15. Mai 2021 / 08:00 Uhr

Bo Svensson über die Auferstehung von Mainz 05, Klauseln und seine Prägung unter Thomas Tuchel

Bo Svensson über die Auferstehung von Mainz 05, Klauseln und seine Prägung unter Thomas Tuchel

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Übernahm zu Jahresbeginn die sportlichen Geschicke bei Mainz 05: Trainer Bo Svensson.
Übernahm zu Jahresbeginn die sportlichen Geschicke bei Mainz 05: Trainer Bo Svensson. © IMAGO/Eibner (Montage)
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Bo Svensson, Trainer des FSV Mainz 05, vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund über die Gründe für die wundersame Auferstehung, die natürliche Prägung unter Jürgen Klopp und Thomas Tuchel – und warum er keine Ausstiegsklausel wollte.

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Mainz 05 steht in der Bundesliga dicht vor dem Klassenerhalt. Kaum jemand hätte dies noch vor wenigen Monaten für möglich gehalten, als die Rheinhessen nach einer desaströsen Hinrunde weit abgeschlagen im Tabellenkeller standen. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), spricht Trainer Bo Svensson vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund am Sonntag (18 Uhr/Sky) über den Mainzer Aufschwung und erklärt, warum er keine Ausstiegsklausel hat.

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SPORTBUZZER: Herr Svensson, Ihre Mannschaft streikte in der Hinrunde, hatte sieben Punkte auf dem Konto und galt als untrainierbar. Jetzt steht der Klassenerhalt bevor. Haben Sie ein Wunder geschafft?

Bo Svensson: Fakt ist: Egal, ob wir sechs, 18 oder 36 Punkte haben: Meine Jungs haben vom ersten Tag an das gleiche darüber gehört, was ich von ihnen erwarte. Natürlich hat es mir geholfen, dass ich den Verein, die Leute, die Geschichte hier kannte. Es war aber auch ganz, ganz klar, dass in der Mannschaft viel mehr Qualität steckte, als sechs Punkte aus den ersten 14 Spielen suggeriert haben. Vieles hat in den letzten Monaten einfach gepasst. Wir werden den Leuten in Mainz nie einstellige Tabellenplätze oder Europapokalteilnahmen garantieren können, nicht mal den Klassenerhalt. Aber eines muss immer sein: Eine Mannschaft, die sich jedes Spiel – auf Deutsch – den Arsch aufreißt.

Sie kamen vom FC Liefering, dem Farmteam des FC Salzburg zurück nach Mainz. Wie sehr sind Sie von der Red-Bull-Schule beeinflusst worden?

Nach zwölf Jahren in Mainz war es wichtig, um fußballerisch andere Impulse zu bekommen. Es war auch menschlich eine harte Phase, weil ich von der Familie räumlich getrennt war. Mich hat diese kurze Zeit aber als Mensch und als Fußballlehrer weitergebracht.

Svensson hat eine hohe Meinung von Klopp und Tuchel

Vor dem Gastspiel beim BVB müssen wir noch über ein Thema reden...

... Tuchel und Kloppo!

Sie haben mit Jürgen Klopp zusammengespielt, unter Thomas Tuchel trainiert. Stimmt es, dass man Sie näher beim heutigen Trainer des FC Chelsea verorten müsste?

Keine Ahnung. Das ist für mich auch irrelevant. Ich habe eine hohe Meinung von den zwei Trainern und den zwei Menschen Jürgen und Thomas.

Was haben Sie als Trainer von den beiden mitgenommen?

Unheimlich viel. Dass es nicht nur um Fußball geht, sondern auch darum, dass man für etwas steht, nämlich trotz aller Leidenschaft immer auch für einen respektvollen Umgang. Und dass man eine gewisse Autorität, ein gewisses Selbstbewusstsein mitbringt. Ich habe unter Thomas viel länger gespielt als unter 'Kloppo': Natürlich hat mich das sehr beeinflusst, wie er als Trainer eine Mannschaft geführt und verschiedene Situationen gelöst hat. Ich habe von ihm schon die eine oder andere Trainingsübung geklaut (lacht). Oder mitgenommen, wie man eine Woche von der Trainingsintensität gestaltet, wann man etwas zur Mannschaft sagt.

Svensson erklärt: Deshalb habe ich keine Ausstiegsklausel bei Mainz 05

Die beiden werden unterschiedlich charakterisiert: Taktikfreak Tuchel, Menschenfänger Klopp. Sie entdecken aber mehr Parallelen als Unterschiede?

Ja. Beide sind besondere Menschen mit einem besonderen Charisma, einer besonderen Ausstrahlung. Man steckt Menschen gerne in Schubladen und sagt: Der ist der Taktiknerd, der andere der Menschenfänger! Zu beiden gehört aber viel mehr: Sie sind außergewöhnliche Menschen.

Zu wem haben Sie mehr Kontakt?

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Ich habe ein bisschen mit Thomas geschrieben, als ich Trainer von Mainz 05 geworden bin, aber sonst habe ich gerade nicht viel Kontakt.

Kurios ist ja, dass weder Tuchel noch Klopp Sie zum Trainerberuf gebracht haben, sondern der heutige dänische Nationaltrainer Kasper Hjulmand. Stimmt es, dass Sie sonst eher Lehrer geworden wären?

Das ist sicher ein Stück weit richtig. Ich wollte eigentlich nach meiner aktiven Karriere zurück nach Dänemark und etwas abseits des Fußballs machen, als sich abzeichnete, dass Kasper als Trainer nach Mainz kam. Er hat mich gebeten, ihn zu unterstützen und das mal auszuprobieren. Dann habe ich Schritt für Schritt gemerkt, dass der Trainerberuf tatsächlich etwas für mich sein könnte.

Viele Trainer nutzen aktuell ihre Ausstiegsklauseln. Sie wollten keine in ihrem Vertrag bis 2025. Warum nicht?

Für mich persönlich wäre es komisch, wenn ich sage, ich unterschreibe bei Mainz 05 dafür, dass wir zusammen etwas aufbauen wollen und gleichzeitig sage ich mit einer Ausstiegsklausel: Wenn sich die Lage in zwölf Monaten schneller verbessert, möchte ich schon raus. Dann kann ich nicht von einer 'kompletten Überzeugung' sprechen. Daher war das nie eine Überlegung.

Liegen Sie nach der Saison am Strand oder sitzen in Kopenhagen bei einem EM-Spiel auf der Tribüne?

Hoffentlich beides (lacht). Ich werde auf jeden Fall die Zeit nutzen, um meine Familie und meine Freunde in meiner Heimatstadt zu besuchen. Ich war seit fast einem Jahr nicht mehr da. Und es wäre toll, in Kopenhagen das eine oder andere Spiel schauen zu können. Mal sehen, was dann möglich sein wird.