspielen lagen die Zschaitzer um Trainer Rainer Göllnitz, Kapitän Adalbert Jentzsch sowie den vier erfolgreichsten Stürmern Steffen Lange, Frank Funke, Andreas Sandig und Gottfried Schumann mit der Bilanz von 55:31 Toren und 31:13 Punkten knapp vorn.

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Anschließend bestritt Traktor Zschaitz die Aufstiegsspiele zur Bezirksklasse gegen Empor Wurzen II (1:5), TSV Lok Naunhof (1:3), SG Lausen (0:2) und Aktivist Rötha (0:2) aber erfolglos. Das tat der Freude jedoch keinen Abbruch.

Seit fünf Spielzeiten gehörten die Zschaitzer Fußballherren unter der Regie von Coach Rainer Göllnitz und Edmund Harrand zur Spitzengruppe. Es gab 13 Siege, fünf Remis und vier Saisonniederlagen. Nach dem Karriereende von Peter Reichel, Heinz Hanschmann und Frenzel gab es Lücken zu schließen. Jürgen Beutel, Vorstopper Volkmar Ehrlich, Kapitän Adalbert Jentzsch und Gerd Zill waren die besten Techniker im Team. Adalbert Jentzsch, Jahrgang 1954, trug als Spielmacher die Rückennummer 7 und war Gastwirt der Gaststätte „Zur Post“ in Zschaitz.

Stammkeeper war der Stauchaer Steffen Blochwitz. Klaus Dieter Dietrich war Ersatztorwart. Torjäger war Steffen Lange, der später nach Eilenburg wechselte. Die drei Sportfreunde Gottfried Schumann, der Schweimnitzer Andreas Sandig und der Mockritzer Frank Funke erzielten ebenfalls viele Tore. Nachwuchsspieler wie Immo Barkawitz (Jahrgang 1963), Roberto Jentzsch und Henry Hanschmann rückten nach. Libero Gerd Zill, Jahrgang 1953, organisierte zuverlässig die Abwehrkette.

Höchste Saisonsiege

Traktor Zschaitz lieferte seine besten Vorstellungen gegen Fortschritt Hartha beim 4:2 und 2:0. Die höchsten Saisonsiege gelangen beim 6:1 gegen Motor Roßwein II, 4:0 gegen Traktor Ostrau, 4:3 gegen Lok Döbeln und 5:2 gegen Vorwärts Döbeln. Weitere Stammakteure waren Bernd Liefold, Frank Sengstock, Peter Sengstock, Steffen Bär, Uwe van Känel, Klaus Heyderich, Horst Saupe und Dietmar Hiller. Vor jedem Zschaitzer Heimspiel kümmerten sich die Alten Herren wie Bernd Hanschmann, Heinz Hanschmann und Hans-Jürgen Gühne um den Aufbau und den Platz.

Für Vorjahresmeister Rotation Gleisberg als Vizemeister war es bitter, den Titel bei Punktgleichheit mit 43:27 Toren und 31:13 Zählern nur um acht Tore verpasst zu haben. Höhepunkte waren die zwei direkten Spitzenspiele zwischen Rotation Gleisberg und Traktor Zschaitz, die beide kurz nacheinander jeweils 2:2 endeten und keine Vorentscheidung brachten. Bei Rotation Gleisberg glänzte die Stürmerreihe mit Joachim Mikuletz, Wolfram Müller und D. Ginter. Stammspieler im Mittelfeld waren Spielmacher Bernd Schrodt, Uwe Schrodt, Andreas Dietze und Siegfried Teschler. Vizemeister Gleisberg wurde in der Rückrunde das überraschende 2:4 daheim gegen Traktor Ostrau und zuletzt das 0:1 bei Motor Roßwein II zum Verhängnis.

Auch im Alter von 34 Jahren war Mittelstürmer Joachim Mikuletz, Jahrgang 1949, der beste Torjäger der Liga. Mit seinen 17 Saisontoren wurde er erneut und zum vierten Mal Torschützenkönig. Freistoßspezialist Andreas Dietze und Mittelfeldakteur Bernd Schrodt waren mit jeweils sechs Treffern auch sehr torgefährlich, obwohl sie nach Aufstellung defensiver spielten. Rotation Gleisberg gewann am vorletzten Spieltag im Topspiel gegen Vorwärts Döbeln mit 1:0 durch den Treffer von Bernd Schrodt (48.), was neue Spannung brachte. Auch beim 1:0 gegen Empor schoß Bernd Schrodt den goldenen Treffer.

Knapp geschlagen

Wichtige Tore erzielte auch Andreas Dietze, so beim 1:0 per Freistoß gegen Fortschritt Hartha. Mit dem Gleisberger Jürgen Hanns gab es einen fleißigen Statistiker, der über alle Fußballspiele genau Buch führte. Hanns trug die Rückennummer 5 und spielte in der Abwehrkette gemeinsam an der Seite von Torwart Wolfgang Götze, Frank Preußer, Helmut Willnich und Rainer Laschet. Reservekeeper war Holger Ginter.

Trainer Bernd Handschack begann im Nachwuchsbereich bei Motor Roßwein 1964 in der Schülermannschaft mit dem Fußballsport. Er schaffte den Sprung zum Roßweiner Stammspieler und spielte 1970/1971 Bezirksliga und dann noch ein Jahr Bezirksklasse. Im Sommer 1972 wechselte Bernd Handschack zu seinem Heimatverein Rotation Gleisberg als Stammspieler der 1. Herren. Im Alter von nur 25 Jahren im Jahr 1977/1978 wurde er Trainer von Rotation Gleisberg und das für den langen Zeitraum von 13 Spielzeiten bis 1990.

Zurück in die Saison 1983/1984: Das Spieljahr war von einer hohen Torquote und guten Zuschauerzahlen geprägt. Es gab keinen Spielabbruch. Mit elf Treffern war die Partie zwischen Vorwärts Döbeln und Dynamo Waldheim II (8:3) die torreichste. Verblüffend war, dass das Rückspiel mit 1:3 gegen Vorwärts ausging. Jeweils neunmal klingelte es bei Fortschritt Hartha gegen Aufbau Waldheim (9:0) sowie Traktor Zschaitz gegen Lok Döbeln (6:3).

Fleißige Helfer

Im Winter waren fleißige Helfer gesucht. Anfang Dezember gab es bei Motor Döbeln II und Empor Döbeln schon die ersten Absagen wegen schlechten Bodenverhältnissen. Spielerfrauen kochten vor dem Anstoß heißen Tee. Nach dem Spiel saßen oft alle Akteure beider Gemeinschaften zum gemütlichen Plausch in der Vereinskneipe. Familien strömten mit Kind und Kegel auf die Plätze. Die meisten Besucher verbuchten Fortschritt Hartha, Motor Leisnig und Aufbau Waldheim. Den Rekordwert von jeweils 320 Besuchern sahen die Nachbarschaftsduelle Fortschritt Hartha gegen Aufbau Waldheim (9:0), das Waldheimer Stadtderby zwischen SG Dynamo II gegen Aufbau (0:3 und 0:1) sowie Fortschritt Hartha gegen Rotation Gleisberg (0:1).

Die Meisterehrung durch den Verband führte Sportfreund Günter Möbius durch. Vor dem ersten Zschaitzer Aufstiegsspiel zur Bezirksklasse gegen Empor Wurzen II übergab Sportfreund Möbius Kapitän Adalbert Jentzsch den Meisterpokal unter dem Jubel der heimischen 300 Zuschauer. Die Tradition in Zschaitz wird gepflegt: Ehemalige Spieler und Betreuer der BSG Traktor Zschaitz treffen sich noch heute regelmäßig anlässlich der Meistertitel 1982 und 1984 in der Gaststätte „Zur Post“ in Zschaitz. Der Zusammenhalt ist auch nach diesem langen Zeitraum ungebrochen.

Überraschungen im Pokal

Etwas überraschend schieden Rotation Gleisberg durch ein 0:3 bei Absteiger Medizin Hochweitzschen sowie Traktor Ostrau durch ein 2:4 bei Lok Döbeln frühzeitig schon in der 1. Pokalrunde aus.

Dramatik brachten die zwei Halbfinalspiele in Hartha und in Zschaitz. Fortschritt Hartha bezwang Vorwärts Döbeln in einem Krimi mit 7:6 Toren im Elfmeterschießen (2:2 n. V.). Traktor Zschaitz unterlag Motor Leisnig in der Verlängerung mit 2:3. Das Endspiel gewann der Meisterschaftsvierte Fortschritt Hartha gegen Motor Leisnig mit 1:0.