18. November 2020 / 14:38 Uhr

Ist Joachim Löw noch der richtige Bundestrainer? Das sagen Brandenburger Fußballer

Ist Joachim Löw noch der richtige Bundestrainer? Das sagen Brandenburger Fußballer

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainer Joachim Löw (l.) steht heftig in der Kritik: Das sagen die Brandenburger um Patrick Hinze, René Görisch und Philipp Karaschewitz (v.r.).
Bundestrainer Joachim Löw (l.) steht heftig in der Kritik: Das sagen die Brandenburger um Patrick Hinze, René Görisch und Philipp Karaschewitz (v.r.). © Christian Charisius/dpa/F. Neßler/K. Päplow/M. Alert
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Nach dem 0:6-Debakel in Spanien stehen die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft und vor allem Joachim Löw stark in der Kritik. Der SPORTBUZZER hat sich bei Brandenburger Trainern, Spielern und Funktionären umgehört, wie sie die aktuelle Lage des DFB-Teams einschätzen.

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Mit der höchsten Niederlage seit über 89 Jahren hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das Finalturnier der Nations League klar verpasst. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw verlor am Dienstag gegen Spanien in Sevilla 0:6 (0:3) und verpasste damit den Gruppensieg. Eine Niederlage mit sechs Toren Unterschied hatte es zuletzt mit dem 0:6 am 24. Mai 1931 gegen Österreich gegeben.

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Alvaro Morata (17. Minute), der dreimal erfolgreiche Ferran Torres (30./55./71.), Rodri (38.) und Mikel Oyarzabal (89.) trafen fast nach Belieben für die Spanier. Kapitän Manuel Neuer erlebte in seinem 96. Länderspiel, mit dem er zum alleinigen deutschen Rekordtorwart aufstieg, einen ganz bitteren Abend.

Deutschland in der Einzelkritik gegen Spanien

 Die deutsche Nationalmannschaft in der Einzelkritik gegen Spanien. Zur Galerie
Die deutsche Nationalmannschaft in der Einzelkritik gegen Spanien. ©

Der SPORTBUZZER hat sich am Tag nach der historischen Niederlage bei Trainern, Spielern und Funktionären aus Brandenburg umgehört, wie sie die aktuelle Lage des DFB-Teams und die Position von Bundestrainer Joachim Löw einschätzen.

Patrick Hinze, Trainer RSV Eintracht 1949 (Oberliga Nord): "Wenn ich Nationaltrainer bin, muss ich die besten Spieler des Landes spielen lassen und kein Projekt daraus machen. Ich glaube aber, dass das Team keine Typen hat, es keine Hierarchie gibt und sogenannte Leistungsträger wie Toni Kroos und Ilkay Gündogan keine Leistungsträger mehr sind. Es gibt keinen Akteur, der die neuen Spieler an die Hand nimmt. Thomas Müller, Jerome Boateng, Marco Reus und Mats Hummels müssen zurück. Von denen kann man viel lernen und sich auch mal verstecken. Das sind absolute Weltklassepieler, die auch den nötigen Respekt beim Gegner hervorrufen."

Roland Richter, Frankonia Wernsdorf (Brandenburgliga): "Für mich ist Joachim Löw nicht mehr der richtige Trainer, da sein Umbruch gescheitert ist. Im Fußball, besonders in der Nationalmannschaft, sollten die besten Spieler, die immer wieder Leistung in Topklubs zeigen - wie zum Beispiel Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels - spielen, und keine Spieler wie Antonio Rüdiger, die bei ihrem eigenen Verein nicht mal im Kader sind. Für mich gibt es nur gute und schlechte Spieler und nicht Jung und Alt und deswegen muss nach Leistung in der Saison geschaut werden."

Jerome Malanowski, Oranienburger FC Eintracht (Brandenburgliga): "Das Thema Joachim Löw ist schwierig. Er hat damals, glaube ich, den großen Fehler gemacht, beim Umbruch die Tür für Thomas Müller, Jerome Boateng und Co. komplett zu zu machen. Das war einfach falsch. Die waren zu dem Zeitpunkt wirklich nicht gut, das ist richtig. Aber in der aktuellen Form glaube ich, dass sie die Mannschaft braucht, da auch die Erfahrung und Stabilität fehlt. Es ist schon schade, dass man sich umhört, und keiner mehr Lust hat, sich das überhaupt anzugucken, weil es wirklich eh nie schön ist, was die Nationalmannschaft spielt. Aber haben wir denn einen besseren als Löw? Das ist, glaube ich, aktuell auch schwierig jemanden zu finden, der verfügbar ist."

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Philipp Karaschewitz, Sportdirektor Ludwigsfelder FC (Oberliga Süd): "Wichtig in solch einer Phase ist, dass man das intern auf jeden Fall aufarbeitet, die Verantwortlichen darüber sprechen und man dann einen Weg findet, wie es weitergeht. Man muss aber sicherlich darüber nachdenken, ein paar Sachen zu verändern. Ganz wichtig ist, dass man natürlich auch auf Spieler setzen muss, die Erfahrung haben und die momentan wegen ihrer Leistung in die Nationalmannschaft gehören - ich denke, darum geht es im Endeffekt auch.

René Görisch, Empor Schenkenberg (Kreisoberliga Havelland): "Ich war entsetzt. So eine wehrlose deutsche Mannschaft habe ich schon seit Langem nicht mehr gesehen. Die Spanier haben uns nach allen Regeln der Kunst vorgeführt. Mir persönlich fehlen so ein bis zwei richtige Leader auf dem Platz, die mal die Ärmel hochkrempeln und sich gegen einen vermeintlich stärkeren Gegner wehren. So Spieler wie früher Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Michael Ballack oder auch Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger. Joshua Kimmich ist da so einer, der das Zeug dazu hat, aber auch er ist noch sehr jung und wird noch viele Erfahrungen sammeln müssen. Aus meiner Sicht gehört zu einem Umbruch auch ein neuer Trainer - mit einer aktuelleren Spielidee und einem klaren Konzept. Joachim Löw hatte große Erfolge mit der DFB-Elf. Ich denke aber, seine Zeit ist hiermit abgelaufen, das beweist einmal mehr der erschreckend schwache Auftritt gegen Spanien.

Marcus Lemke, MSV Neuruppin (Brandenburgliga): "Ich habe selten - oder besser gesagt noch nie - so einen emotionslosen und körperlosen Auftritt von der Nationalmannschaft gesehen. Immer einen Schritt zu spät und nicht wirklich wach im Kopf. Es fehlen richtige Typen in der Truppe. Keiner der mal ein Zeichen setzt. Ein Oli Kahn zum Beispiel wäre der halben Mannschaft noch in der ersten Halbzeit an die Gurgel gesprungen. Nichtsdestotrotz hat Spanien das auch richtig gut gemacht. Trotzdem darfst du auf dem Niveau keine sechs Kirschen fangen und - noch schlimmer - nur einmal aufs Tor schießen. Klar kommt da als erstes die Trainerfrage. Da nehme ich aber zuerst die Spieler in die Pflicht! Und damit meine ich die gestandenen Spieler. Trotzdem bin ich kein Fan von Jogi Löw, der regungslos auf seinem Stuhl sitzt. Trainer müssen die Mannschaft von außen auch pushen und mal explodieren, gerade bei so einem Spiel wie gestern. Ich denke, der Mannschaft würde ein neuer Trainer gut tun."

Andor Müller, TuS Sachsenhausen (Brandenburgliga): Die Nationalmannschaft ist durch die Masse an überflüssigen Spielen viel uninteressanter geworden, auch dieses Schönreden der TV-Experten ist nur noch nervig. Für mich steht seit Langem fest, dass ein neuer Trainer mit neuen Impulsen her muss. Die Ideenlosigkeit ist erschreckend und nicht erst seit dem Spiel gegen Spanien zu erkennen. Es sollte ein Verdienst sein, für das eigene Land spielen zu dürfen. Das bedeutet auch, dass die aktuell besten Spieler diese Ehre verdienen. Für mich gehören Mats Hummels und Thomas Müller ohne Frage dort hin.