18. Oktober 2021 / 18:37 Uhr

Böhlens Spielertrainer Röder macht Schluss: Wurde „wohl lieber von hinten gesehen“

Böhlens Spielertrainer Röder macht Schluss: Wurde „wohl lieber von hinten gesehen“

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Chemie Böhlen in grün : Döbelner Sc - vl Steve Oehme 24 - Toni Röder C Bö - Markus Draßdo
Toni Röder (am Ball) ist nicht mehr der Spielertrainer von Chemie Böhlen. © Jens Paul Taubert
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Der mehr oder weniger überraschende Rücktritt von Toni Röder als Spielertrainer des Fußball-Kreisoberligisten SV Chemie Böhlen war keinesfalls ein Schnellschuss, sondern Resultat reiflicher Überlegungen. Leicht hat sich der 32-Jährige die Entscheidung nicht gemacht, sie war für ihn allerdings alternativlos.

Böhlen. Seine Ansichten und die einiger Spieler seien zunehmend auseinander gegangen. Er habe nicht mehr das Gefühl gehabt, dass alle in erforderlichem Maße für den Erfolg brennen und wollte deshalb den Weg für frischen Wind freimachen. „Der eine oder andere hat mich zuletzt wohl lieber von hinten gesehen, weil ich mit meiner Meinung über die teilweise unzureichende Einstellung nicht hinter dem Berg gehalten habe. Man ist dann auch spürbar ausgebrannt, da ziehst du besser die Reißleine. Zumal die Doppelfunktion keine einfache Aufgabe ist, aber das war mir von Beginn an bewusst. Doch das Leben geht weiter, für mich und natürlich auch den Verein.“ Dem SV dankt der scheidende Coach für die langjährige Unterstützung sowie das in ihn gesetzte Vertrauen. Für die Zukunft wünscht Röder alles Gute, insbesondere seinem Nachfolger und Vorvorgänger Marco Hurt.

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Mit Hurt gab es ebenfalls Dissonanzen, insgesamt habe man allerdings ordentlich zusammen gearbeitet. „Hoffentlich kann er das Ruder herumreißen und die Karre aus dem Dreck ziehen. Ich werde weiterhin ein Auge darauf werfen, mein Herz hängt immer noch an Chemie. Wir sind schließlich nicht im Bösen auseinander gegangen, dreckige Wäsche werde ich auf gar keinen Fall waschen und auch nicht alle Fehler bei der Mannschaft suchen“, beschwichtigt Röder.

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Das Kapitel Böhlen ist für ihn dennoch abgeschlossen, obwohl er nach seiner Jugendzeit beim VfB beziehungsweise 1. FC Lok Leipzig im Männerbereich ausschließlich für die Pleißestädter aufgelaufen ist und bei den Grün-Weißen acht Jahre lang zudem Nachwuchstrainer war. „Es war von Beginn an kommuniziert, dass ich nicht irgendwann wieder ins zweite Glied rücke. Bis Weihnachten habe ich mir erst einmal selbst eine Auszeit verordnet und werde mich in dieser Zeit auf meine kleine Trockenbaufirma, auf die Familie und meine Schiedsrichterlaufbahn konzentrieren. Dem Fußball werde ich verbunden bleiben, vielleicht tauche ich irgendwann in einem anderen Verein auf. Anfragen hat es in den vergangenen Tagen bereits gegeben, reichlicher als ich für möglich gehalten habe. Mal schauen, was sich ergibt. Doch jeder sollte wissen, dass ein Toni Röder seine sportlichen Ziele mit aller Konsequenz verfolgt.“

Äußerst komplizierte Phase

Von einem Tag auf den anderen lag die Verantwortung beim SV Chemie also wieder auf den Schultern von Hurt, den viele noch unter dem Familiennamen Mühlner kennen. Er war einst Spieler sowie Übungsleiter beim Röthaer SV, anschließend schon einmal Coach in Böhlen (am Anfang im Duett mit dem jetzigen Deutzener Trainer Rolf Tröger), stand dann beim TSV Markkleeberg an der Seitenlinie und kehrte später als Röders Assistent an die Jahnbaude zurück.

Das Abtreten seines „Chefs“ hat auch ihn auf dem falschen Fuß erwischt. „Ich wusste nichts davon, es hat mich wie alle kalt getroffen. Den Zeitpunkt direkt vor dem Pokalspiel in Flößberg halte ich für ein wenig unglücklich, aus meiner Sicht war das nicht die feine englische Art. Aber es ist seine Entscheidung, die ich respektieren muss.“ Dem jetzigen Chemie-Coach – der unter anderem wegen seines Hausbaus zeitlich sehr eingespannt ist und daher zunächst nur bis zur Winterpause zugesagt hat – ist völlig klar, dass er sich mit der Mannschaft in einer äußerst komplizierten Phase befindet.

Häufig fehlen wichtige Leute, die Aufstellung sei Woche für Woche ein Personal-Puzzle, die jüngsten Ergebnisse spiegeln das Dilemma wieder. „Aktuell ist das Wichtigste, die Köpfe frei zu bekommen. Es gibt wahnsinnig viel zu tun. Davonzurennen kam für mich allerdings nicht in Betracht. Und beim Blick auf die Tabelle weiß jeder Bescheid, schlechter als mit der roten Laterne um den Hals kann es nicht mehr werden. Doch selbst bei den zuletzt deutlichen Niederlagen gab es nicht nur ausschließlich Negatives zu sehen. Die Truppe hat durchaus gekämpft, bringt sich allerdings mit haarsträubenden Abwehrfehlern selbst um den Lohn der Bemühungen. Wir dürfen dem Gegner die Geschenke nicht auf dem Silbertablett servieren, denn so wird es ganz schwer mit dem Klassenerhalt“, definiert Hurt seine Aufgaben.