05. November 2020 / 18:02 Uhr

Brandenburger Wunsch nach Erlaubnis für Jugendsport im Teil-Lockdown

Brandenburger Wunsch nach Erlaubnis für Jugendsport im Teil-Lockdown

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Nur Individualsport ist derzeit in Brandenburg erlaubt – Ausnahmen zumindest für Kinder und Jugendliche, auch in Gruppen trainieren zu dürfen, werden nicht gemacht. 
Nur Individualsport ist derzeit in Brandenburg erlaubt – Ausnahmen zumindest für Kinder und Jugendliche, auch in Gruppen trainieren zu dürfen, werden nicht gemacht.  © Uwe Anspach/dpa
Anzeige

Guck mal, was die Nachbarn da machen! Berlin und Mecklenburg-Vorpommern geben dem Nachwuchssport mehr Spielraum im November. In der Mark sieht es anders aus. 

Anzeige

Die Blicke des Brandenburger Sports gehen erstaunt, aber zuweilen auch neidisch Richtung Norden und in die Mitte. Mecklenburg-Vorpommern sowie Berlin sind die beiden Bundesländer, die im Teil-Lockdown-November dem Sport am meisten Spielraum ermöglichen – zumindest den Jüngsten. „Es ist sicherlich sehr unglücklich, dass es gerade zwei Nachbarn von uns sind, die etwas dürfen, während es hier nicht geht“, sagt Andreas Gerlach, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes Brandenburg (LSB). Er und weitere Funktionäre wünschten sich einheitliche Regelungen. Doch daran hapert es im föderalen System Deutschlands für viele Bereiche schon seit Beginn der Coronakrise.

Anzeige

LSB im Austausch mit Regierung

In Brandenburg ist dem Freizeit- und Amateurbereich mindestens in diesem Monat nur der Individualsport allein, zu zweit oder als ein gemeinsamer Haushalt auf und in Sportanlagen erlaubt. Mecklenburg-Vorpommern nimmt hingegen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren von den Einschränkungen aus. Training, sowohl draußen als auch drinnen, ist in festen Gruppen für sie möglich, allerdings überlässt das Land den Kommunen und Kreisen die Entscheidung, ob sie das letztlich auch so handhaben – es gab schon lokale Untersagungen. Und in Berlin ist für bis Zwölfjährige Training unter freiem Himmel in Gruppen mit maximal zehn Personen gestattet. Brandenburgs Landesregierung macht derweil keine Ausnahmen. Zur Eindämmung der Pandemie habe derzeit die Kontaktreduzierung Vorrang, wird auf SPORTBUZZER-Anfrage kurz und knapp begründet.

Mehr zum Brandenburger Sport-Lockdown

Auch Gerlach weiß um das Gebot der Stunde. Jedoch stehe er im Austausch mit der Regierung, um diesen Monat vielleicht doch „im Rahmen des Möglichen und Vertretbaren“ Sportangebote von den Vereinen für den Nachwuchs machen zu können. „Für die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten sind die Altersklassen bis 14 Jahre besonders wichtig. Da braucht es kontinuierliche Bewegungsförderung“, sagt er.

DFB geht für alle in die Offensive

Brandenburgs LSB zählt laut aktueller Statistik fast 93.000 Mitglieder im Alter bis 14 Jahre, das macht rund 26 Prozent der etwa 355.000 Mitglieder insgesamt aus. Bis 18 Jahre liegt der Anteil bei einem Drittel. Im Zuge der Lockerungen nach der ersten Pandemiewelle hatte Brandenburg als einziges Bundesland Einschränkungen altersbezogen aufrechterhalten und dabei eine Grenze ab 27 Jahren gezogen, was für viel Kritik sorgte. Auch der momentane Berliner Weg mit der U12-Ausnahme wird hinterfragt. „Warum diese Regel nicht gleich für alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen gilt, ist nicht nachvollziehbar“, sagt der dortige LSB-Präsident Thomas Härtel.

Der Deutsche Fußball-Bund hat indes die Politik um eine flächendeckende Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs im Amateurbereich gebeten. Der Appell bezieht sich vor allem auf das organisierte Sporttreiben von Kindern und Jugendlichen unter freiem Himmel – und sei ausdrücklich nicht nur für den Fußball gemeint, erklärte der Verband.

Verständnis mit Abstrichen

Bei Brandenburger Vereinen ist größtenteils Verständnis für die neuen Einschränkungen zu spüren. Nur werden diese mitunter als zu umfangreich empfunden. „Dass die Kinder bis zu einem Alter von zwölf Jahren Sport machen dürfen und sie nach der Schule weiter beschäftigt sind, wäre schon sinnvoll“, sagt Peter Rieger, Vorstandsvorsitzender des mitgliederstärksten Sportvereins in der Mark, dem SC Potsdam. Dirk Schumacher, Vorsitzender von Hansa Wittstock, fände ein Okay für Freiluft-Gruppentraining gut. „Die Vereine tun viel mit ihren Hygienekonzepten“, meint er. Sven Steller betont, dass der erneute Lockdown gerade für die Jugend „wieder eine besonders schwere Zeit“ sei. Dieses Mal stecke der eine Monat Pause jedoch zumindest eine Perspektive ab, die im Frühjahr lange gefehlt hatte, sagt der Vorsitzende des SV Falkensee-Finkenkrug. „Daher“, so Steller, „habe ich das Gefühl, dass es jetzt insgesamt besser aufgenommen wird. Aber wenn der Stillstand länger dauern sollte, wäre es fatal.“