19. April 2021 / 11:45 Uhr

Bodo Schmidt - Von der Landesliga in die Champions League

Bodo Schmidt - Von der Landesliga in die Champions League

Andrè Haase
Kieler Nachrichten
Der gebürtige Preetzer Bodo Schmidt feierte mit Borussia Dortmund zwei Deutsche Meisterschaften.
Der gebürtige Preetzer Bodo Schmidt feierte mit Borussia Dortmund zwei Deutsche Meisterschaften. © Imago
Anzeige

Der KN-Sportbuzzer blickt zurück auf die Karrieren regionaler Fußballgrößen. Heute richtet sich unser Fokus auf Bodo Schmidt, der das Fußball-ABC bei Rot-Weiß Niebüll erlernte. Der heute 53-Jährige legte bei Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln eine beeindruckende Bundesligakarriere hin.

Anzeige

Vor 34 Jahren schaffte der gebürtige Preetzer Bodo Schmidt den Sprung in den Profifußball. Dabei erlernte der heute 53-Jährige das Fußball-ABC nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum, sondern in Nordfriesland, bei Rot-Weiß Niebüll. „Als ich zwei Jahre alt war, verschlug es meine Eltern beruflich in diese Gegend. Mit fünf Jahren begann ich dann in Niebüll dem Leder hinterherzujagen“, bestätigt Schmidt. Schnell wurde sein Talent entdeckt, es folgten Berufungen in die Kreis- und Landesauswahl. „Das war wirklich schon witzig. Ich kam mir vor wie ein Exot. Die anderen Spieler in der Landesauswahl kamen von Holstein Kiel, VfB Lübeck und dem VfR Neumünster. Ich hatte immer die weiteste Anreise“, erinnert sich der Ex-Profi. Auch eine Einladung des DFB ließ nicht lange auf sich warten. Für die U16-Nationalmannschaft machte Schmidt drei Länderspiele. Für ein Jahr zog es Schmidt dann in die A-Jugend von TSB Flensburg. Danach ging es zurück zu Rot-Weiß Niebüll in den Seniorenbereich. Die Ersten Herren spielten in der Landesliga Nord.

Anzeige

Wechsel zum FC Bayern München

Nach einem Jahr holte der ehemalige Trainer der Landesauswahl, Fritz Bischoff, Schmidt zu den Amateuren von Bayern München. „Das war natürlich erst einmal ein Kulturschock für mich. Vom beschaulichen Nordfriesland nach München. Dabei hätte ich schon ein Jahr früher an die Säbener Straße wechseln können, aber meine Eltern wollten, dass ich erst einmal mein Abitur mache“, erklärt Schmidt. Auch hier konnte er mit guten Leistungen überzeugen. Kein geringerer als Jupp Heynckes holte Ihn einige Male in den Kader der Bundesligamannschaft.

Die Aufwärmshow des Diego Maradona

„Im Halbfinale des UEFA-Cups 1989 spielten wir gegen den SSC Neapel. Ich saß auf der Ersatzbank, als Superstar Diego Maradona seine legendäre Aufwärmshow nach dem Lied "Live is life" von der Gruppe Opus startete. Mit offenen Fußballschuhen verzauberte er die Zuschauer mit seinem Können am Ball. Das war schon der Wahnsinn“, schwärmt Schmidt noch heute. Zu einem Einsatz bei den „großen Bayern“ kam es jedoch nicht.

Wechsel zur SpVgg Unterhaching

Zur Saison 1989/90 erfolgte der Wechsel zum Zweitligaaufsteiger SpVgg Unterhaching, jedoch stieg das Team gleich wieder in die Amateur-Oberliga Bayern ab. Schmidt blieb noch ein weiteres Jahr am Sportpark und spielte sich in die Notizbücher einiger Bundesligisten. „Ich habe trotz des Abstiegs eine recht gute Saison gespielt und wurde dann Michael Skibbe, der mit meinem damaligen Mitspieler Edmund Stöhr den Fußballlehrer machte, dem BVB empfohlen“, so der ehemalige Abwehrrecke. Schmidt wurde zu einem Probetraining eingeladen. „Auch das war eine witzige Geschichte. Damals war Horst Köppel dort noch Trainer. Ich spielte unter seiner Beobachtung beim BVB vor, wusste aber, dass Ottmar Hitzfeld ihn als Trainer ablöst. Trotzdem hat es mit einem Vertag geklappt“, erzählt Schmidt und führt fort: „Ich weiß noch, als ich meinen Vertrag dort unterschrieben habe, sagte der damalige Manager Michael Meier zu mir, wer hier einen Vertrag unterzeichnet, muss sich im Klaren darüber sein, dass hier Fußball gelebt wird und dass der Fußball hier Religion sei. Damit hatte er völlig Recht“, gesteht Schmidt.

Debüt in der Bundesliga für Borussia Dortmund - Deutsche Meisterschaft 1995 und 1996

Am 3. August 1991 debütierte Schmidt in der Bundesliga beim Auswärtsspiel gegen den Karlsruher SC. 116 Spiele absolvierte er mit Fußballgrößen wie Matthias Sammer, Andreas Möller, Steffen Freund, Flemming Poulsen, Karl-Heinz Riedle und Stephane Chapuisat. Schmidt wurde mit den Borussen 1992 Vizemeister und in den Jahren 1995 und 1996 Deutscher Meister. „Das waren natürlich sensationelle Erlebnisse. Man begreift dann, welchen Status und Stellenwert der Fußball hier in dieser Region hat. Über 500000 Fans haben uns am nächsten Tag in der Stadt gefeiert“, verrät Schmidt. Drei Einsätze in der Champions League folgten 25 Spiele im UEFA-Cup für Dortmund.

64 Bundesligaeinsätze für den 1. FC Köln - Wechsel nach Magdeburg

Nachdem die Borussen zur Saison 1995/96 Nationalspieler Jürgen Kohler verpflichteten, wurde die Luft für Schmidt im Abwehrzentrum dünn. 23 Spiele verbuchte er in der Saison „nur“ noch, sodass im Sommer 1996 ein Wechsel zum 1. FC Köln erfolgte. Bis zum Sommer 1998 stand Schmidt für die Rheinländer in 64 Bundesligaspielen auf dem Platz, ehe er im Sommer 1998 zum Regionalligisten 1. FC Magdeburg wechselte. „Vier Jahre bin ich dort geblieben. Auch das war eine sehr schöne Zeit. Leider sind wir 2002 aus finanziellen Gründen zwangsabgestiegen“, berichtet der Vater zweier Mädchen, der daraufhin mit seiner Familie zurück nach Niebüll zog.

Der Schritt zurück in die Heimat

Schmidt schloss sich Flensburg 08 an und wurde später dort auch Spielertrainer. Von 2007 bis 2015 coachte er dann den SV Frisia 03 Risum-Lindholm, eher es ihn zurück zu Rot-Weiß Niebüll zog. Im Mai 2020 beendete Schmidt dann sein Engagement bei den Nordfriesen. „Der Kreis hatte sich mit meiner Rückkehr hierher geschlossen. Der Fußball hat mein komplettes Leben bestimmt und beeinflusst. Ich habe den Abstand gewonnen und kann mich auch mal anderen Dingen widmen, denn während meiner Profilaufbahn ist auch einiges auf der Strecke geblieben. Ich bin jedoch sehr dankbar für das, was ich erleben durfte“, meinte Schmidt, dem auch mal ein Angebot des heutigen Zweitligisten Holstein Kiel vorlag. „Damals war Gerd-Volker Schock dort Trainer und wollte mich gerne verpflichten“, erzählt Schmidt, der seit 14 Jahren eine eigene Praxis als Physiotherapeut betreibt – natürlich in Niebüll.

Bodo Schmidt heutzutage in seiner eigenen Praxis in Niebüll.
Bodo Schmidt heutzutage in seiner eigenen Praxis in Niebüll. © Privat

News und Infos zu Holstein Kiel lesen Sie hier.