23. März 2021 / 14:24 Uhr

Bondscoach de Boer: Darum spielt Wolfsburgs Weghorst nicht für Holland

Bondscoach de Boer: Darum spielt Wolfsburgs Weghorst nicht für Holland

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Nicht im Kader, aber großes Thema: Bondscoach Frank de Boer (l.) sprach über Wout Weghorst.
Nicht im Kader, aber großes Thema: Bondscoach Frank de Boer (l.) sprach über Wout Weghorst. © dpa / KNVB
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Wout Weghorst schießt Tor um Tor für den VfL Wolfsburg, aber in der niederländischen Nationalmannschaft spielt er dennoch nicht. Bondscoach Frank de Boer muss sich darum viele Fragen gefallen lassen - und gab am Dienstag Antworten.

Zählt man nur die Tore, dann ist eigentlich an Wout Weghorst kein Vorbeikommen. Der Stürmer des VfL Wolfsburg ist der erfolgreichste niederländische Goalgetter in den Top-Ligen Europas, traf 17 Mal in dieser Bundesliga-Saison. Für Frank de Boer, Bondscoach der niederländischen Nationalmannschaft, ist Weghorst dennoch nicht erste Wahl - was in seiner Heimat für große Verwunderung sorgt. Bei der Pressekonferenz des Oranje-Teams am Dienstag war darum eine der ersten Fragen an die Nationaltrainer: Was ist eigentlich mit Wout?

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Den Wolfsburger nicht zu nominieren, sei "die schwierigste Entscheidung überhaupt" bei der Zusammenstellung des Kaders für den Auftakt der WM-Quali gewesen, so de Boer. Und er erklärte, dass er sich vor die Wahl zwischen Weghorst und dem Ex-Gladbacher Luuk de Jong gestellt sah, die in seinen Augen ähnliche Spielertypen sind: "Weghorst macht es gerade in der Bundesliga sehr gut - aber Luuk hat es zuletzt in der Nationalmannschaft auch sehr gut gemacht. Und wir haben nur zwei Trainingstage vor dem ersten Spiel, es ist eine sehr intensive Zeit." Darum sei die Entscheidung auf de Jong gefallen, der mehr Erfahrung im Nationalteam gesammelt hat - 32 Länderspiele (fünf Tore) stehen auf dem Konto des Angreifers vom FC Sevilla, bei Weghorst sind es gerade einmal vier Kurzeinsätze ohne Tor.

In den Niederlanden steht de Boer in dieser Frage unter Druck, kaum eine Fußball-Sendung im Fernsehen kommt im Vorfeld der Spiele in der Türkei (Donnerstag), gegen Lettland (Samstag) und in Gibraltar (Dienstag) ohne das Thema Weghorst aus. "Es ist unbegreiflich. Wenn es jemand verdient hat, dann Wout Weghorst", sagte beispielsweise Journalist und Ex-Profi Johan Derksen in der Sendung "Veronica Inside": "Es ist schon fast unverschämt ihm gegenüber, dass er nicht berücksichtigt wurde."

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Kein Wunder, denn im Vergleich mit dem VfLer sind die Stürmer des Oranje-Kaders nicht nur weniger treffsicher, sondern zum Teil in ihren Klubs nicht erste Wahl. Das gilt nicht nur für de Jong (vier Saison-Tore bei elf Startelf-Einsätzen für Sevilla in der Liga), sondern auch für Ryan Babel (Galatasaray) oder Steven Bergwijn (Tottenham Hotspur) - die allerdings auch keine reinen Strafraum-Stürmer sind. Einzig Memphis Depay (Olympique Lyon) kommt mit seinen 14 Saison-Toren an die Weghorst-Quote heran, passt als eher dribbelstarker Stürmer gut ins de-Boer-System und ist darum als Angreifer Nummer 1 unangefochten.

Am Freitag hatte de Boer mit Weghorst telefoniert, ein Gespräch, das für den Wolfsburg-Goalgetter "sehr enttäuschend war", wie er zugab. Auch de Boer fand das Gespräch "schwierig" und erklärte: "Ich habe ihm gesagt, dass er weiter im Visier ist." Und das sei auch eine Botschaft an die anderen Offensivkräfte der Niederlande, die weiter Gas geben müssten - denn in Wolfsburg lauert ein ernsthafter Konkurrent. Auf die de-Boer-Bemerkung, dass Weghorst heftig an die Tür zum Oranje-Team klopfe, musste er sich auf der Pressekonferenz die Gegenfrage gefallen lassen, ob Weghorst diese Tür nicht längst aufgestoßen habe. Man einigte sich schließlich darauf, dass die Beule, die sein Klopfen in der Tür verursache, schon ziemlich groß sei...

Sein erstes Länderspiel hatte Weghorst auf den Tag genau vor drei Jahren absolviert (Einwechslung in der Schlussminute beim 0:1 im Test gegen England), Nationaltrainer war damals noch Ronald Koeman. Unter Koeman kam der VfLer danach noch in Freundschaftsspielen in der Slowakei und in Italien zum Einsatz, zudem auch im EM-Quali-Spiel 2019 gegen Estland. Im August 2020 wechselte Koeman dann als Coach zum FC Barcelona, sein Nachfolger wurde de Boer, der als Spieler zusammen mit Zwillingsbruder Ronald unter anderem bei Ajax Amsterdam und in Barcelona große Erfolge feierte. In der WM-Qualifikations-Gruppe G sind neben der Türkei, Lettland und Gibraltar die Teams aus Montenegro und Norwegen die weiteren Gegner der Niederlande.