29. November 2019 / 12:18 Uhr

Bornaer SV bildet Jugendliche als Schiedsrichter aus

Bornaer SV bildet Jugendliche als Schiedsrichter aus

Julia Tonne
Leipziger Volkszeitung
Tim, Nick und Florian sind 14 Jahre alt und pfeifen seit zwei Jahren Spiele bis zur D-Jugend.
Tim, Nick und Florian sind 14 Jahre alt und pfeifen seit zwei Jahren Spiele bis zur D-Jugend. © Julia Tonne
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Der Bornaer SV bildet zunehmend mehr Nachwuchs-Schiedsrichter aus. Vor allem Jugendliche will der Verein dafür begeistern. Was ihm trotz der Schattenseiten des Schiri-Daseins auch gelingt.

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Borna. An Schiedsrichternachwuchs herrscht beim Bornaer SV kein Mangel. Seit Monaten bereits baut der Verein seinen „Pool“ an Schiedsrichtern nach und nach aus, bietet selbst Aus- und Fortbildungen an, wirbt bei Erwachsenen und Jugendlichen gleichermaßen. Mit Erfolg: Etliche Unparteiische pfeifen in der ganzen Region, darunter zahlreiche junge Leute. Tim, Florian und Nick sind die jüngsten Nachwuchs-Schiris beim Bornaer SV. Die drei sind gerade einmal 14 Jahre alt, pfeifen aber seit mittlerweile ein bis zwei Jahren Spiele bis zur D-Jugend. Also Kleinfeld.

„In den vergangenen Jahren haben Schiedsrichter im Verein eine Nebenrolle gespielt, das wollten wir ändern“, sagt Ronny Pohle, selbst Unparteiischer, außerdem Trainer und auch noch Verantwortlicher für die Schiri-Ausbildung. Denn Fußball-Vereine bräuchten dringend Nachwuchs in dem Bereich. Was zum Teil sicherlich daran liegt, dass Schiedsrichter bei weitem nicht mehr den Respekt bekommen, den sie verdienen.

Unterstützung für die Jugendlichen für die ersten fünf Spiele

15 Spiele müssen die Spielleiter in einer Saison pfeifen, um die Zulassung zu behalten. Vorbereitet werden sie mithilfe eines Schiedsrichterlehrgangs, zweier Regeltests und einiger Lehrabende. Der Verein zahlt den Kurs und stellt den angehenden Referees die Kleidung zur Verfügung. Während ihrer ersten fünf Spiele wird der Nachwuchs außerdem durch einen Betreuer unterstützt, „damit sie nicht ganz alleine da stehen“, macht Pohle deutlich.

Dass Tim, Florian und Nick die Ausbildung absolviert haben, ist ihrer Fußball-Leidenschaft geschuldet. „Außerdem wäre es schon toll, in einigen Jahren mal Bundesliga-Spiele pfeifen zu können“, sagt Nick. Ob das gelingt, entscheiden aber andere. Nicht nur für Fußball-Talente gibt es Beobachter, sondern auch für Nachwuchs-Schiedsrichter. „Es kann also durchaus sein, dass ab und zu an der Linie Scouts stehen, die gucken, wie wir uns machen“, erklärt Florian.

Auch jugendliche Schiedsrichter sind Anfeindungen ausgesetzt

Dennoch: Friede, Freude, Eierkuchen ist nicht alles beim Pfeifen. Erst vor wenigen Wochen hatten in Berlin Amateurschiedsrichter gestreikt, um auf zunehmende Gewalt gegen Schiedsrichter aufmerksam zu machen. Die Schattenseiten haben Florian, Nick und Tim selbst schon erlebt. Florian beispielsweise wurde heftig beschimpft, als er ein Spiel der D-Jugend Kitzscher gegen Frohburg pfiff. „Ich musste den Trainer vom Platz stellen, da fehlte jeder Respekt“, erinnert er sich. Auch Väter kamen während des Spiels auf den Platz, um ihn verbal zu attackieren. Ergebnis: Das Spiel wurde abgebrochen.

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Was die drei so erschreckt, ist die Tatsache, dass sich Erwachsene oft nicht im Griff haben und die jugendlichen Schiris angehen. „Dabei sind doch auch noch Kinder“, macht Pohle deutlich. Allerdings würden das Trainer, Eltern und Spieler nicht sehen wollen. Für die Erwachsenen am Spielfeldrand sei es völlig inakzeptabel, dass auch Schiedsrichter Fehler machen können. „Die Fairness bleibt auf der Strecke“, ergänzt Tim.

Eltern und Freunde begleiten Schiris zu Spielen

Eben weil Aggressionen von Seiten der Eltern und auch Trainer zugenommen haben, gehört das Thema mittlerweile zur Ausbildung des Schiri-Nachwuchses dazu. „Wir versuchen, die Jugendlichen etwas darauf vorzubereiten. Sie dürfen sich nicht provozieren lassen und schon gar nicht alles an sich ranlassen“, sagt Pohle. Doch das sei oft leichter gesagt als getan. „Natürlich nehmen sich unsere Jungs das zu Herzen, wenn Erwachsene ihnen gegenüber ausfallend werden.“

Die drei Jungs werden, da sie längst ohne Betreuer zu Spielen unterwegs sind, häufig von ihren Eltern oder Freunden begleitet. „Bei mir ist immer jemand mit“, sagt Nick. Und auch Florian und Tim haben Unterstützung durch Familie und Freunde, wenn sich Mannschaften, Zuschauer oder Trainer nicht im Griff haben sollten.

Bornaer SV sucht weiteren Schiri-Nachwuchs

Dennoch: Die drei Jungs stehen gerne auf dem Rasen, wollen auch künftig Spiele pfeifen. „Fußball ist mir einfach wichtig“, bringt es Tim auf den Punkt. Und sie raten anderen Jugendlichen dazu, ebenfalls einen Schiri-Lehrgang zu machen. „Dann kann man Fußballspiele mal aus einer anderen Perspektive sehen.“ Ansprechpartner für interessierte Jugendliche (die nicht zwangsläufig auch Fußball spielen müssen) ist Ronny Pohle. Er ist unter der Nummer 0177/2668331 erreichbar.

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