06. März 2020 / 18:31 Uhr

Boxen, stemmen, baggern, bluten: Fußball-Vorbereitung mal anders

Boxen, stemmen, baggern, bluten: Fußball-Vorbereitung mal anders

Tim Goebel und Christian Meyer
Peiner Allgemeine Zeitung
Die Spieler von Viktoria Ölsburg tobten sich beim Box-Training beim BC 62 Peine aus.
Die Spieler von Viktoria Ölsburg tobten sich beim Box-Training beim BC 62 Peine aus. © Foto: Box-Club 62 Peine
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Das Problem mit den gesperrten Plätzen: Peines Fußballtrainer müssen sich andere Trainingsmethoden ausdenken. Und Ideen dafür gab es reichlich. Der TSV Viktoria Ölsburg tobte sich zum Beispiel beim Boxtraining des BC 62 Peine aus, der SSV Plockhorst spielte Volleyball – und Arminia Vöhrum spendete beim Teamevent sogar Blut.

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Das dauerhafte Leiden der Fußballer in der Region Peine: Gesperrte Sportplätze in der Wintervorbereitung. „Natürlich müssen die Plätze geschützt werden, aber manchmal wird auch übertrieben“, sagt Benjamin Weiß, Trainer des TSV Marathon Peine. Trotzdem müssen die Mannschaften sich für die Rückrunde gut vorbereiten. Aber ohne Fußballplatz ist das nicht immer einfach, deswegen müssen die Trainer kreativ werden, um ihre Spieler fit und munter zu halten.

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Ideen dafür gab es etliche: Der TSV Viktoria Ölsburg tauschte seine Fußballschuhe gegen Boxhandschuhe ein. Ihr Trainer Klaus Reinecke organisierte gemeinsam mit Ercan Caliskan, der Vorsitzende des Box-Clubs 62 Peine, eine Trainingseinheit, die von Bundesliga-Boxer Engin Aslan geleitet wurde. Gemeinsam mit den Boxern absolvierten die Ölsburger eine 25-minütige Aufwärmphase, gefolgt von einem Zirkeltraining und einer Laufeinheit, danach ging es an die Boxsäcke. „Die Jungs waren anschließend komplett fertig“, sagte Reinecke lachend. „Das war sicherlich nicht die letzte Einheit mit dem Boxclub.“ Zudem schwitzte der TSV beim Zirkeltraining im Fitnessstudio und schwang die Fäuste beim Tae Bo, bei dem Kampfsportarten wie Karate oder Kickboxen mit Aerobic und Musik verbunden werden.

Beim anderen Peiner Box-Club, den Black Panthers, absolvierten die U14-Junioren des VfB Peine eine Trainingseinheit. Mit Liegestütz, Sprints und für Fußballer ungewohnten Box-Übungen forderte Panthers-Trainer Kazim Yilmaz die Jungs – und VfB-Trainer Murat Güzel stellte zufrieden fest: „Sie halten gut mit.“ Da es problematisch ist, mit Jungs in diesem Alter in der Dunkelheit zu joggen, hat er sich einiges einfallen lassen, um das Team auf den Punktspielstart vorzubereiten: Ein Athletik-Trainer aus Hannover sowie eine Zumba-Trainerin werden den VfB-Nachwuchs zum Schwitzen bringen.

Liegestütz statt Doppelpass für die U14 des VfB Peine
Liegestütze pumpten die U14-Fußballer des VfB Peine beim Training mit den Black-Panthers-Boxern. ©

Samet Breschke, Coach des TSV Denstorf, hingegen fuhr mit seinen Mannschaften in die Wasserwelten nach Braunschweig. Dort wurde nicht nur geschwommen, sondern auch Volleyball im Außenbecken gespielt. „Es stand vor allem der Spaß im Vordergrund. Ich wollte damit den Zusammenhalt stärken und die Jungs fit halten“, sagte Breschke. Auch sonntags bei Fitnesseinheiten wird das Team gefordert: Seilspringen, Treppensteigen, Situps und weitere Übungen stehen für die Spieler der 1. und 2. Herren sowie der Altherren auf dem Programm. „Alle haben danach Muskelkater, aber das Training wird von Woche zu Woche intensiver und die Jungs können immer besser mithalten“, lobte Breschke. Zusätzlich mussten die Spieler bei einem Cross-Fit-Training in Braunschweig an die Gewichte, dort wurden Fähigkeiten wie Kraft, Ausdauer und Kondition verbessert.

Blut und Wasser schwitzen braucht Fußball-Kreisliga-Spitzenreiter *Arminia Vöhrum * angesichts des XXL-Vorsprung in der Rückrunde vermutlich nicht mehr, aber geblutet hat das Team in der Vorbereitung trotzdem. Denn außer Taktik- und Fitness-Einheiten baute Trainer Nils Könnecker auch noch einen Blutspende-Teamabend ein. Elf Arminen-Kicker ließen sich im Vöhrumer Dorfgemeinschaftshaus anzapfen. „Man kann helfen und bricht sich dabei keinen Zacken aus der Krone“, betonte Könnecker. Auf die Idee war er gekommen, weil er seine Abneigung gegen Nadeln mithilfe der Teamgemeinschaft überwinden wollte. Und es funktionierte: „Ich hatte allerdings mit Stürmer Marvin Janke auch einen lustigen Sitznachbarn. Der hat so viel dummes Zeug erzählt, dass ich gar nichts vom Blutabnehmen gemerkt habe“, flachste Könnecker.

Der Abend stand unter dem Motto „Gemeinsam Gutes tun“ und sollte das Gemeinschaftsgefühl stärken. Am Ende sprang sogar Lob heraus: „Die Veranstalter vom Deutschen Roten Kreuz haben unseren Auftritt als sehr positiv empfunden, ein Arzt fragte sogar staunend: Wie viele kommen denn noch?“, verriet Könnecker.

Arminia Vöhrum spendet Blut
Der Kreisliga-Spitzenreiter um Stürmer Marvin Janke (rechts) und Trainer Nils Könnecker (Mitte) besuchte den Blutspendetermin des DRK im Vöhrumer Dorfgemeinschaftshaus. ©

Die 2. Herren des SV Teutonia Groß Lafferde steht zur Winterpause auf dem sechsten Platz der 1. Kreisklasse. Um den in der Rückrunde zu halten, trainierte Coach André Koster mit seiner Mannschaft bei einem Ganzkörper-Core-Workout in einem Fitness-Club in Peine. Zudem wird einmal die Woche geschwommen. „Wir wollen nicht nur laufen, da das langweilig wäre. Außerdem werden beim Schwimmen ganz andere Muskelgruppen beansprucht“, sagte Koster. „Die Mannschaft macht super mit und sie hat auch mächtig Spaß dabei.“

Um nicht aus dem Spielrhythmus zu kommen, kickt der TSV Marathon Peine seit September schon in einer kleinen Futsal-Liga mit. Dort bestritt er in diesem Jahr die letzten Spiele, die er allerdings verlor. Als Vorteil für die Rückrunde sieht Coach Benjamin Weiß die Bonusspiele allerdings nicht an, denn: „Wir haben nicht speziell für Futsal trainiert, sondern ganz normal in der Soccer-Halle.“

Gar nicht erst in Peine geblieben ist der SSV Plockhorst. Ende Januar bat Trainer Lukas Schulze zum Mannschaftsausfolg nach Berlin. 27 Spieler waren dabei. Außer einem internen Beachvolleyballturnier, Training im Soccerpark und einem Mannschaftsabend in einem griechischen Restaurant fieberte der SSV auch noch beim Regionalligaspiel zwischen der VSG Altglienicke und Optik Rathenow mit, zudem besuchte er eine Handballpartie der vierten Liga. Zum Abschluss des Wochenendes absolvierten die Plockhorster ein Testspiel gegen den Berliner Kreisligisten BSV Neukölln II. Trotz der 2:6-Niederlage fiel das Fazit positiv aus: „Wir hatten eine richtig gute Zeit, und unser Mannschaftsgefüge wurde extrem gestärkt“, sagte Schulze. Bereits das zweite Jahr in Folge reiste der SSV nach Berlin, „und so lange ich Trainer bin, wird das auch so fortgesetzt“, betonte der Coach.