06. Januar 2021 / 16:08 Uhr

Brandenburger Sebastian Heller träumt vom Sprung in die deutsche eSports-Nationalmannschaft

Brandenburger Sebastian Heller träumt vom Sprung in die deutsche eSports-Nationalmannschaft

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Sebastian Heller im Zockermodus: Mit Controller und Kopfhörern verbringt der 33 Jahre alte Potsdamer aktuell viele Stunden vor dem Fernseher und feilt an den richtigen Spielzügen für die anstehenden Qualifikationsspiele.
Sebastian Heller im Zockermodus: Mit Controller und Kopfhörern verbringt der 33 Jahre alte Potsdamer aktuell viele Stunden vor dem Fernseher und feilt an den richtigen Spielzügen für die anstehenden Qualifikationsspiele. © Privat
Anzeige

eSports: Der 33 Jahre alte Potsdamer Sebastian Heller will für Deutschland an der zweiten eSports-Europameisterschaft teilnehmen und trainiert dafür jeden Tag bis zu fünf Stunden an der Konsole.

Anzeige

Auf dem Bolzplatz hat wohl jedes Kind bei seinen Anfängen im Fußball den Traum, einmal in der deutschen Nationalmannschaft anzukommen und den Bundesadler auf der Brust zu tragen. Realität wird das nur für die allerwenigsten Kicker. Sebastian Heller aus Potsdam hat es als Aktiver auf dem grünen Rasen auch „nur“ bis in die Brandenburgliga geschafft, in der er mehrere Jahre für den Werderaner FC auflief.

Anzeige

Der Traum von der Nationalauswahl könnte sich für den 33-Jährigen jetzt aber an der Konsole erfüllen. Als „Batigoal“ (eine Anlehnung an den Spitznamen des ehemaligen argentinischen Weltklasse-Stürmers Gabriel Batistuta), wie sein Gamer-Tag ist, ist er einer von zehn leidenschaftlichen Pro Evolution Soccer (PES)-Zocker, der um einen Platz in der deutschen PES-Nationalmannschaft kämpft.

In Bildern: Das sind die ungeschlagenen Brandenburger Teams in der Saison 2020/21

Das sind die ungeschlagenen Brandenburger Teams in der Saison 2020/21. Zur Galerie
Das sind die ungeschlagenen Brandenburger Teams in der Saison 2020/21. ©

„Wie fünf andere Spieler habe ich mich dafür in den vergangenen Wochen qualifiziert“, berichtet Heller. Die vier weiteren Akteure gehörten schon vorher zur nationalen Zocker-Elite und werden jetzt an zwei Wochenenden im Januar in Eins-gegen-eins-Duellen herausgefordert. Am Ende vertreten zwei bis vier Spieler Deutschland bei der offiziell von der UEFA ausgerichteten eSports-Europameisterschaft. An dieser nehmen insgesamt 55 Länder teil, die ab Februar in zehn Qualifikationsgruppen um die Teilnahme an der für Juli in London geplanten Endrunde mit 16 Teams spielen. Bei dieser werden insgesamt 100 000 Euro an Prämien ausgeschüttet. Das Siegerteam erhält einen Scheck in Höhe von 40 000 Euro.

„Natürlich ist es mein Ziel, mich für die Nationalmannschaft zu qualifizieren“, macht Heller, der gelernter Sportassistent und Verwaltungsfachangestellter ist und inzwischen beim Brandenburgischen Verband bildender Künstlerinnen und Künstler für Mitgliedermanagement sowie Finanzen zuständig ist, keinen Hehl aus seinen Ambitionen. Warum er PES und nicht das durchaus bekanntere und verbreitetere FIFA spielt? „Ich finde PES realistischer und daher haben wir das schon früher bei uns im Freundeskreis mehr gespielt. Ein Wechsel zu FIFA ist aber eine Überlegung wert und meiner Meinung nach durchaus gut zu meistern.“


DFB-Stützpunkttrainer in Brandenburg

Beim eSports geht es dem jungen Mann aus der Landeshauptstadt, der 2019 erstmals überhaupt an einem offiziellen PES-Turnier teilnahm und später bei der deutschen Meisterschaft den siebten Platz belegt hatte, nicht nur um Tore und Triumphe. Vor einem Jahr gründete er unter anderem zusammen mit Gregory Gosciniak und mit Blick auf die immer größer werdende Beliebtheit des virtuellen Kräftemessens den „Brandenburger eSport Team Verein“. Das Hauptaugenmerk liege bei dem jungen Verein auf der Vermittlung von Werten, welche darauf ausgelegt sind, einen gemeinschaftlichen und vor allem gesunden Umgang mit dem Thema eSport zu ermöglichen.

Sebastian Heller trainiert die zweite Mannschaft vom Werderaner FC und ist leidenschaftlicher eSportler.
Sebastian Heller trainiert die zweite Männermannschaft des Werderaner FC in der Kreisliga B und ist Mitbegründer des „Brandenburger eSport Team Verein“. © Benjamin Feller, Verein/SPORTBUZZER-Montage

„Unser Motto „Become the BeST“ soll nicht nur digital stattfinden – besonders wichtig ist uns der soziale Umgang miteinander“, sagt der Trainer der Kreisliga-Fußballer des Werderaner FC II, der im Besitz der DFB-Elite-Jugend-Lizenz ist und nebenbei als DFB-Stützpunkttrainer Nachwuchskicker in Brandenburg fördert. „Gerade dieser Spagat zwischen echtem und virtuellem Fußball ist spannend“, findet Heller. „Interesse für die Konsole haben die Jugendlichen sowieso. Es geht um einen gesunden Mittelweg. Ein erfolgreicher Zocker kann man zum Beispiel nur werden, wenn man eine gewisse Fitness hat. Anders kann man die Konzentration bei langen Turnieren nicht bis zum Ende hochhalten.“

Bayern München mit eigenem PES-Team

Und dabei kommt es gerade bei steigendem Niveau auf Kleinigkeiten an. Heller bereitet sich daher aktuell intensiv – „bis zu fünf Stunden am Tag“ – auf die anstehenden Qualifikationsspiele vor. Dazu gehören Videoanalysen der kommenden Gegner und das Feilen an den eigenen Spielzügen. „Am Ende kommt es im eSports viel auf Mentalität und den Umgang mit der Drucksituation im Wettkampf an“, erläutert der Anhänger des FC Bayern München.

Der deutsche Rekordmeister nimmt seit der Spielzeit 2019/20 ebenfalls mit einer eigenen Mannschaft an der von Konami ausgerichteten eFootball-League teil und stellt ein PES-Team. In diesem mitzuwirken ist für Sebastian Heller mit Sicherheit fast ein genauso großer Traum, wie der von der Qualifikation für die deutsche Nationalmannschaft.