26. Juni 2018 / 07:30 Uhr

Böhlens Coach Sören Zborala macht Schluss

Böhlens Coach Sören Zborala macht Schluss

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Böhlens Trainer Sören Zborala (48) macht endgültig Schluss – und wird hier von Mike Lohse (r.) verabschiedet.
Böhlens Trainer Sören Zborala (48) macht endgültig Schluss – und wird hier von Mike Lohse (r.) verabschiedet. © Andreas Döring
Anzeige

Abschied von der Kommandobrücke bei Chemie – bis zum Trainingsauftakt soll ein Nachfolger vorgestellt werden.

Anzeige

Um den Platz auf der Kommandobrücke hat er sich nie gedrängt, bevor er aus der Not geboren dann doch dort landete und sie nun wieder verlässt. Der 48-jährige Sören Zborala nimmt als Cheftrainer des Fußball-Kreisoberligisten SV Chemie Böhlen seinen Hut. Den hatte er sich Anfang 2017 nach dem Weggang des bisherigen Coaches Marco Mühlner, der mittlerweile beim TSV Markkleeberg in der Leipziger Stadtklasse in gleicher Funktion tätig ist, aufgesetzt. Dem Verein fehlten ganz einfach auf die Schnelle die Alternativen für den vakanten Posten.

Anzeige

So spannte sich Zborala vor den Karren und zog ihn gemeinsam mit der Mannschaft sowie in enger Zusammenarbeit mit Kapitän Toni Röder als verlängerter Arm auf dem Spielfeld aus dem Abstiegssumpf heraus. Letztlich reichte es zum 14. Platz und damit zum Klassenerhalt. Zborala ließ allerdings nie Zweifel daran, das Amt nur auf Zeit übernommen zu haben. Doch ein neuer Trainer war noch immer nicht in Sicht, womit sich sein „Vertrag“ um ein weiteres Jahr verlängerte.

Nun hat er ohne jeglichen Anflug von Groll die Reißleine gezogen, wobei ihm ein gleitender Übergang ab der Winterpause durchaus angenehm gewesen wäre. Aber erneut war den Böhlener Vereinsverantwortlichen die Zeit davon gelaufen. Immerhin entschädigte der Saison-Ausklang für manches graue Haar. Zwei Tage nach der Ausstands-Feier mit dem Team und weiteren Wegbegleitern bezwang seine Truppe den bereits feststehenden Meister Frohburg mit 3:2.

Stressfreier Abstiegskampf​

Noch einige Minuten selbst mitzumischen, dieser Verlockung widerstand er aufgrund der Hitze und des knappen Spielstands. Der zehnte Tabellenrang konnte jedenfalls behauptet werden, wobei die jetzt zu Ende gegangene Serie in Sachen Abstiegskampf ohnehin ein wenig stressfreier verlief als die vorherige, in der Zborala damals ins kalte Wasser geworfen wurde.

Mehr zum Fußball im Muldental

Zurückblickend hatte er sich in seiner sportlichen Laufbahn die eine oder andere Auszeit vom Fußball genommen. Als Sechsjähriger begann der zweifache Familienvater und inzwischen glückliche Opa in seiner damaligen Heimatstadt Pegau mit dem Kicken. Er probierte auch andere Disziplinen aus, war unter anderem Leichtathlet. Selbst nach dem Umzug nach Böhlen im Jahr 1990 wurde die Jahnbaude nicht sofort seine Heimat, bevor er ab 1995 in der zweiten Garnitur der Chemiker die Töppen wieder schnürte – unter Coach Tino Seidel, der in der Region zudem als einer der besten Schiedsrichter bekannt war.

Zwischenzeitlich unternahm Zborala einen Abstecher nach Espenhain, wo der Fußball zu dieser Zeit eine unglaubliche Renaissance erlebte und der unvergessene Wolfgang Jaschob einen ambitionierten Kader zusammengestellt hatte. Später zog es Zborala zurück an die Pleiße, an der er die Reihen der Alten Herren verstärkte.

Karriere-Ende nach zweitem Kreuzbandriss

Sofern es seine Schichtarbeit, an die er sich seit der Lehrzeit gewöhnt hat, erlaubte. Bei den Böhlener Oldies stand er hin und wieder neben Haudegen aus der DDR-Oberliga wie Klaus Havenstein, Gianfranco Zanirato, Manfred Zaspel und Jochen Kunath auf dem Rasen. Nach einem zweiten Kreuzbandriss war damit allerdings Feierabend.

So wechselte er an die Seitenlinie und wurde Co-Trainer im Männerbereich. Zunächst in der Reserve neben Hans Karwath, dann unter Rolf Tröger und Marco Mühlner in der Ersten. In welcher nach seinem Abgang die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden und bis zum Trainingsauftakt am 17. Juli endlich ein neuer Coach vorgestellt werden soll. Einer, der unter Einbeziehung von Routiniers wie Toni Röder und Ronny Lippmann die Fäden zieht.

Zborala selbst hält sich in Zukunft heraus aus dem Tagesgeschäft, bricht jedoch nicht alle Zelte ab. Seine Telefonnummer ist hinterlegt, falls es mal brennt. Ansonsten sei er nur noch stiller Genießer. Das Schlusswort gehört dem scheidenden Trainer: „Danke an alle, die mich unterstützt haben. Es war eine schöne Zeit und hat viel Spaß gemacht.“