11. April 2017 / 10:54 Uhr

"Blind und taub gewesen": Mateschitz kritisiert Flüchtlingspolitik

"Blind und taub gewesen": Mateschitz kritisiert Flüchtlingspolitik

Matthias Puppe
Leipziger Volkszeitung
Dietrich Mateschitz
Dietrich Mateschitz © Imago
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Kritik an Flüchtlingspolitik: Dietrich Mateschitz (72), Mäzen von RB Leipzig, hat sich gegenüber einer österreichischen Zeitung in expliziten Worten geäußert. Seine Gedanken stoßen auf wenig Gegenliebe.

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Leipzig. Fußball-Bundesligist RB Leipzig engagiert sich seit Monaten für Geflüchtete in der Messestadt. Unter anderem spendeten die Roten Bullen 50.000 Euro für die für lokale Initiativen, Spieler sammelten Sachspenden, Asylbewerber wurden mehrfach zum Zuschauen ins Stadion eingeladen. Zudem bezogen auch Teile der Fanszene offen für Flüchtlinge Stellung, beteiligten sich an einer Patenaktion und präsentierten Spruchbanner, die den weltoffenen Charakter aufzeigen sollen. Ein aktuelles Interview mit RB-Mäzen Dietrich Mateschitz sorgt hinsichtlich der RB-Willkommenskultur allerdings für etwas Verwirrung, denn der Finanzier des Leipziger Bundesligisten geht hart mit der weltoffenen Flüchtlingspolitik ins Gericht.

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Ähnlich wie die deutsche Bundesregierung ließen auch die Österreicher auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015 vorübergehend Tausende Geflüchtete ohne Kontrollen ins Land. Im Interview mit der „Kleinen Zeitung“ kritisiert der 72-Jährige nun „das unverzeihliche Ausmaß der politischen Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen bei der Nichtbewältigung der Flüchtlingswelle oder, besser gesagt, der Auswanderungswelle.“

„Man muss blind und taub gewesen sein.

Die Grenzen offen zu lassen sei ein Fehler gewesen, denn „schon damals war für jedermann erkennbar, dass der Großteil der Menschen nicht der Definition des Flüchtlings entsprach“. Hätte ein Unternehmer solch‘ eine angebliche Fehleinschätzung getroffen, sei dieser bald pleite. „Man muss blind und taub gewesen sein", sagte Mateschitz.

Um die vermeintlichen Gefahren durch Einwanderung für die österreichische Gesellschaft zu beschreiben, wählt Mateschitz ein Beispiel aus der Tierwelt: „Es gibt bei allem eine kritische Masse. Am Wochenende 20.000 Wanderer und Mountainbiker im Nationalpark Hohe Tauern, das geht. Da rücken die Gämsen halt zusammen. Wenn du aus den 20.000 aber 200.000 machst oder gar zwei Millionen, dann geht das Ganze kaputt.“ Und weiter: „Wenn einer der höchsten Beamten in Brüssel sagt, dass Staaten mit Monokulturen von der Landkarte ausradiert gehören, dann mache hoffentlich nicht nur ich mir Sorgen. Aber es scheint schon so, dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut, auch wenn jeder weiß, dass es die Wahrheit ist.“

Mateschitz: Scheinheiliges „Wir schaffen das“

Darüber hinaus wettert Mateschitz in harschen Worten gegen die Politik, „die sich in politischer Correctness ergeht“, und gegen die vermeintliche Scheinheiligkeit der Menschen, die Flüchtlinge willkommen geheißen haben: „Ich rede darüber, dass keiner von denen, die ‚Willkommen‘ oder ‚Wir schaffen das‘ gerufen haben, sein Gästezimmer frei gemacht oder in seinem Garten ein Zelt stehen hat, in dem fünf Auswanderer wohnen können.”

Das Interview mit dem RB-Chef ist in Österreich nicht unbeachtet geblieben. Als Reaktion auf seine Schelte gegen all jene, die seit 2015 Flüchtlinge willkommen heißen, haben inzwischen mehrere Flüchtlingsunterstützer einen offenen Brief an den Red-Bull-Chef geschrieben. Darin fordern sie vom Milliardär mehr Respekt für ihr Engagement: „Mit dieser Aussage, die nicht nur falsch sondern auch in höchstem Maße zynisch ist, verhöhnen Sie jene Menschen, die sich nun seit fast zwei Jahren ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren. […] Für dieses ehrenamtliche Engagement brauchen wir keinen Applaus, denn wir tun all dies aus der ehrlichen Überzeugung heraus, dass es richtig ist. Aber mit Ihren jüngsten Aussagen verhöhnen Sie unser tägliches Tun für ein gelingendes Zusammenleben!“