05. Dezember 2019 / 11:48 Uhr

Bobpilotin Schneider unter Quali-Druck - Bruchpilotin mit „Befreiungsschlag“

Bobpilotin Schneider unter Quali-Druck - Bruchpilotin mit „Befreiungsschlag“

dpa
12.01.2019, Bayern, Schönau Am Königssee: Zweierbob, Frauen, Kunsteisbahn am Königssee: Die deutschen Bobfahrerinnen Stephanie Schneider (l) und Ann-Christin Strack lächeln bei der Siegerehrung. Schneider und Strack belegen den dritten Platz. Foto: Tobias Hase/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die deutschen Bobfahrerinnen Stephanie Schneider (l) muss das WM-Ticket kurz vor dem Jahreswechsel lösen. © dpa
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Stürze pflasterten ihren Weg. Doch Bobpilotin Stephanie Schneider ist immer wieder zurückgekommen. Scherzhaft meinte sie nach allen Rückschlägen: Ich brauche Druck. Nach den beiden Übersee-Rennen in Lake Placid kämpft sie auf ihrer Heim-Bahn ums das WM-Ticket.

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Altenberg/Lake Placid (dpa) - Die interne Qualifikation für die Heim-Weltmeisterschaft in Altenberg ging voll daneben. Dann gab es unerwartet eine zweite Chance: Das Ticket muss die WM-Zweite Stephanie Schneider vom BSC Sachsen Oberbärenburg nun kurz vor dem Jahreswechsel im Direktduell mit der jungen Wiesbadenerin Kim Kalicki auf der WM-Bahn im Kohlgrund lösen. „Erfolgreich bin ich wohl nur, wenn ich ein bissl Druck habe. Es ist alles schiefgelaufen, was in Altenberg schieflaufen konnte“, sagte Schneider kurz vor der Abfahrt zum Weltcup-Auftakt an diesem Wochenende in Lake Placid.

Parallelen zur Vorsaison werden deutlich. Denn nach dem Verletzungsrückschlag bei Olympia 2018 in Pyeongchang, wo sie mit der Startrakete Annika Drazek im optimierten Bob Deutschland I saß und plötzlich mit Rückenschmerzen mit ansehen musste, wie Mariama Jamanka mit ihrer ursprünglichen Anschieberin Lisa Buckwitz sensationell Olympia-Gold holte, kamen Gedanken ans Karriereende. „Ich wusste nicht, ob es überhaupt weitergeht. Und dann kam im vergangenen Winter eine Saison, die nicht ganz so prickelnd los ging“, meinte Schneider und verwies auf den Sturz beim Auftaktrennen in Sigulda, wo sie sich am Ellenbogen verletzte. Dennoch startete sie eine Woche darauf in Winterberg und gewann sogar.

Stehaufmännchen Schneider

Die phasenweise als Bruchpilotin verschrieene Schneider gilt als Stehaufmännchen. Immer wieder kämpfte sie sich nach brutalen Stürzen zurück. So auch im Februar, als sie bei der WM auf der Hochgeschwindigkeitsbahn in Whistler schwer stürzte. Cheftrainer René Spies wollte nichts riskieren und traf die Entscheidung zum Start im allerletzten Trainingslauf. Nach vier Rennläufen gewann sie mit Anschieberin Ann-Christin Strack WM-Silber hinter Olympiasiegerin Jamanka und Annika Drazek. „Was wir dann daraus noch gemacht haben in Whistler, war Wahnsinn. So ein Happy End dort. Wir waren ja nur ein Zwei-Mann-Team mit Ann-Christin Strack. Und wir haben mit der Bahn wirklich gekämpft“, meinte sie im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

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Im Rennen im Kampf um Heim-WM

Nun kämpft die ehemalige Anschieberin mit ihrer Heimbahn, die genauso anspruchsvoll ist wie die Strecke beim Weltcup-Auftakt in Lake Placid. Das letzte Rennen am Mount van Hoevenberg beendete sie im Februar dieses Jahres mit Anschieberin Deborah Levi auf Rang drei. „Seit dem Sturz in Whistler bin ich etwas vorsichtiger geworden“, gesteht die 29-Jährige, die den Rückschlag bei der Ausscheidung in Altenberg als „Wachmacher“ bezeichnete. „Wir können viel mehr, das werden und müssen wir zeigen“, sagte sie. Cheftrainer Spies will den Angriff der jungen Wilden im Frauen-Bereich nicht chancenlos abschmettern. „Mit Laura Nolte und Kim Kalicki haben zwei junge Frauen aufgezeigt, dass sie jetzt dran sind. Das Leistungsniveau ist sehr eng beieinander, daher gibt es ganz viele Aspekte, die man berücksichtigen muss“, sagte er zur Weltcup-Nominierung.

Da sich Schneider bei der zweiten Ausscheidung in Königssee mit der routinierten Lisette Thöne souverän durchsetzte, bleibt sie im Kampf um die Heim-WM mit im Rennen. „Die Jungen müssen jetzt auch kommen, Jeder will, es darf aber nicht jeder“, meinte sie augenzwinkernd. Mit ihren Gedanken ist die gebürtige Erlabrunnerin längst bei den Titelkämpfen in Sachsen. „Wir wollen da 105 Prozent geben. Ob wir auf Kante fahren, hängt auch von der Konkurrenz ab“, sagte Schneider und erinnert an das Comeback von Kaillie Humphries. Die zweimalige Olympiasiegerin aus Kanada startet nach ihrer Hochzeit nun für die USA. „Kaillie mag die Bahn in Altenberg, dass wird sie sich nicht nehmen lassen. Ich rechne voll mit ihr“, meinte Schneider.