12. September 2019 / 13:17 Uhr

Blindenfußball-Nationalmannschaft und Göttinger Teammanager fahren zur EM nach Rom

Blindenfußball-Nationalmannschaft und Göttinger Teammanager fahren zur EM nach Rom

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft: Co-Trainer Enrico Göbel, Guide Martin Mania, Mulgheta Russom, Mannschaftskapitän Alex Fangmann, Hasan Koparan, Trainer Peter Gößmann, Guide Sebastian Schleich (obere Reihe von links), Jonathan Tönsing, Hasan Altunbas, Nick Leidecker, Sebastian Themel, Lukas Smirek und Ali Pektas (untere Reihe von links).
Die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft: Co-Trainer Enrico Göbel, Guide Martin Mania, Mulgheta Russom, Mannschaftskapitän Alex Fangmann, Hasan Koparan, Trainer Peter Gößmann, Guide Sebastian Schleich (obere Reihe von links), Jonathan Tönsing, Hasan Altunbas, Nick Leidecker, Sebastian Themel, Lukas Smirek und Ali Pektas (untere Reihe von links). © R
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Mit dem Ziel Paralympics-Qualifikation fährt die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft nach Rom zur Europameisterschaft. Rolf Husmann, der Göttinger Teammanager der Mannschaft, berichtet von großen Fortschritten, allerdings auch von einer schweren Vorrundengruppe.

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Eine schwere, aber keine unlösbare Aufgabe steht für die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft und ihren Göttinger Teammanager Rolf Husmann in der kommenden Woche an: Bei der EM in Rom muss sich das Team für das Finale qualifizieren, um das Paralympics-Ticket zu lösen.

Die Vorrundengruppe hat es allerdings in sich, unterstreicht Husmann – das deutsche Team trifft auf große Namen. So wurde Europameister Russland in die Gruppe der Deutschen gelost, und auch England ist dabei. Husmann: „Für mich immer noch die stärkste Mannschaft Europas.“

Frankreich, der dritte Gruppengegner, war dafür verantwortlich, dass Deutschland vor zwei Jahren bei der Heim-EM in Berlin in der Vorrunde scheiterte, zwei schnelle Treffer der Franzosen, die zur 1:2-Niederlage führten, bedeuteten das EM-Aus. „Mit denen haben wir noch ein Hühnchen zu rupfen“, unterstreicht Husmann.

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So gesehen ist ein Sieg gegen Griechenland Pflicht, um in der Fünfer-Gruppe einen der ersten beiden Plätze zu belegen, die zur Teilnahme am Halbfinale berechtigen. „Wir haben alle Teilnehmer der EM schon mal geschlagen, aber so richtig ernst nimmt uns niemand. Wir sind Außenseiter“, stellt Husmann klar.

Los geht es am Dienstag, 17. September, mit dem Spiel gegen England. „Davon hängt viel ab“, sagt Husmann. Weiter geht es nach einem Ruhetag am Donnerstag mit der Partie gegen Griechenland. Am Freitag heißt der Gegner Frankreich, am Sonnabend Russland. „Wenn wir das Halbfinale erreichen, hätten wir schon mehr denn je erreicht“, unterstreicht der 68-jährige Teammanager des deutschen Teams.

Vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) erhält die Blindenfußball-Nationalmannschaft eine Unterstützung von 50000 Euro im Jahr. Dazu kommen Spenden die über den von Rolf Husmann organisierten Freundeskreis der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft (FDBFN) mit Sitz in Göttingen generiert werden – im vergangenen Jahr konnten 20000 Euro gesammelt werden. Die Bundesliga stellte sich zuletzt so spannend wie noch nie dar: Blista Marburg holte sich den Titel durch einen 4:2-Sieg im Sechsmeterschießen im Endspiel gegen den FC St. Pauli, der die Saison dominiert hatte. Außerdem in der Bundesliga vertreten: die Dortmunder Borussia, die auf die Dienste von zwei russischen Nationalspielern zurückgriff, der FC Schalke 04, der MTV Stuttgart und der PSV Köln/Viktoria Berlin. Auf Göttinger und Northeimer Plätze ist im kommenden Jahr in Kooperation mit dem Kreissportbund Northeim-Einbeck wieder ein Viererturnier mit der deutschen und drei weiteren Nationalmannschaften geplant.

Göttingen ist nach wie vor Stützpunkt der Blindenfußball-Nationalmannschaft, ansonsten hat sich viel verändert: Nach dem EM-Aus sprach sich das Team gegen eine Fortführung der Zusammenarbeit mit Bundestrainer Ulrich Pfisterer aus, woraufhin dieser zurücktrat. Pikant: Pfisterer ist nach wie vor Chef des Weltverbandes und müsste bei entsprechender Leistung die Ehrung vornehmen.

Neuer Coach ist der Marburger Peter Gößmann, von dem Husmann in den höchsten Tönen schwärmt: „Er hat eine sehr professionelle Herangehensweise. Der Aufwand, der betrieben wird, ist schon irre.“ Gößmann ist Trainer an der Deutsche Blindenstudienanstalt Blista in Marburg und bringt dadurch Know-how und weitere personelle Möglichkeiten mit.

Marburger Sportwissenschaftler ist Mannschaftsarzt

So konnte der Marburger Sportwissenschaftler Prof. Ralph Beneke als Mannschaftsarzt gewonnen werden. Husmann: „Da steckt viel Professionalität hinter, er kann eine Verletzung sofort gut einschätzen. Es ist eine enorme Steigerung der Kompetenz.“ Außerdem werden zwei Guides, die per Zuruf die Spieler über den Standort des Tores informieren, über Blista-Hiwi-Stellen finanziert. Arne Schumann, ebenfalls „aus dem Marburger Stall“ (Husmann), ist für die Video-Analyse, die auf einem Brett erfolgt, zuständig. Der frühere Torwart Enrico Göbel fungiert als Co-Trainer.

Die schwerste Entscheidung für Gößmann in seiner bisherigen Amtszeit war, einen Spieler aus dem neunköpfigen Kader auszusortieren, weil die zugelassene Kadergröße bei der EM acht Feldspieler und zwei Torhüter beträgt. Es traf den altgedienten Mulgheta Russom, der bereits an der Torwand im ZDF einen Auftritt hatte. Russom habe den Schlag aber gut verkraftet, so Husmann.

„Es ist eine Hammer-Gruppe, in die wir gelost worden sind, aber die Spieler sind gut drauf und wild entschlossen“, berichtet der Göttinger Teammanager der Nationalmannschaft. „Es ist die beste Mannschaft, die ich bisher in Deutschland erlebt hat. Ob es reicht, wird sich zeigen: Wir brauchen in den entscheidenden Situationen ein bisschen Glück, und die Jungs haben es eigentlich auch verdient, mal ein bisschen Glück zu haben.“

Von Eduard Warda

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