03. März 2021 / 11:29 Uhr

Kommentar zum Pokal-Aus gegen den BVB: Gladbach ist ein Pulverfass ohne Deckel

Kommentar zum Pokal-Aus gegen den BVB: Gladbach ist ein Pulverfass ohne Deckel

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hat er das Pulverfass im Griff? Marco Rose steht bei Borussia Mönchengladbach in der Kritik.
Hat er das Pulverfass im Griff? Marco Rose steht bei Borussia Mönchengladbach in der Kritik. © IMAGO/Team2, Montage
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Das Aus im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund und die Anfeindungen gegen Co-Trainer Rene Maric wegen eines Plauschs mit BVB-Star Erling Haaland zeigen: Bei Borussia Mönchengladbach ist die Zündschnur kurz, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp.

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Wie hochsensibel die Lage, wie kurz die Zündschnur bei Borussia Mönchengladbach aktuell ist, zeigte sich rund um das Pokalviertelfinale gegen Borussia Dortmund (0:1), dem zukünftigen Klub von Trainer Marco Rose und seines Assistenten Rene Maric. Dieser schäkerte nach dem Abpfiff an der Seitenlinie mit BVB-Stürmer Erling Haaland. Das Video ging viral – und Maric wurde nicht nur scharf kritisiert, sondern auch bepöbelt und teilweise aufs Übelste beleidigt. Wie es heute in den sozialen Medien inzwischen leider Normalität geworden ist. Dass Maric die unfraglich unclevere Aktion, seinen ehemaligen und künftigen Zögling Haaland vor laufenden Kameras zu herzen, offen und emotional begründete sowie seinen Fehler sofort einräumte, interessierte natürlich kaum noch jemanden.

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Rund um den leeren Borussia-Park war das Polizei-Aufgebot am Dienstagabend beinahe so hoch, als wären 54.000 Fans zugelassen gewesen. Der Grund: Es gab vermeintliche Hinweise darauf, dass sich wütende Borussia-Anhänger im Falle einer Niederlage versammeln und gegen Rose demonstrieren werden. Der Aufmarsch blieb zwar aus, aber dennoch ist Gladbach aktuell ein Pulverfass ohne Deckel.

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In sechs sieglosen Spielen nach dem angekündigten Rose-Wechsel hat die Elf vom Niederrhein praktisch alle Saisonziele verzockt. Die Champions-League-Quali ist in Anbetracht von Platz neun und neun Punkten Rückstand genauso unrealistisch wie ein Wunder im Achtelfinal-Rückspiel der Königsklasse nach dem 0:2 im Hinspiel gegen Manchester City. Gestern folgte dann das Ende der Pokalträume.

Max Eberl erneuerte seine Jobgarantie für Rose aber schon vor dem Anpfiff gegen den BVB und bezog gleich eine weitere drohende Pleite am Samstag gegen Leverkusen mit ein. Wie so oft kämpft der tapfere Sportdirektor gegen einen nicht zu unterschätzenden Mob, von dem er sich keine Personalentscheidungen aufzwingen lassen will – so wie es an vielen anderen Orten funktioniert.

Gladbach braucht positive Nachrichten

Einerseits ist Eberl zu wünschen, dass er durchhält und es irgendwie doch noch zu einem einigermaßen versöhnlichen Rose-Abschied im Sommer kommt. Allerdings ist dieses Szenario spätestens seit Dienstagabend in noch weitere Ferne gerückt. Daher täten die Verantwortlichen nun gut daran, schnellstmöglich mal wieder positive Nachrichten zu verkünden: Den neuen Trainer, eine kluge Verpflichtung oder die Verlängerung mit einem der umworbenen Stars.

Dass auch einige der Profis trotz des ordentlichen Auftritts gegen den BVB nicht mehr vollends hinter dem scheidenden Coach zu stehen scheinen, machte die Aussage von Matthias Ginter deutlich. Der Nationalspieler antwortete in der ARD auf die Frage, ob man gemeinsam mit Marco Rose bis zum Saisonende kämpfen wolle, wenig überzeugend: „Ich denke schon…“