14. Juni 2019 / 17:51 Uhr

Boxer Tom Schwarz fordert Tyson Fury: Die Chance seines Lebens

Boxer Tom Schwarz fordert Tyson Fury: Die Chance seines Lebens

LVZ
Leipziger Volkszeitung
Der Magdeburger Tom Schwarz boxt gegen den Klitschko-Bezwinger Tyson Fury um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht. 
Der Magdeburger Tom Schwarz boxt gegen den Klitschko-Bezwinger Tyson Fury um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht.  © dpa
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Der 25-jährige, bisher ungeschlagene Schwergewichtler Tom Schwarz boxt in der Nacht auf Sonntag im Spielerparadies Las Vegas gegen Tyson Fury um die Weltmeisterschaft. 

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Las Vegas. In der Nacht auf Sonntag – gegen 4.30 Uhr (MDR) – steigt der ungeschlagene Schwergewichtler Tom Schwarz (25) vom Magdeburger SES-Boxstall gegen Klitschko-Bezwinger Tyson Fury (30) in den Boxring. Im „Mekka des Boxens“ Las Vegas wittert der Sachsen-Anhalter seine Chance. Nach Max Schmeling und Axel Schulz erhält der dritte deutsche Schwergewichtler die Gelegenheit, sich auf großer Bühne zu präsentieren und über Nacht zu weltweitem Ruhm zu gelangen. Doch wie wahrscheinlich ist ein Sieg von Tom Schwarz über Tyson Fury wirklich? Diese Frage erörtert exklusiv für den SPORTBUZZER der Leipziger Jonny Orban – er ist Autor für das deutsche Boxsport-Portal boxen1.com.

Anfang des Jahres, sicherte sich der selbsternannte „Gypsy King“ Tyson Fury einen Vertrag mit dem US-Fernsehsender ESPN. Für stattliche 90 Millionen Euro soll der 30 Jahre alte Fury fünf Mal in den Ring steigen – ein guter Schnitt, wenn man bedenkt, dass deutschen Box-Stars und Weltmeistern der jüngeren Vergangenheit selten Börsen im siebenstelligen Bereich zustanden. Den ersten Kampf im Rahmen des Deals mit Promoter-Legende Bob Arum und ESPN wird Fury nun gegen Tom Schwarz bestreiten. Beim Weltverband WBO ist der gebürtige Hallenser Schwarz (2.) noch vor dem Klitschko-Bezwinger von 2015 (3.) gerankt. Doch das Ranking trügt, denn der Verband bestimmt die Platzierung.

16 Knockouts in 24 Kämpfen

Schwarz blieb in 24 Kämpfen unbesiegt und machte 16 Mal vorzeitig den Sack zu. Doch ist er dem „Gypsy King“ unterlegen. Fury hat nicht nur Größen- und Reichweitenvorteile, er gilt auch als einer der beweglichsten Schwergewichtler. Neben schnellen Händen verfügt der unorthodoxe Fury über ein boxerisches Auge und Gespür, das seinesgleichen sucht. In seinem letzten Kampf gegen die K.o.-Maschine Deontay Wilder (USA) hat der Brite zudem „Kinn bewiesen“ – und erhob sich nach zwei Niederschlägen wie Phönix aus der Asche.

Tom Schwarz ist seit 2013 Berufsboxer. Als Profi sicherte er sich unter anderem die Junioren-WM-Titel zweier Verbände. Richtig geprüft wurde er bis heute jedoch nicht. Den Kampf gegen seinen bisher stärksten Gegner Senad Gashi gewann er per Disqualifikation. Der Ringrichter brach das Skandal-Gefecht nach mehreren Kopfstößen Gashis ab, dieser forderte Schwarz aber zum Weiterkämpfen auf. Es folgte eine wüste Schlägerei zwischen beiden Lagern.

Kubaner Roberto Norris unterstützt Schwarz am Ring

Die morgige Herausforderung kommt für Schwarz nüchtern betrachtet zu früh. Dass er sich die Chance nicht entgehen lassen will, ist jedoch verständlich. Las Vegas gilt neben dem New Yorker Madison Square Garden als der Box-Olymp schlechthin. Jeder Faustkämpfer träumt davon, eines Tages im Ambiente dieser geschichtsträchtigen Orte in den Ring zu klettern. Dem Deutschen winkt die Kampfbörse seines Lebens. Aus finanzieller Sicht also ein lukrativer Schachzug, denn wirklich reich – wie die britischen oder amerikanischen Kollegen – wird man in Deutschland als Profiboxer derzeit nur schwer.

Für den Kampf gegen Fury hat SES einen zweiten Coach neben René Friese angeheuert. Der gebürtige Kubaner Roberto Norris lebt und arbeitet in Las Vegas, ist dort bestens vernetzt und sollte Schwarz im Vorfeld die US-Boxschule näherbringen.

Fury hat die Kunst des Boxens von Vater John in die Wiege gelegt bekommen. Als Ex-Weltmeister und erfahrener Weltranglisten-Boxer hatte Fury, der aus einer Traveler-Familie stammt, ganz andere Kaliber vor den Fäusten als Schwarz. An Selbstbewusstsein mangelt es dem Mann aus England nicht, auch wenn er eine dunkle Zeit mit Drogen, Exzessen, Übergewicht und Depressionen überstehen musste.

Sieg Schwarz´ wäre eine Sensation

Auf die Chance seines Lebens bereitete sich Tom Schwarz wochenlang vor. Im Bayrischen Wald erlitt er Trainings-Qualen, nahm einige Kilo ab und ist laut eigenen Aussagen in der Form seines Lebens. Zudem feilte er an Explosivität, Schlaghärte und Deckungsarbeit. Vor allem aber wird es Geschwindigkeit sein, die er gegen Tyson Fury braucht. Der Brite beherrscht die Kunst des Zermürbens wie kaum ein Zweiter. Mit schnellen Händen hält er seine Gegner auf Distanz und stichelt immer wieder mit seiner Führungshand. Auch der häufige Auslagenwechsel stellte Furys Widersacher häufig vor Probleme. Bemerkt er die Unterlegenheit seines Gegenübers, kommt die psychische Komponente zum Einsatz: Fury provoziert seine Gegner, verhöhnt sie, lockt sie mit hängender Deckung, Grimassen oder anderen Gesten in die Falle und schlägt dann zu.

Schwarz muss, wenn er nicht sang- und klanglos untergehen will, sofort Druck aufbauen und schnell sein. Er muss Fury überraschen und Biss zeigen. Schwarz hat wohl Recht: Um eine Sensation zu schaffen, wie es kürzlich Andy Ruiz Jr. gegen Anthony Joshua gelang, „muss es schon einen K.o. geben“. Um nach Punkten zu gewinnen, scheint eine eher unlösbare Aufgabe – so als wolle ein Mensch einen ICE aufhalten.

Der Deutsche hat, sofern er sich im Ring gut verkauft wie zur Pressekonferenz, außer seiner „0“ im Kampfrekord nichts zu verlieren. Der25-Jährige hat noch mehr als zehn Profi-Jahre vor sich. In Las Vegas hat er gegen den wohl Besten der Welt die Möglichkeit, sich einem Millionenpublikum zu präsentieren. Verliert Tom Schwarz aber die Nerven, boxt unkonzentriert und muss in frühen Runden die Segel streichen, könnte dies seiner Karriere nachhaltig schaden. Eines ist Gewiss: Den großen Moment im Ring nimmt ihm keiner mehr.

_ Jonny Orban_

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