14. Januar 2022 / 18:07 Uhr

Braucht Wolfsburg doch noch Neuzugänge? "Halten Augen und Ohren offen"

Braucht Wolfsburg doch noch Neuzugänge? "Halten Augen und Ohren offen"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Neue im Winter? Jerome Roussillon (l.) ist allein auf seiner Position, Luca Waldschmidt kam in Sommer, VfL-Manager Jörg Schmadtke (r.) überlegt.
Neue im Winter? Jerome Roussillon (l.) ist allein auf seiner Position, Luca Waldschmidt kam in Sommer, VfL-Manager Jörg Schmadtke (r.) überlegt. © Roland Hermstein
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Muss der VfL Wolfsburg doch noch mal in seinem Kader nachbessern? Die Spiele gegen Hertha BSC und RB Leipzig werden da mit entscheiden. "Wir halten immer die Augen und Ohren offen", sagt Manager Jörg Schmadtke.

Der VfL Wolfsburg in der Krise: Gegen Hertha BSC geht es am Samstag (15.30 Uhr) um drei Punkte, das Ende der Pleitenserie, mehr Abstand zu den Abstiegsplätzen. Aber es geht auch um weitere Erkenntnisse in einer nicht ganz unwichtigen Frage: Braucht der VfL wirklich keine Winterpausen-Neuzugänge? Manager Jörg Schmadtke ist kein Freund von Rückrunden-Nachbesserungen im Kader. Aber er schließt auch nicht aus, dass das Hertha-Spiel und die Partie eine Woche darauf in Leipzig den Handlungsdruck erhöhen könnten. „Erkenntnisse gewinnt man immer", sagt er, "wir halten immer die Augen und Ohren offen."

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Bis Ende des Monats ist das Transferfenster noch offen. Vor allem hinten links drückt nach dem Ausfall von Paulo Otavio (schwere Knieverletzung, spielt in dieser Saison sehr wahrscheinlich nicht mehr) der Schuh, zumal Jerome Roussillon nicht an seine Top-Spielzeit 2018/19 anknüpfen konnte, der einst so gefragte Franzose hat große Probleme. In der Defensive (wie jüngst vorm 0:1 in Bochum zu sehen) aber auch in der Offensive. Von seinen so gefürchteten Offensivläufen ist fast nichts mehr zu sehen.

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Gleichwohl ist Roussillon nicht der einzige VfLer, der in dieser Saison kaum wiederzuerkennen ist. Holt Wolfsburg noch einen neuen Linksverteidiger? Nicht zwingend. „Ich glaube nicht, dass da noch was passiert. Wir haben auch die Möglichkeit, Dinge aus dem bestehenden Kader heraus zu lösen“, sagt Schmadtke und nennt Yannick Gerhardt, Renato Steffen oder Sommer-Neuzugang Micky van de Ven als personelle Möglichkeiten. Und auf welcher Position wäre ansonsten Bedarf? Der erfahrene Manager will sich nicht in die Transfer-Karten gucken lassen, wohl wissend, das offensives Interesse die Preise verderben kann: "Warten wir es mal ab."


Im Sommer war der VfL-Kader zusammengeblieben und wurde punktuell ergänzt. Was damals vernünftig klang, war aus heutiger Sicht womöglich ein Fehler. „Das ist ein bisschen so, wie am Sonntag die Lottozahlen vom Samstag zu benennen. Aber der Diskussion stelle ich mich durchaus“, so Schmadtke gegenüber der dpa. „Wir haben im Sommer Entscheidungen getroffen, die aus vollster Überzeugung geschahen und die den Gedanken hatten, dass wir eine homogene, stark leistungsorientierte Gruppe behalten, die den nächsten Schritt gehen will. Aus heutiger Sicht kann man dahinter ein Fragezeichen stellen.“

Dass ein solches Fragezeichen auch hinter dem Trainer steht, ist Schmadtke angesichts von acht Pflichtspiel-Niederlagen in Folge klar - und dass der Druck vor dem Heimspiel gegen Hertha dadurch groß ist, ebenso. Was erwartet er nach dem so enttäuschenden Rückrunden-Auftakt in Bochum? „Einen Sieg! Wir haben ein bisschen gebraucht, aber jetzt ist das Bochum-Ding verarbeitet und wir sind nach wie vor in dem festen Glauben, es gegen die Berliner besser zu machen. Auch in der Konstellation, in der wir gerade sind.“

In der Konstellation mit Florian Kohfeldt als Trainer, der von Sportdirektor Marcel Schäfer jüngst erneut Rückendeckung bekam. Auch Schmadtke gab ihm die: „Ich sehe seine Arbeitsweise. Ich sehe, wie er Woche für Woche mit der Mannschaft umgeht und welche Inhalte er installiert. Nichtsdestotrotz wissen wir alle: Es kommt irgendwann ein Punkt, an dem Dinge schwer haltbar sind. Von dem Punkt sind wir aber noch entfernt. Die Überzeugung überwiegt nach wie vor das aktuelle Bild.“

Wichtig werde es am Samstag im Duell mit der Hertha sein, seine Nerven im Griff zu haben. Schmadtke: „Es wird darum gehen, wer gerade jetzt seine Performance besser auf den Platz bekommt und wer gerade jetzt besser mit Negativ-Erlebnissen umgehen kann. Das wird elementar wichtig sein, das ist doch klar.“ Und Schmadtke weiß, wovon er redet, der erfahrene Manager war selbst lange Profi, er hat einige solcher schwierigen Situationen erlebt. „Das Wichtigste ist jetzt, sich nur auf sich selbst und seine nächste Umgebung zu fokussieren - und alles andere auszublenden. Auch wenn das sicher nicht einfach ist.“

Klappt das alles nicht und gibt es die siebte Liga-Niederlage in Folge, dann könnten die Wolfsburger am Sonntag auf Platz 17 stehen – wenn Stuttgart gegen Leipzig gewinnt, der FC Augsburg die Frankfurter Eintracht schlägt und Bielefeld gegen Fürth siegt.