22. Juni 2020 / 17:55 Uhr

Fragezeichen hinter Sportfreigabe in Brandenburg: Kritik an Altersgrenze von 27 Jahren

Fragezeichen hinter Sportfreigabe in Brandenburg: Kritik an Altersgrenze von 27 Jahren

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
Moritz Broschinski (l. Cottbus), Dima Ronis (r. RSV), RSV Eintracht - FC Energie Cottbus, Landespokal Brandenburg, Achtelfinale, Saison 19/20, Stahnsdorf, 12.10.2019, Foto: Benjamin Feller
Dima Ronis (r.) ist 30 Jahre alt. Ob er mit dem RSV Eintracht Stahnsdorf trainieren darf ist unklar. © Benjamin Feller
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Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBSJ) erklärte am Samstag in einer Pressemitteilung, dass die bis dato geltende Abstandsregel für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre nicht mehr gültig ist. Das sorgt bei Sportvereinen in Brandenburg für Unklarheiten.

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Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre dürfen sich in Brandenburg nach der Corona-Pause sportlich wieder austoben. Laut einer Mitteilung des Sportministeriums können ab dem 25. Juni alle Sportarten „in vollem Umfang wieder betrieben werden. Der Infektionsschutz soll zwar beachtet werden, aber nur in dem Umfang, wie dies erwartet und praktisch realisiert werden kann. Eine starre Abstandsregelung passt hierzu nicht.“ So müssen jedoch beispielsweise weiter Kontaktlisten geführt werden.

In vielen Brandenburger Fußballvereinen wurde die Nachricht mit Erleichterung aufgenommen. „Wir sind froh, dass wir wieder normal mit dem Training starten können“, sagte Matthias Reer, Jugendausschuss-Vorsitzender des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB) und Vorsitzender von Grün-Weiss Brieselang (Havelland). Erst am Freitag hatte der FLB in einem offenen Brief die Landespolitik aufgefordert, den Wiedereinstieg vorzuziehen. Bis dato waren bis zum 16. August Spiele und normales Training untersagt. In sozialen Netzwerken gab es allerdings auch Kritik, weil der Trainingsbetrieb in vielen Vereinen während der Schulferien eh ruhe.

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Der Landessportbund Brandenburg begrüßte die Lockerung für den Nachwuchs. Der Wegfall des kontaktlosen Sports für junge Menschen sei ein sinnvoller Schritt, der nun aber auch für alle anderen Aktiven notwendig werde, teilte der LSB mit. Sprich: Die Altersgrenze soll weg. „Die jetzige Regelung zieht eine Trennlinie durch unser Sportland, die auf wenig Verständnis stößt. Wir haben die Einschränkungen der Corona-Krise über alle Altersklassen hinweg gemeinsam verantwortungsvoll getragen und umgesetzt. Daher sollten nun auch alle Aktiven gleichermaßen an den Lockerungen teilhaben dürfen, zumal diese bereits in angrenzenden Bundesländern umgesetzt sind“, sagte der LSB-Vorstandsvorsitzende Andreas Gerlach.

Laut Ministerium gilt die Lockerung nur bis zum Alter von 27 Jahren. Grund: Die Abstandsregelung gelte nicht im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Und Angebote der Sportvereine für junge Menschen seien Jugendarbeit im Sinne des Sozialgesetzbuches (SGB VIII). Bis 27 besteht auch Anspruch auf Kindergeld oder etwa BAföG.

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Doch in der Praxis führt die Altersgrenze zu Problemen: Die erste Fußball-Mannschaft des RSV Eintracht 1949 ist in die Oberliga aufgestiegen. Die Truppe darf ab Donnerstag ganz normal trainieren. Die ganze Mannschaft? Nein. Routinier Dima Ronis fällt mit 30 Jahren nicht unter die Altersgrenze. „Der muss dann wohl Runden laufen, während die Jüngeren trainieren“, sagt Vereinspräsident Michael Grunwaldt, der hinter die Sportfreigabe ein Fragezeichen setzt. „Wir gehen davon aus, dass im Training freies Spiel möglich ist. Aber wir erhoffen uns dazu weitere Informationen.“

Das Sportministerium unterstrich am Montag auf SPORTBUZZER-Anfrage den Fokus auf Kinder- und Jugendarbeit. Also beispielsweise Fußballferienschulen oder ein Volleyballturnier eines Jugendclubs. Der Ligabetrieb stehe ausdrücklich nicht im Fokus der Erleichterung. „Es müssen Angebote der Kinder- und Jugendarbeit sein, die können auch von Vereinen kommen.“ Ob das Training einer ersten Mannschaft damit freigegeben ist, ließ das Ministerium gestern allerdings offen.

Freude in Sachsenhausen

Daniel Wienholtz, Jugendleiter beim TuS Sachsenhausen, sagt zu den neuen Rahmenbedingungen: „Die Lockerungen für den Nachwuchs kommen einige Wochen zu spät. Wir sind kurz vor den Sommerferien. Diese Woche werden wir noch normal mit dem Nachwuchs trainieren, ab nächster Woche sind alle TuS-Jugendteams in der Sommerpause.“ Dennoch freue man sich über die Mitteilung des Ministeriums. Wienholtz: „Aber generell freuen wir uns, dass sich überhaupt was geändert hat und der Nachwuchs wieder normal trainieren kann.“