20. Oktober 2020 / 15:35 Uhr

„Das ist unmöglich“: Box-Bundesliga und BSK Hannover-Seelze wegen Corona vor dem K.o.

„Das ist unmöglich“: Box-Bundesliga und BSK Hannover-Seelze wegen Corona vor dem K.o.

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Kopfzerbrechen: Hannovers Cheftrainer Arthur Mattheis (rechts) glaubt nicht daran, dass die Bundesliga starten kann. Davon betroffen wäre auch Schwergewichtler Eugen Waigel (links).
Kopfzerbrechen: Hannovers Cheftrainer Arthur Mattheis (rechts) glaubt nicht daran, dass die Bundesliga starten kann. Davon betroffen wäre auch Schwergewichtler Eugen Waigel (links). © Florian Petrow
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Die Box-Bundesliga hat durch die Corona-Pandemie wohl einen Treffer kassiert, von dem sie sich kaum erholen wird. Mit der Limitierung auf 50 Zuschauer werden die Amateurkämpfe nicht mehr zu finanzieren sein, betont BSK-Vorsitzender Arthur Mattheis. Für Anfang Januar war der Start geplant, die Saison droht auszufallen.

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Das Gefühl eines Wattestäbchens in der Nase kennt Arthur Mattheis. Der Vorsitzende des Box-Bundesligisten BSK Hannover-Seelze hat sich in seiner aktiven Zeit öfters so eine Blutung stillen lassen, wenn er einen Schlag abbekommen hatte. Beim Corona-Test, den der erkältete Mattheis gerade hat machen lassen, war es allerdings deutlich unangenehmer. „Aber es musste sein, und wir sind ja hart im Nehmen“, lacht der 56-jährige ehemalige deutsche Meister. Die Box-Bundesliga hat durch die Coronapandemie allerdings einen Treffer kassiert, von dem sie sich kaum erholen wird. Für Anfang Januar war der Start geplant, die Saison wird aber wohl ausfallen.

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Mattheis: „Das ist unmöglich, das funktioniert auf keinen Fall.“ – normalerweise 750 Zuschauer

Der Ligaausschuss des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV) hat die Vereine in einem Rundschreiben aufgefordert, die Vorbereitungen für die neue Ligasaison vorläufig einzustellen. Um die Amateurkämpfe finanzieren zu können, sind die Klubs auf mehr oder weniger volle Hallen angewiesen. Der BSK hat im Schnitt 750 Besucher – aktuell dürften es im Autohaus Schrader in Berenbostel nur noch 50 sein. Das hat die Rücksprache mit der zuständigen Stadt Garbsen ergeben. „Das ist unmöglich, das funktioniert auf keinen Fall“, betont Mattheis.

Halbschwergewichtler Engin Aslan
 (rechts) eroberte zuletzt Platz drei mit dem BSK in der Bundesliga. 
Halbschwergewichtler Engin Aslan (rechts) eroberte zuletzt Platz drei mit dem BSK in der Bundesliga.  © Florian Petrow

Mattheis: „Schlecht für das Amateurboxen, aber wir akzeptieren das.“

Die Vereine seien sich einig, dass eine Bundesliga ohne volle Hallen keinen Sinn ergebe und für die meisten nicht zu finanzieren sei, teilte der DBV mit. Bei der Entwicklung der Infektionszahlen der Corona-Pandemie geht der Verband davon aus, dass sich daran bis zum geplanten Ligastart nichts ändern wird. Das Risiko eines erneuten Abbruches der Liga sei zu groß. Zudem müsse mit einem vorzeitigen Ausstieg einzelner Vereine gerechnet werden, wenn sich regional Bedingungen ändern. Das damit verbundene finanzielle Risiko sei zu groß. „Diese Einschätzung teilen wir natürlich. Es ist schlecht für das Amateurboxen, aber wir akzeptieren das“, so Mattheis.

Corona-Alternative: Ligapokal im K.o.-System?

In der vergangenen Saison landeten die Seelzer nachträglich auf Rang drei, Traktor Schwerin wurde zum Meister erklärt. Der BSK hatte nur drei Heimkämpfe bei Schrader über die Bretter bringen können. „Vier müssen es eigentlich sein, das ist mir heilig“, unterstreicht Mattheis. Darum hält er auch von einem geänderten Modus wenig. Im Gespräch ist eine verkürzte Form, womöglich ein Ligapokal im K.o.-System – falls ein regulärer Start der Ligasaison bis Ende Februar nicht möglich ist. „Unsere Sponsoren davon zu begeistern, wird nicht einfach sein. Ich glaube nicht, dass wir Bundesligakämpfe sehen werden“, sagt Mattheis.

Internationale Wettbewerbe ebenfalls bedroht

Zuletzt hatte der DBV die Teilnahme seiner Athleten an der U19-EM abgesagt, die U22-Endrunde in Olbia auf Sardinien im Dezember lässt der europäische Verband ausfallen. Weil etliche internationale Meisterschaften und Turniere verschoben und wieder neu angesetzt werden, befürchtet der DBV zu allem Überfluss terminliche Überschneidungen mit der Bundesliga. Dazu kommen die im Februar anstehenden ersten Qualifikationswettkämpfe für die Olympischen Spiele. „Wenn sich die Infektionszahlen nicht stark zurückgehen, wird das nichts“, so Mattheis.

Dabei steht das sportliche Gerüst bereits. Mattheis, der zugleich Cheftrainer ist, liegen erste Zusagen vor. So wollte im Superschwergewicht abermals der Hamburger Colin Biesenberger in den Ring steigen, in dieser Gewichtsklasse gibt es wenige Boxer in Niedersachsen.

Mattheis: „Wo sollen die denn sonst hin, wohin sollen unsere Kinder gehen?“

Und wie geht es weiter, wenn die Bundesliga ausfällt? „Wir trainieren weiter und wären bereit“, unterstreicht Mattheis. Rund 250 Mitglieder hat der BSK, mehr als die Hälfe sind Jugendliche. Für sie müsse der Verein durch diese Krise kommen, sagt Mattheis: „Wo sollen die denn sonst hin, wohin sollen unsere Kinder gehen?“