22. Mai 2020 / 17:33 Uhr

Brenzlige Lage in der DEL: Wolfsburg "will keine Wasserstandsmeldungen abgeben"

Brenzlige Lage in der DEL: Wolfsburg "will keine Wasserstandsmeldungen abgeben"

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wie geht es weiter? Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf, der lange stets Optimismus ausgestrahlt hatte, ist ungewohnt schweigsam geworden.
Wie geht es weiter? Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf, der lange stets Optimismus ausgestrahlt hatte, ist ungewohnt schweigsam geworden. © B. Schulze/Baschin
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Die Auswirkungen der Corona-Krise sind massiv. Auf die Wirtschaft, auf den Profi-Sport. Wie massiv, das wird dieser Tage im Eishockey deutlich. Ob es eine neue DEL-Saison gibt? Offen. Hinter den Kulissen wird geredet, nach außen ist es still geworden. Auch bei den Grizzlys Wolfsburg. Die Lage ist brenzlig.

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Fliegauf ist ungewohnt schweigsam

Um 25 Prozent gegenüber Vorjahresniveau sollen und wollen die Klubs die Gehälter senken, bei verspätetem Saisonbeginn einem Nettogehalt von 2900 Euro im Monat zustimmen. Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf, der lange stets Optimismus ausgestrahlt hatte, ist ungewohnt schweigsam geworden. Er will keine Stellung mehr beziehen, Nachfragen weicht er aus, stellt nur fest mit Blick auf die geplanten Gehaltsreduktionen in der DEL, auf die sich die Klubs gemeinschaftlich geeinigt haben, "dass ich keine Wasserstandsmeldungen abgeben möchte. Wir wissen, dass wir nichts wissen, es bleibt alles spannend." Auch Kapitän Sebastian Furchner, genau wie Fliegauf grundsätzlich keiner, der sich versteckt wenn es kritisch wird, möchte nichts sagen. Das sagt einiges. Wobei allerdings auch alle Seiten für sich und miteinander extrem viel Gesprächsbedarf haben.

Die Grizzlys hatten ihren Profis reinen Wein eingeschenkt. Während Moritz Müller von den Kölner Haien beklagte, dass er von den Gehaltsreduktionen aus einer Zeitung erfahren hatte (Liga-Chef Gernot Tripcke hatte sie gegenüber einer Agentur bekannt gemacht), hatten die Wolfsburger zuvor ihren Spielern in einer Video-Konferenz erklärt, wie die Lage ist.

Mehr heimischer Sport

Der Profi-Eishockey-Sport ist bedroht. Es ist völlig offen, ob es Hallensport mit Zuschauern im Herbst überhaupt geben kann. Und wenn ja, unter welchen Auflagen für die Fans. Und wenn es die gibt, können dann die gewohnten Zuschauerzahlen erreicht werden? Tripcke hatte zudem schon erklärt, dass Geisterspiele keine Option sind. Die Zuschauereinnahmen sind ein zu wesentlicher Etatposten.

Gehaltskürzungen müssen kommen

Die Gehaltskürzungen - sie müssen zwangsläufig kommen. Sponsoren brechen weg oder müssen auch sparen. Ein Dauerkartenverkauf, mit dem die Klubs in den Sommermonaten Verpflichtungen begleichen können, findet unter anderem in Wolfsburg nicht statt.

Zusammenrücken und hoffen, dass die Saison halbwegs normal über die Bühne gehen kann - das ist die DEL-Devise. An Alternativszenarien war auch schon gearbeitet worden. Die Gehalts-Kürzungspläne zeigen, wie brenzlig die Lage ist. Sie zwingt alle in ein Boot: Die Spieler mit ihren Klubs zum einen. Ein Spielerberater gegenüber dem SPORTBUZZER: "Besser sieben Monate Gehalt als gar keins."

Bis zum Stichtag Sonntag, 24. Mai, will die Liga-Geschäftsführung die Lizenzierungsunterlagen samt der Zustimmung zur Gehaltsreduktion. Moritz Müller, der mit Patrick Reimer (Nürnberg Ice Tigers) die Gründung einer Spielergewerkschaft forciert, wünscht sich mehr Zeit. Ausgeschlossen ist es nicht, dass es die gibt. Denn die DEL wird es nicht am Stichtag scheitern lassen. Denn - zum Thema "in ein Boot" zum anderen: Auch die Klubs miteinander müssen in ein einziges und hoffen, dass alle durchhalten. Ein Spielerberater gegenüber dem SPORTBUZZER: "Gehen drei oder vier Vereine unter, dann geht die ganze Liga unter."