01. März 2021 / 14:43 Uhr

Bollwerk gegen Bollwerk: Wolfsburg-Trainer Glasner will im Pokal "alles"!

Bollwerk gegen Bollwerk: Wolfsburg-Trainer Glasner will im Pokal "alles"!

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Erwartet ein intensives Duell: Oliver Glasner, der Trainer des VfL Wolfsburg, muss mit seinem Team am Mittwochabend bei RB Leipzig ran.
Erwartet ein intensives Duell: Oliver Glasner, der Trainer des VfL Wolfsburg, muss mit seinem Team am Mittwochabend bei RB Leipzig ran. © Roland Hermstein
Anzeige

Zwei Siege noch, dann ist das Finale im DFB-Pokal erreicht. Der VfL Wolfsburg will in dieses Endspiel, aber im Viertelfinale muss der Pokalsieger von 2015 am Mittwochabend (20.45 Uhr) mit RB Leipzig eine hohe Hürde nehmen.

Leipzig gegen Wolfsburg, RB gegen den VfL, Zweiter gegen Dritter - das Pokal-Viertelfinale am Mittwochabend (20.45 Uhr, live in der ARD) ist ein Spitzenspiel. Ein Spitzenspiel, in dem die beiden besten Abwehrreihen der Fußball-Bundesliga aufeinandertreffen. Der VfL Wolfsburg hat erst 19 Gegentore hinnehmen müssen, RB 20. Acht Pflichtspiele in Folge haben die Wolfsburger nun schon zu null gespielt. Verrückt: Ausgerechnet Leipzigs Innenverteidiger Willi Orban hatte am 16. Januar mit seinem Ausgleich zum 2:2-Endstand für RB in der 54. Minute für das letzte VfL-Gegentor gesorgt. Jetzt gibt es das Wiedersehen mit RB, vor dem VfL-Trainer Glasner sagt: "Ein sehr spannendes Duell..."

Anzeige

Vor dem vergangenen Spieltag hatte RB mit nur 18 Gegentoren die beste Abwehr der Liga, doch die Gladbacher schafften es am Samstagabend gleich zweimal, den Leipziger Beton zu durchbrechen - und trotzdem standen sie nach dem dem Last-Minute-Sieg (3:2) von RB mit leeren Händen da. Der VfL wiederum machte es beim 2:0 gegen Hertha wie zuletzt immer - er blieb dicht. Jetzt kommt es zum Duell Bollwerk gegen Bollwerk - was wird das für ein Spiel? Eines, bei dem lange die Null steht? Glasner glaubt da eher nicht dran: "Wenn man sich beide Mannschaften anschaut, ist es ja nicht so, dass sich beide am eigenen Strafraum verbarrikadieren, sondern immer wieder versuchen, nach vorn zu spielen." Der Coach ruft daher das 2:2 in Erinnerung. In dem Spiel hatte der VfL nach schwachem Start Vorteile, nach der Pause war dann zuerst Leipzig am Drücker, später wieder der VfL. Glasner: "Beide Teams sind gut organisiert. Wir werden versuchen, es der Leipziger Offensive so schwer wie möglich zu machen."

Mehr zum VfL Wolfsburg

Was kann, was muss der VfL beim Wiedersehen mit RB nun besser machen? "Vieles", sagt Glasner. "Es wird wichtig sein, bei eigenem Ballbesitz die Leipziger vor Aufgaben zu stellen." Vor schwierigen Aufgaben. Denn: Wenn man gegen diese auf Power-Fußball ausgerichtete Leipziger Mannschaft selbst keine Offensivaktionen mehr kreieren könne, "dann erdrücken sie dich". So war es am Samstagabend in der zweiten Halbzeit den Gladbachern ergangen. Ebenfalls wichtig: Glasner fordert eine gute Absicherung, weil Leipzig es immer wieder schaffe, gefährliche Konter zu fahren.

Bereits zum fünften Mal bekommen es Wolfsburgs Fußballer in diesem Wettbewerb mit den Sachsen zu tun - zum vierten Mal müssen sie auswärts ran. 2011 waren beide Teams im Pokal zum ersten Mal aufeinandergetroffen, es war die erste Begegnung beider Klubs überhaupt. In der ersten Runde setzte sich RB mit 3:2 durch. 2015 gab's dann das nächste Duell, da konnten die Wolfsburger im Achtelfinale mit 2:0 gegen die Roten Bullen gewinnen und legten damit den Grundstein für den DFB-Pokal-Erfolg unter Ex-VfL-Trainer Dieter Hecking. Es war der bisher einzige Pokal-Sieg des VfL in Leipzig. Denn 2019, bei der dritten Begegnung, unterlagen die Wolfsburger mit Bruno Labbadia als Trainer an der Seitenlinie mit 0:1 bei RB. Im Oktober 2019 wurde es bei der 1:6-Klatsche vor heimischer Kulisse deftig.

Dass es im Pokal gegen Leipzig gleich dreimal nicht zu einem Weiterkommen gereicht hat, sorge beim VfL vorm erneuten Aufeinandertreffen für keine zusätzliche Motivation. "Die brauchen wir auch nicht", so Glasner. "Zwei Spiele noch, dann würden wir im Finale stehen. Es ist egal, gegen wen wir jetzt spielen. Die Herangehensweise ist klar: Wir wollen ins Halbfinale einziehen." Gleichwohl betonte der Coach, dass da "ein sehr schwieriger Gegner wartet", der sehr heimstark sei. "Sie haben bisher zu Hause nur ein Spiel verloren - das war gegen Dortmund. Wir brauchen daher eine Leistung an der oberen Grenze. Aber wir sehen uns dazu in der Lage. Wir werden alles raushauen, was wir haben." Pokal sei eben "all or nothing", alles oder nichts, wie er zu seinen Spielern immer sage. "Und wir wollen 'all'." Also alles!

Übrigens: Glasner hält den Sieger dieses Duells nicht automatisch für den Favoriten auf den Pokalsieg. "Es spielt der Zweite gegen den Dritten der Bundesliga." Es gebe aber auch bereits am Dienstag "noch ein sehr interessantes Spiel", sagte der Österreicher - und dachte an die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund. "Es sind immer noch drei Mannschaften im Wettbewerb dabei, die auch im aktuellen Champions-League-Achtelfinale stehen."


Glasner kann in diesem Top-Spiel fast aus dem Vollen schöpfen. Die zuletzt Verletzten Josip Brekalo (Gehirnerschütterung) und Tim Siersleben (Wade) konnten am Montag mit dem Team trainieren. "Sie sind wieder okay, leider konnte Jerome Roussillon nicht trainieren - er hat Probleme mit seiner Wade", so der Trainer. Ob es für den Linksverteidiger reicht, ist noch offen. Glasner: "Es sieht nicht ganz so gut aus, aber alle anderen Spieler stehen zur Verfügung."