09. Mai 2021 / 16:44 Uhr

Taktik-Meisterleistung im Duell mit Verstappen: Hamilton gewinnt Barcelona-GP

Taktik-Meisterleistung im Duell mit Verstappen: Hamilton gewinnt Barcelona-GP

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Lewis Hamilton hat den Großen Preis von Barcelona gewonnen. Max Verstappen blieb nur Rang zwei.
Lewis Hamilton hat den Großen Preis von Barcelona gewonnen. Max Verstappen blieb nur Rang zwei. © imago images/Motorsport Images/Poolfoto/Montage
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Lewis Hamilton bleibt das Maß aller Dinge in der Formel 1. Der Rekordweltmeister gewinnt das Rennen in Barcelona auch dank Mithilfe der Konkurrenz. Red Bull um Max Verstappen verpokert sich in der Boxen-Strategie - Mercedes und Hamilton machen alles richtig.

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Die Streicheleinheiten des Rekordweltmeisters hatte sich der schwarze Mercedes von Lewis Hamilton redlich verdient. Nach einer taktischen Meisterleistung und anschließender Wahnsinns-Fahrt gewann der Brite am Sonntag nicht nur den Großen Preis von Spanien, er feierte auch den nächsten wichtigen Punktsieg im packenden WM-Duell mit Red-Bull-Pilot Max Verstappen. „Ihr beeindruckt mich immer wieder“, sagte Hamilton in Barcelona, kurz nachdem er seinen Wagen fast schon liebevoll getätschelt hatte in Richtung seiner überglücklichen Silberpfeil-Crew: „Was für ein Tag! Danke für die harte Arbeit!“

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Hamilton ließ sich auch von einer erfolgreichen Attacke des Niederländers gleich in der ersten Kurve nicht beeindrucken und konterte grandios nach einem zweiten Boxenstopp in Katalonien. Nach seiner 100. Pole fuhr er auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya seinen 98. Grand-Prix-Sieg und den fünften Formel-1-Erfolg auf dem Schwer-Überholbar-Kurs in Serie heraus. „Am Ende hat es einfach ausgesehen. War es aber nicht“, betonte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Dritter wurde Hamiltons finnischer Teamkollege Valtteri Bottas. Und Verstappen? Der lag ganz lange vorn und musste sich doch noch geschlagen geben. „Es ist wie es ist, es war unmöglich, ihn hinter uns zu halten“, funkte der Niederländer noch aus seinem Auto und zog anschließend ein bitteres Fazit: „Ich habe es fast schon kommen sehen. Es gab nicht viel, was wir hätten tun können. Wir waren generell zu langsam - das war unser größtes Problem.“

Verstappen blieb in seinem 100. Rennen für Red Bull bei der Reifenzockerei nur Rang zwei, sechs Runden vor Schluss zog Hamilton vorbei. Nichts wurde es mit dem Triumph am Ort seines ersten Formel-1-Sieges vor fünf Jahren als jüngster Pilot der Motorsport-Königsklasse. Im Klassement wuchs Hamiltons Vorsprung vor dem Klassiker in zwei Wochen in Monaco auf 14 Punkte.



Vettel und Schumacher verpassen Punkte

Im Windschatten des WM-Kampfs erlebte Sebastian Vettel ein weiteres Rennen unter den Ansprüchen eines viermaligen Weltmeisters - oder kurzum: Zum Vergessen. Platz 13. „Es war kein gutes Rennen für uns“, sagte der Hesse: „Wir tun uns schwer, einen Schritt nach vorn zu machen.“ Achtsam schlug sich auch in seinem erst vierten Rennen Mick Schumacher, er erlebte aber einen Schreckmoment bei einem Boxenstopp. Er sei nicht großartig schneller als beim Training zum Reifenwechsel gekommen. „Dann hab ich ein stehendes Rad gehabt“, schilderte er, „und das Auto hält nicht mehr schnell an. Hauptsache es geht den Jungs gut“. Mehr als Rang 18 im Haas war für den 22 Jahre alten Formel-2-Champion am Ende nicht drin, nachdem er nach etwas mehr als der Hälfte überrundet worden war. Schwerer als erwartet sei es gewesen, „natürlich auch frustrierend“.

Denn die beiden WM-Widersacher vorn machten von Beginn an mächtig Druck. Verstappen wusste es wie Hamilton: Am Start könnte schon eine Vorentscheidung fallen, wer nach 66 Runden auf Schwer-Überholbar-Kurs ins Ziel kommt. Hamilton hatte sich die Pole gesichert, die sage und schreibe 100. in seiner Karriere. Verstappen stand auf Startrang zwei auf der schmutzigeren Innenseite, kam aber super weg, schob sich kurz direkt hinter Hamilton, scherte aus und attackierte den Spanien-Sieger der vergangenen vier Jahre in der ersten Kurve. Und es wurde knapp. Verstappen riskierte eine Berührung, Hamilton wich zurück. Der Herausforderer führte nun das Feld an, der Titelverteidiger war in der Verfolgung.

Die beiden Deutschen kamen erst weiter hinten. Vettel war in der Qualifikation schon nicht über den 13. Platz hinausgekommen. Boden gut machen konnte der nun auch bei Aston Martin weiter kriselnde viermalige Weltmeister zunächst nicht. Im Gegensatz zu Mick Schumacher, der sich erstmal um zwei Ränge verbesserte und sich mit seinem unterlegenen Haas-Rennwagen bis zwischenzeitig auf Platz 16 vorschob.

Schumacher-Teamkollege Nikita Masepin fällt wieder negativ auf

Verstappen konnte sich nicht absetzen, jegliche Vorsprünge wären auch dahin gewesen, als der Alpha Tauri des japanischen Neulings Yuki Tsunoda stehen blieb und das Safety Car raus musste. Verstappen meisterte auch den stets heiklen Moment, wenn die Fahrer wieder Gas geben dürfen, souverän. Hamilton kam nicht ran. Was tun, was nun?

Den Ruf einer Prozessionsstrecke hat Kurs vor den Toren Barcelonas schon lange. Überholen ist selbst mit den Hilfsmitteln der aktuellen Rennwagen kaum möglich. Dass von 30 Rennen der Sieger 27 Mal aus der ersten Reihe startete, stärkt den Ruf der Strecke. Also würde es vermutlich nur über die Strategie gehen. Die weichste Reifenmischung baute ab, Hamilton setzte Verstappen nun unter Druck, verkürzte den Rückstand auf unter eine Sekunde, als Verstappen zum Reifenwechsel reinfuhr.

Und dann das: 4,2 Sekunden. Nicht selten wechselt die Red-Bull-Crew die vier Räder in unter zwei Sekunden. Der Mercedes-Kommandostand und auch Hamilton wussten, dass das die entscheidende Phase des Rennens sein könnte. Dass Mick Schumachers Teamkollege Nikita Masepin mal wieder negativ auffiel und Hamilton bei blauen Flaggen - Zeichen, einen Konkurrenten überholen zu lassen - veranlasste Teamchef Toto Wolff sogar zu eine Ansage an die Rennleitung.

Hamilton jagt chancenlosen Verstappen

Auch ein 2,7-Sekunden-Reifenwechsel brachte aus Mercedes-Sicht nicht die erhoffte Wirkung. Hamilton blieb hinter Verstappen, verkürzte aber den Rückstand. Ein Fehler von Verstappen und der 36 Jahre alte Brite wäre wieder vorn. Der Red-Bull-Hoffnungsträger machte keinen Fehler, klagte aber über die Reifen. Als Hamilton nahezu dran war, bog der Brite Richtung Box ab. Wieder auf der Strecke, rief er robotergleich Topzeiten in seinem schwarz lackierten Silberpfeil ab.

Red Bull wagte es und ließ Verstappen draußen: Ein-Stopp-Strategie. Rund 21 Sekunden Vorsprung bei noch gut 20 Runden. Die Hamilton-Jagd war eröffnet. Einmal mehr fuhr der Rekordpilot der Königsklasse in einer eigenen Liga. Teilweise zwei Sekunden in einer Runde machte er gut. „Ich werde am Ende des Rennens keine Reifen mehr übrig haben“, funkte er angesichts der aggressiven Strategie. Bei Verstappen werde es noch weniger sein, kam die Antwort vom Kommandostand. In der 60. Runde musste der Niederländer Hamilton vorbei ziehen lassen, die Entscheidung war gefallen, um wenigstens noch einen Zusatzpunkt zu ergattern, ließ er sich noch mal die weichen Reifen aufziehen.