14. Dezember 2020 / 21:50 Uhr

Bosz, Doll, Röber und Co: Das ist die Trainer-Bilanz von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke

Bosz, Doll, Röber und Co: Das ist die Trainer-Bilanz von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
In der Zeit von Hans-Joachim Watzke als BVB-Geschäftsführer saßen schon einige Trainer auf der Dortmunder Bank.
In der Zeit von Hans-Joachim Watzke als BVB-Geschäftsführer saßen schon einige Trainer auf der Dortmunder Bank. © imago images/Picture Point LE/Montage
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Lucien Favre ist seit Sonntag nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund. Der Schweizer musste seinen Posten räumen. In der Amtszeit von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sind Trainerentlassungen keine Seltenheit. Der SPORTBUZZER blickt auf die Bilanz des BVB-Bosses.

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Die Zeit von Lucien Favre als Cheftrainer bei Borussia Dortmund ist passé. Nach der 1:5-Schlappe gegen den VfB Stuttgart sahen sich die BVB-Verantwortlichen zum Handeln gezwungen und stellten den Schweizer, der seit der Saison 2018/19 auf der Trainerbank der Westfalen saß, frei. "Wir alle sind Lucien Favre dankbar für seine hervorragende Arbeit in den vergangenen zweieinhalb Jahren, in denen er mit seinem Team zwei Vizemeisterschaften errungen hat", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Anschluss, lobte den Ex-Trainer zudem für dessen Expertise: "Als Fachmann und als Mensch ist Lucien Favre über jeden Zweifel erhaben."

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Watzke betritt mit der erneuten Trainerentlassung keineswegs unbekanntes Terrain. Seit der 61-Jährige im Februar 2005 zum Geschäftsführer des BVB berufen wurde, standen inklusive des nun interimsweise eingesetzten Edin Terzic neun verschiedene Trainer in den Diensten der Westfalen. Der SPORTBUZZER hat die Trainer der "Ära Watzke" zusammengetragen.

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Bert van Marwijk (1. Juli 2004 - 18. Dezember 2006)

Als Watzke 2005 zum Geschäftsführer aufstieg, war der Niederländer Bert van Marwijk für die sportlichen Geschicke verantwortlich. Rund zwei Jahre nach der Watzke-Beförderung musste van Marwijk seinen Hut nehmen. Der BVB war zuvor durch eine Niederlage zum Hinrunden-Abschluss gegen Bayer Leverkusen (1:2) auf Platz neun zurückgefallen, in der Folge gab es einen Fan-Aufstand. Das aufgrund des ausbleibenden sportlichen Erfolgs ohnehin zum Saisonende geplante Aus des Niederländers kam damit ein halbes Jahr früher.

Jürgen Röber (19. Dezember 2006 - 12. März 2007)

Die Nachfolge des Niederländers trat Jürgen Röber an. Seine Zeit beim BVB wurde zum Debakel. Nur 83 Tage hielt sich Röber im Amt. Zwar schlug er mit seiner Mannschaft beim Debüt den FC Bayern mit 3:2, es folgten jedoch sechs Pleiten aus weiteren sieben Spielen. Inzwischen hat er seine Karriere beendet, seine letzte Station war der Sportdirektor-Posten beim belgischen Erstligisten Excel Mouscron.

Thomas Doll (13. März 2007 - 19. Mai 2008)

Im Anschluss an das Intermezzo von Jürgen Röber übernahm Thomas Doll. Der BVB verbesserte sich unter ihm bis zum Ende seiner Auftaktsaison von einem Abstiegskandidaten (Platz 15) auf Platz neun. Doch die folgende Spielzeit sollte auch für ihn schon wieder die letzte sein. Als Bundesliga-13. blieben die Dortmunder weit hinter den Erwartungen zurück und stellten ihren Übungsleiter, der seinem Ärger zuvor noch in einer legendären Pressekonferenz ("Da lach' ich mir doch den Arsch ab") Luft gemacht hatte, wenig überraschend frei. Nach mehreren Stationen - unter anderem bei Ferencvaros Budapest, Hannover 96 und zuletzt APOEL Nikosia - ist er aktuell vereinslos.

Jürgen Klopp (01. Juli 2008 - 30. Juni 2015)

Der Lichtblick in der Trainer-Historie des BVB während der Amtszeit von Watzke ist Jürgen Klopp. Im Sommer 2008 lotste die Borussia ein noch junges Trainertalent von Mainz 05 zum BVB und leitete damit eine erfolgreiche Ära ein. Unter Klopp entwickelten sich die Dortmunder wieder zu einem ernsthaften Konkurrenten für den FC Bayern, wurden zwei Mal deutscher Meister, ein Mal Pokalsieger und erreichten 2013 das Finale der Champions League. 2015 verließ Klopp den Klub auf eigenen Wunsch, übernahm nur drei Monate später den Cheftrainer-Posten beim FC Liverpool, den er bis heute erfolgreich (unter anderem Champions-League-Sieger 2019 und englische Meisterschaft 2020) trainiert.

Pochettino, Nagelsmann, van Bommel: Favres Nachfolge-Kandidaten beim BVB

Wer tritt in die Fußstapfen von Lucien Favre beim BVB? Der <b>SPORT</b>BUZZER hat mögliche Nachfolgekandidaten zusammengetragen. Zur Galerie
Wer tritt in die Fußstapfen von Lucien Favre beim BVB? Der SPORTBUZZER hat mögliche Nachfolgekandidaten zusammengetragen. ©

Thomas Tuchel (1. Juli 2015 - 30. Mai 2017)

Auch auf Empfehlung seines Vorgängers Jürgen Klopp bediente sich der BVB im Anschluss erneut bei Mainz 05. Thomas Tuchel und die Führungsetage der Dortmunder wurden trotz ordentlicher Resultate nie so richtig warm. Nach zwei Jahren musste Tuchel trotz eines starken Punkteschnitts von 2,12 Zählern (zum Vergleich: Klopp holte 1,90 Punkte pro Spiel) seinen Platz räumen - nicht zuletzt, weil das Vertrauen zwischen den Bossen und dem Coach unter den Folgen des Anschlags auf den BVB-Bus im Frühjahr 2017 schwer gelitten hatte. Watzke sprach von einem "Dissens" und kritisierte Tuchel auch nach der Trennung gelegentlich für dessen "schwierige" Art. Zum Ende seiner Amtszeit holte der Tuchel mit der Borussia noch den DFB-Pokal. Heute trainiert er das Starensemble von Paris St.-Germain.

Peter Bosz (1. Juli 2017 - 9. Dezember 2017):

Bosz scheiterte bei den Westfalen krachend. Mit seinem offensiven Spielstil, den er zuvor bei Ajax Amsterdam einführte, sollte er dem BVB zu altem Glanz verhelfen. Nach nicht einmal einem halben Jahr war aber schon wieder Schluss. Aus den ersten sieben Bundesliga-Spielen holte der neue Coach zwar sechs Siege, danach ging es jedoch rapide bergab. Es folgten 13 Pflichtspiele, in denen der BVB nur einmal gewinnen konnte. Nach dem Vorrunden-Aus in der Champions League zog der Klub die Reißleine und trennte sich im Dezember 2017 von Bosz – nach 24 Pflichtspielen. Der Bundesliga kehrte der Niederländer aber nicht den Rücken. Im Dezember 2018 übernahm er bei Liga-Konkurrent Bayer Leverkusen, ist dort bis heute im Amt und sicherte sich am Tag der Favre-Entlassung die Tabellenführung.

Die Trainer-Karriere von Lucien Favre in Bildern

 Lucien Favre erlebte während seiner Karriere einige Höhen und Tiefen. Der <b>SPORT</b>BUZZER wirft einen Blick auf die Laufbahn des Schweizer Trainers. Zur Galerie
Lucien Favre erlebte während seiner Karriere einige Höhen und Tiefen. Der SPORTBUZZER wirft einen Blick auf die Laufbahn des Schweizer Trainers. ©

Peter Stöger (10. Dezember 2017 - 30. Juni 2018):

Viel länger als Bosz hielt sich der unter kuriosen Umständen zum BVB gekommene Peter Stöger auch nicht im Amt. Nur eine Woche lang war Stöger nach seiner Entlassung beim 1. FC Köln ohne Job, da hatte er schon wieder einen neuen Arbeitgeber - den BVB. Bereits im Vorfeld war klar: Der Ex-Kölner sollte die Westfalen nur übergangsweise bis zum Saisonende betreuen. So wurde die Akte Stögers in Dortmund nach 24 Spielen und einer durchwachsenen Bilanz mit nur zehn Siegen im Sommer 2018 erwartungsgemäß wieder geschlossen. Stöger trainiert inzwischen den österreichischen Erstligisten Austria Wien.

Lucien Favre (1. Juli 2018 - 13. Dezember 2020):

Im Vergleich zu seinen beiden unmittelbaren Vorgängern hielt es Lucien Favre länger beim BVB. Zweieinhalb Jahre coachte der Schweizer die Schwarz-Gelben, wurde mit seiner Mannschaft zwei Mal Zweiter. Diskussionen um seine Person ließen jedoch nie vollends nach, immer wieder wurde der Trainer nach schwankenden Leistungen in Frage gestellt. Im Anschluss an die derbe Pleite gegen Stuttgart und dem Sturz auf Platz fünf endete nun das Kapitel von Favre, vorübergehend soll Co-Trainer Edin Terzic den BVB zurück in die Spur bringen.