13. Dezember 2019 / 10:28 Uhr

Olympiasieger Jamanka und Rauhe im Doppel-Interview über mediale Präsenz: "Jammern bringt nichts"

Olympiasieger Jamanka und Rauhe im Doppel-Interview über mediale Präsenz: "Jammern bringt nichts"

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bob-Pilotin Mariama Jamanka und Kanu-Legende Ronald Rauhe sind Olympiasieger in ihren Disziplinen.
Bob-Pilotin Mariama Jamanka und Kanu-Legende Ronald Rauhe sind Olympiasieger in ihren Disziplinen. © Kai-Uwe Wärner/picture alliance/imago images
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Sie führen Teams und haben doch ganz unterschiedliche Voraussetzungen: Bob-Pilotin Mariama Jamanka, die am Wochenende den zweiten Saison-Weltcup in Lake Placid bestreitet, und Kanulegende Ronald Rauhe im SPORTBUZZER-Doppelinterview über Sommer- und Wintersport.

Beide sind Olympiasieger, beide kommen aus Berlin – und doch treffen sie sich zum ersten Mal: Der Kanute Ronald Rauhe (38) gewann 2004 in Athen die Goldmedaille, Bobpilotin Mariama Jamanka (29) stand im vergangenen Jahr in Pyeongchang ganz oben auf dem Treppchen. Wie sie die mediale Präsenz ihrer Sportarten wahrnehmen, was Sommer- und Wintersportler voneinander lernen können und welche Ziele sie haben – eine Begegnung.

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SPORTBUZZER: Mariama Jamanka, mit rund 6000 Social-Media-Followern liegen Sie hinter Ronald Rauhe, dem etwa 15.000 Fans bei Facebook und Instagram folgen. Wie wichtig ist Ihnen diese Währung?

Jamanka: Ich bin niemand, der viel dort postet. Es ist eine sehr gute Möglichkeit, mit den Fans zu interagieren – mir fällt es aber schwer, die Zeit und den Fleiß aufzubringen, es regelmäßiger zu machen.

Rauhe: Meine jungen Kollegen haben mich dazu gezwungen. Ich bin auch erst seit knapp einem Jahr dort präsent. Ich habe aber gemerkt, dass es viel Feedback dazu gibt.

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Das sind die Gesichter der deutschen Wintersport-Saison 2019/20

Die Wintersport-Saison 2019/20 ist in vollem Gange. Der <b>SPORT</b>BUZZER präsentiert die Gesichter des deutschen Wintersports in der Galerie. Zur Galerie
Die Wintersport-Saison 2019/20 ist in vollem Gange. Der SPORTBUZZER präsentiert die Gesichter des deutschen Wintersports in der Galerie. ©

"Die Leute schauen mal ein oder zwei Wochenenden etwas anderes als Fußball"

Ich frage deshalb, weil die Präsenz von Bobwettkämpfen und allgemein von Wintersport im TV höher ist als von Kanusport. Wie nehmen Sie beide das wahr?

Rauhe: Die Gegebenheiten sind eben so, Neid empfinde ich dabei nicht. Wir gönnen uns den medialen Erfolg. Ich sitze selbst vor dem Fernseher und schaue Wintersport. Natürlich hätte ich das für mich auch gern. Aber dafür kämpfen wir. Die Finals, bei denen im August zehn Deutsche Meisterschaften an zwei Tagen gebündelt in Berlin stattgefunden haben und die bei ARD und ZDF zu sehen waren, haben uns einen Schritt weitergebracht. Es liegt an den Verbänden und auch den Sportlern selbst, moderner zu werden und neue Wege zu gehen. Wir brauchen dafür noch mehr Mut.

Jamanka: Der Wintersport ist international gesehen besser organisiert. Es gibt Wintersport außerdem nur in einem begrenzten Zeitraum. Nur weil es TV-Zeiten mit guten Einschaltquoten gibt, läuft bei uns aber medial nicht alles perfekt. Wir haben in Deutschland das Phänomen, dass einige Sportarten extrem in den Medien präsent sind und andere gar nicht. Den Gedanken von zentralen Veranstaltungen wie den Finals finde ich richtig. Die Leute schauen mal ein oder zwei Wochenenden etwas anderes als Fußball.

Rauhe: Ich halte auch nichts davon, immer nur zu jammern, dass man keine TV-Präsenz hat. Wir müssen aktiv etwas ändern.

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Als Pilotin im Bob und erfahrenster Mann im deutschen Kajak-Vierer übernehmen Sie wichtige Führungsrollen. Inwiefern kann man Ihre Aufgaben miteinander vergleichen?

Rauhe: Jeder von uns im Vierer hat eine gewisse Verantwortung. Als Ältester und Bootspapa versuche ich, im Team zu moderieren und Differenzen zu verhindern. Die anderen Jungs wissen, dass sie sich auf mich verlassen können. Das spiegelt sich in meiner Rolle im Boot wider. Ich sitze auf der Position zwei und gebe damit die Taktik vor.

Jamanka: Meine Rolle ist klar. Es geht damit los, dass von der Wahl der Kufen für den Schlitten bis zu den Sponsoren alles über den Piloten läuft. Das gilt auch für Neubeschaffungen und die Kosten. Ich verantworte meinen eigenen Rennstall und übernehme eine Chefrolle. Das war am Anfang schwer, mittlerweile habe ich es gelernt.

Jamanka: "Die Rechnung ist nicht ganz aufgegangen..­."

Sie sind bei Olympia 2018 mit Anschieberin Lisa Buckwitz gestartet. Zuvor fuhren Sie mit Annika Drazek, die von Bundestrainer René Spieß aber der aussichtsreicheren Pilotin Stephanie Schneider zugeordnet wurde. Dürfen Sie Ihre Anschieberin nicht selbst aussuchen?

Jamanka: Bei den Männern sind die Teams fest eingespielt, da hat sich der Bundestrainer nicht eingemischt. Bei den Frauen war es in der Olympia-Saison anders: Da gab es eine klare Reihenfolge. Die Rechnung ist nicht ganz aufgegangen ..­.

… weil Sie mit Buckwitz die Goldmedaille holten – und nicht Schneider.


Jamanka: Genau! Nach Olympia ist die Entscheidung wieder zu den Piloten übergegangen – solange die Ergebnisse stimmen. Ich fahre wieder mit Annika Drazek. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es sich mit Blick auf die Olympischen Spiele wieder ändert und die Trainer verstärkt mitreden. Eine Frage an der Stelle an dich: Müsst ihr euch im Kanu-Vierer jedes Jahr qualifizieren oder seid ihr als Team gesetzt?

Rauhe: Wir haben drei WM-Titel in Folge geholt, eine schlechte Phase würde uns nicht direkt den Platz im Boot kosten. Wenn das Boot für Olympia qualifiziert ist wie in unserem Fall, und keiner einen Totalausfall in der Vorbereitung erlebt, dann ist das Team mit Max Rendschmidt, Tom Liebscher, Max Lemke und mir zu 95 Prozent für Tokio gesetzt.

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Ronald Rauhe hat rund 20 Jahre Erfahrung im Leistungssport. Sie als Bobfahrerin sind erst im Alter von 21 zum Leistungssport gekommen. Welche Gründe gibt es dafür?

Jamanka: Ich habe mit 21 Jahren als Leistungssportlerin begonnen, das ist aber für unsere Sportart nicht ungewöhnlich, weil sie schon gefährlich ist. Ein Zweier-Bob wiegt 170 Kilogramm, der Vierer-Bob über 300 Kilogramm. Ein junger Mensch kann dieses Gerät nicht ohne Weiteres bewegen, beim Krafttraining muss man bis zu einem gewissen Alter sehr vorsichtig sein.

Rauhe: "Bei uns ist alles den Olympischen Spielen untergeordnet."

Abschließend: Welche Ziele haben Sie für die kommende Saison?

Rauhe: Bei uns ist alles den Olympischen Spielen untergeordnet. Dort die Goldmedaille zu holen, wäre ein Traum in der Endphase meiner Karriere.

Jamanka: Ich will bei der Heim-WM im Februar und März in Altenberg den Titel verteidigen.

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