06. September 2021 / 21:01 Uhr

Pilotin oder Anschieberin? Doppelte Olympia-Option für Bob-Olympiasiegerin Lisa Buckwitz

Pilotin oder Anschieberin? Doppelte Olympia-Option für Bob-Olympiasiegerin Lisa Buckwitz

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Lisa Buckwitz mit ihrem Trainer Jörg Weber und ihrem Freund Hans Peter Hannighofer (r.) in der Potsdamer Leichtathletik-Halle. 
Lisa Buckwitz mit ihrem Trainer Jörg Weber und ihrem Freund Hans Peter Hannighofer (r.) in der Potsdamer Leichtathletik-Halle.  © Stephan Henke
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Olympiasiegerin Lisa Buckwitz will als Pilotin zu den Winterspielen, doch auch ein Start als Anschieberin ist wieder eine Option. Beim Anschubtest in Oberhof werden die Weichen für die Saison gestellt.

Lisa Buckwitz hat am Sonnabend ein sehr straffes Programm vor sich. Beim zentralen Leistungstest der deutschen Bobsportlerinnen und -sportler in Oberhof geht sie gleich dreimal an den Start: Als Anschieberin, als Pilotin im Zweier und als Monobob-Pilotin. „Soweit ich weiß, hat das noch nie jemand in allen drei Positionen mitgemacht“, erzählt die 26-Jährige. „Aber bei Olympia sind es ja auch vier Läufe, auch wenn da ein Tag dazwischen liegt“, sagt die Olympiasiegerin von 2018 über die Belastung, die ihr keine Sorgen macht. 

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Die Athletin des SC Potsdam strahlt viel Optimismus aus, wenn sie über den Wettkampf am Wochenende spricht, der richtungsweisend für die ganze Olympiasaison sein kann. „Es ist ein erster Meilenstein, der Bundestrainer sieht, welche Fähigkeiten man hat“, sagt ihr Trainer Jörg Weber. Bundestrainer René Spies war es auch, der den Dreifach-Start angeregt hat, berichtet Lisa Buckwitz. „Ich habe letztes Jahr als Pilotin schon einen guten Test rausgehauen, er weiß, dass ich athletisch stark bin“, sagt sie selbst.

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Denn eigentlich will die Potsdamerin auf der ersten Position im Bob sitzen. Nach dem Olympia-Erfolg als Anschieberin von Mariama Jamanka 2018 in Pyeongchang wechselte sie an die Lenkseile. Darauf lag in den vergangenen dreieinhalb Jahren auch der Fokus. „Es war eine harte Zeit danach, von ganz oben bin ich nach ganz unten gestiegen. Man wünscht sich vielleicht, dass es schneller geht, aber manchmal kann man das nicht beeinflussen, es ist eine Erfahrungssportart“, sagt sie über die manchmal nur kleinen Schritte, die es voranging. In der vergangenen Saison kam sie dann erstmals konstant zu Einsätzen, holte sich bei der Junioren-WM als Pilotin sogar die Silbermedaille. 

Doch mit der möglichen Rückkehr als Anschieberin hat sie nun eine doppelte Olympia-Option: Entweder, sie schafft es als Pilotin, oder eben als Anschieberin. „Mein Ziel ist es, wieder zu Olympia zu fahren. Welche Variante es dann ist, werden wir sehen. 2026 will ich als Pilotin an den Start gehen“, sagt sie selbst, ihr Trainer drückt es so aus: „Die Überlegung ist nicht, ob wir nach Peking kommen, sondern wie.“

Als Pilotin hat sie dabei eine harte Konkurrenz, „der Bundestrainer hat jetzt schon die Qual der Wahl mit den vier etablierten Teams im Weltcup“, sagt Weber. In diese Phalanx versucht Buckwitz als Pilotin einzubrechen. Wobei nur zwei Teams sicher zu den Winterspielen nach Peking fahren dürfen, eventuell auch ein drittes, wenn die deutsche Mannschaft im Weltcupklassement unter die ersten beiden Mannschaften kommt. Beim Anschubtest der Pilotinnen vor einem Jahr war sie die Beste, fahrerisch haben die anderen vier noch einen (Erfahrungs-)Vorsprung. 

Als Anschieberin stünden die Chancen dagegen wohl besser, da Lisa Buckwitz neben ihrer starken Athletik noch die Olympia-Erfahrung und das passende Gewicht mitbringt. Weil sie etwas kleiner und leichter als ihre Anschub-Konkurrentinnen ist, könnte sie sich auch mit großen und entsprechend schwereren Pilotinnen in den Bob setzen. Als größte Konkurrentin schätzt sie Deborah Levy ein, die ebenfalls für den SC Potsdam startet, aber in Dortmund trainiert.


Freund zieht nach Potsdam

Am Donnerstag fährt Lisa Buckwitz mit den anderen Bobsportlerinnen und -sportlern nach Oberhof. Mit dabei ist dann auch ihr Freund, der Bobpilot Hans Peter Hannighofer (23), selbst Junioren-Weltmeister, WM-Dritter und ein Pilot, der ebenfalls Olympiahoffnungen hat. Seit drei Jahren sind die beiden ein Paar, im April zog er schließlich nach Potsdam, trainiert seither in der Trainingsgruppe von Weber, sein Trainerkollegen Kevin Kuske betreut eine weitere Gruppe.

Dass sich am Sonnabend schon der Verlauf der ganzen Saison entscheiden kann, das beunruhigt Lisa Buckwitz wenig. „Ich mache mir da keine Platte, bei den Tests war ich immer gut“, sagt sie selbst. Jörg Weber, der sie schon lange kennt, meint: „Ich sage immer, sie ist eine Kriegerin.“ Eine, die um ihre Olympia-Chance kämpft.

17 Potsdamerinnen und Potsdamer in Oberhof am Start

Insgesamt 17 Bobsportlerinnen und -sportler gehen am Wochenende beim zentralen Leistungstest des Bob- und Schlittenverbands in Oberhof an den Start, bei dem zwischen 50 und 60 Teilnehmer erwartet werden. Neben Lisa Buckwitz sind das bei den Frauen Marijana Herrmann, Lena Neundecker, Madlin Dossow, Viviann Montwill, Sarah Aamed und Joline Lindner. Bei den Männern haben Paul Hensel, Max Pietza, Hannes Schenk, Eric Franke, Philipp Wobeto, Rupert Schenk, Oliver Peschk und Marvin Paul für den Wettkampf gemeldet. Dazu kommt mit Hans Peter Hannighofer ein Pilot, der seit April in Potsdam trainiert, aber weiter für den BRC Thüringen fährt. Für den SC Potsdam startet zudem Anschieberin Deborah Levi in Oberhof, sie trainiert in der Regel in Dortmund. Am Sonnabend treten die Frauen und Männer an, am Sonntag finden dann die Wettkämpfe der Nachwuchssportlerinnen und -sportler statt.