25. Juni 2020 / 08:00 Uhr

Bora-hansgrohe-Manager Ralph Denk über Radsport-Hoffnung Emanuel Buchmann, die Tour de France und Corona-Folgen

Bora-hansgrohe-Manager Ralph Denk über Radsport-Hoffnung Emanuel Buchmann, die Tour de France und Corona-Folgen

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Traut Emanuel Buchmann (r.) das Podium bei der Tour de France zu: Bora-hansgrohe-Manager Ralph Denk.
Traut Emanuel Buchmann (r.) das Podium bei der Tour de France zu: Bora-hansgrohe-Manager Ralph Denk. © Getty Images, dpa/Montage
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Ralph Denk, Manager des Profi-Radsport-Teams Bora-hansgrohe, traut der deutschen Radsport-Hoffnung Emanuel Buchmann das Podest bei der Tour de France zu. Dafür werden ihm sogar mehrere Bergfahrer zur Seite gestellt, wie Denk im SPORTBUZZER-Interview verrät.

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Eigentlich hätte am Samstag die Tour de France beginnen sollen, stattdessen bereiten sich die Radsport-Teams auf den Neustart der Saison nach der Corona-Pause vor. So auch das deutsche Profi-Team Bora-hansgrohe, das derzeit im Ötztal ein Trainingslager absolviert. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Manager Ralph Denk über die schwierige Saison und die Chancen von Teamkapitän Emanuel Buchmann bei der Tour, die nun Ende August starten soll.

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SPORTBUZZER: Herr Denk, wie haben Sie als Teammanager die Corona-Zeit erlebt?

Ralph Denk: Es war eine andere Arbeit, aber ich habe keine Däumchen gedreht. Wir haben viele Gespräche geführt, mussten Ängste besänftigen, Strategien für den Wiedereinstieg zurechtlegen und mit Sponsoren die Lage neu bewerten. Wir haben Partner dadurch besser kennengelernt. Ich bin froh, wenn es jetzt wieder relativ „normal“ losgeht.

Der Radsport lebt von Sponsoren und Preisgeldern. Wie haben Sie das Team über die Zeit bekommen?

Wir sind wahnsinnig auf Sponsoren angewiesen und partizipieren nie an den Zuschauern, die en masse an der Strecke stehen. Dadurch hatten wir jetzt aber immerhin keine Einnahmenverluste. Wir leben zu 95 Prozent von unseren Sponsoren und ich bin froh, dass unsere Partner ihr Engagement bisher nicht reduziert haben. Auch haben wir als Sportart keinen großen Termindruck, weil wir bis Weihnachten fahren könnten, wenn es nötig sein sollte. Im neuen Kalender fehlt gar nicht so viel und ich habe genügend Zeit, den versprochenen Werbewert zu gewährleisten. Sofern die Rennen also alle stattfinden, kommt der Radsport im Vergleich zu anderen Sportarten gut weg.

Denk will mit Team bei Tour de France eine Rolle spielen

Der neue Kalender ist unglaublich komprimiert und wichtige Rennen finden parallel statt.

Lieber Rennen parallel als keine! Ich hätte den Kalender aus persönlicher Sicht noch bis in den Dezember gestaltet, aber wir haben einen guten Kompromiss gefunden. Wir sind es gewohnt, parallel zu fahren. Für uns ist es logistisch also kein Drama.

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Wie planen Sie Ihre Fahrer ein?

Wir haben Vorgespräche geführt und finalisieren die Planung derzeit. Wir werden einen guten Konsens finden und die Rennfahrer verstehen, was auf dem Spiel steht. Es gibt wenige Gewinner in der Krise, jeder muss bereit sein, Abstriche zu machen.

Die Tour de France bleibt dennoch der Höhepunkt des Jahres.

Es ist das größte Sportereignis der Welt, das in diesem Jahr stattfindet, das spielt den Ausrichtern in die Karten. Ich sehe es als große Chance für unsere Sportart. Ich bin hoch motiviert, dass wir die Tour aus deutscher Sicht attraktiv mitgestalten.

Denk: "Emanuel kann noch einen draufsetzen"

Bedeutet: Nach Platz vier im Vorjahr fährt Emanuel Buchmann auf das Podest?

Er ist sehr klar im Kopf, trainiert sowieso immer allein. Ich glaube, er kann noch einen gegenüber dem vergangenen Jahr draufsetzen.

Wird das Team komplett auf ihn zugeschnitten sein?

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Nein, wir werden auch einen Sprinter mitnehmen. Aber Emanuel wird vier Topbergfahrer an seiner Seite haben.

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Wird die Corona-Krise die Leistungen bei der Tour beeinflussen?

Ich glaube nicht. Jeder ist absoluter Profi und niemand wird in die Tour gehen, wenn er nicht perfekt vorbereitet ist. Was das Sportliche angeht, wird es keine Unterschiede zum vergangenen Jahr geben.

Glauben Sie, dass die Corona-Krise wieder vermehrt Dopingprobleme hervorruft, weil weniger Kontrollen stattgefunden haben?

Ich wünsche mir grundsätzlich so viele Kontrollen wie möglich. Kon­trol­len machen unseren Sport glaubhaft. Es muss intelligent und mit den neuesten Methoden getestet werden. Ich hoffe nicht, dass es mehr Dopingfälle gibt. Die aktuelle Generation ist anders! Doping bedeutet auch, gesundheitliche Risiken einzugehen. Ich hoffe, es hat ein Umdenken stattgefunden und dass der Sicherheitsgedanke auch in diesem Bereich herrscht. Früher gab es das Denken, das Tom Simpson in einem Spruch festgehalten hat: Wenn mich zehn umbringen, gib mir neun. Heute ist das völlig anders.