18. November 2020 / 17:19 Uhr

Brome-Kapitän Riaan Schmidt: Viel Zeit am Schreibtisch und "blödeln" mit dem Team

Brome-Kapitän Riaan Schmidt: Viel Zeit am Schreibtisch und "blödeln" mit dem Team

Yannik Haustein
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Fleißig am Schreibtisch, aktiv auf dem Fußball-Platz: Bromes Kapitän Riaan Schmidt.
Fleißig am Schreibtisch, aktiv auf dem Fußball-Platz: Bromes Kapitän Riaan Schmidt. © Lea Rebuschat/Privat
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Er ist der Kopf der Mannschaft, sein Wort hat auf dem Platz und in der Kabine Gewicht: Der Fußball-Kapitän. In der Corona-Krise ist vieles anders, er aber nicht weniger gefordert. Wie funktioniert Zusammenhalt trotz Lockdown? Wie geht Gemeinsamkeit trotz Einsamkeit? Wie geht Fitness ohne Teamtraining? Der SPORTBUZZER fragt nach: Wie ist die Lage, Kapitän?

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Schon seit seinem ersten Herren-Jahr 2014/15 ist Riaan Schmidt Kapitän des Teams - und das nicht, weil sein Vater Mark-Oliver das Team trainiert. Der 24-Jährige war es zuvor auch schon in der Jugend des FC. "Weil ich mehr Zeit auf dem Sportplatz verbracht habe als sonst wo", verrät Schmidt mit einem Schmunzeln. Und da gemeinsam mit ihm ein Großteil seiner Jugend-Teamkollegen mit in die Erste aufgerückt war, blieb er Kapitän - "wir wählen alle zwei Jahre, und ich bin seitdem immer wiedergewählt worden", freut sich der Innenverteidiger. "Es ist schön, dass die Jungs mir den Rücken stärken."

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Selbiges versucht Schmidt nun in Zeiten des erneuten Corona-Lockdowns bei seiner Mannschaft: Es gilt, das Team zusammenzuhalten. "Wir haben natürlich über Whatsapp Kontakt, da haben wir eine Gruppe für die Mannschaft", erzählt Schmidt. "Außerdem haben wir eine Kickbase-Gruppe und blödeln auch da herum." Wie der MTV Gifhorn versuchen sich die FCB-Kicker also auch als virtuelle Bundesliga-Manager.

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Virtueller Teamabend

"Mal schauen, was sich noch entwickelt. Wir warten sehnlichst auf die Nachricht, ob es im Dezember zumindest mit dem Training weitergehen kann", sagt der Kapitän. In der Zwischenzeit wollen sich die Bromer trotzdem sehen, "wir wollen am Wochenende einen Teamabend machen". Virtuell eben, per Skype soll sich auf "ein paar Kaltgetränke" getroffen werden, freut sich Schmidt: "Es ist wichtig, die anderen auch mal wiederzusehen." Im ersten Lockdown gab's das nicht - "aber da war das Training ja relativ bald wieder möglich".

Zuletzt musste Schmidt allerdings zuschauen - ein Bandscheibenvorfall setzte den Kapitän außer Gefecht. Er studiert in Braunschweig Physik im Master, "und durch die Pandemie gibt es nun Online-Semester. Dadurch verbringe ich teilweise bis zu zehn Stunden am Tag am Schreibtisch", so Schmidt. Das hat den Rücken in Mitleidenschaft gezogen.

Trotzdem bleibt der Kapitän ein wichtiger Bestandteil des Teams. Untätig sind die Bromer nämlich nicht - und dabei auch noch kreativ: Trainerstab und Spieler treten in Fitness-Herausforderungen gegeneinander an. So muss die Mannschaft eine vorgegebene Distanz im Monat laufen, Coaches und Betreuer können ihrerseits aber gegenhalten - was sie schaffen, wird von den Kilometern des Teams abgezogen. Das motiviert - "und wenn ich schon nicht mitmachen kann, sammle ich die Werte", erklärt Schmidt.

Bald ein Doktor der Physik?

Immerhin: Wenn es mit dem Fußball im Frühjahr voraussichtlich weitergeht, sollte Schmidt wieder fit sein - nicht zuletzt durch die Physiotherapie zu Hause, Vater Mark-Oliver hat eine eigene Praxis und hat dort im Sommer sogar den Grundstein für die Rückkehr von Mannschaftskollege Brian Schulze gelegt. "Das ist das einzig Positive an der Pause", so Riaan Schmidt. "Bis März bin ich hoffentlich wieder fit."

Positiv: Wenn der Kapitän schon keinen Sport machen kann, hat er doch viel Spaß an seinem Studienfach - das ist für ihn eine Leidenschaft. "Es hat mich schon immer sehr interessiert", so Schmidt, der bald seine Master-Arbeit beginnen will - bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig will er sich mit theoretischer Quantenelektrodynamik befassen. "Es ist super interessant, aber nicht einfach." Unter anderem befasst sich das Feld mit der Erklärung von Elektromagnetismus.

"Die Arbeit dauert gut ein Jahr, danach würde ich gern promovieren", so Schmidt. Die Gegebenheiten dafür seien trotz Pandemie nicht schlecht, "es ist nicht so schwer, weiterzuarbeiten. Das geht auch von zu Hause aus." Geht alles gut, darf sich der Abwehrspieler anschließend Doktor nennen.

Bei so viel Theorie ist der Fußball eine gute Abwechslung. "Das Studium ist sehr Zeit-intensiv, also ist Fußball eigentlich mein einziges Hobby", sagt Schmidt. "Während der Abi-Zeit habe ich aber auch Musik gemacht und Saxofon gespielt, das ist seitdem aber ein bisschen hinten runtergefallen." Der Fußball aber ist immer präsent geblieben.

Die etwas anderen Kapitäns-Tipps in der Corona-Krise

Film: Die Herr-der-Ringe-Trilogie. "Die Filme haben mir super gefallen, und durch Corona hat man wohl auch genug Zeit, alle drei Filme durchzuschauen."

Serie: Dark auf Netflix. "Die Serie hat mit Zeitreise-Paradoxen zu tun, die wurden auch physikalisch gut umgesetzt. Wenn man auf sowas achtet, kann es aber auch ein Nachteil sein - so etwas wie Star Wars kann ich deshalb gar nicht mehr schauen."

Gaming-Tipp: The Witcher III. "Mein absolutes Lieblingsspiel, wegen der Geschichte. Es basiert auf Büchern des polnischen Autors Andrzej Sapkowski und wurde super umgesetzt. Mir gefällt daran, dass es nicht das typische Fantasy-Szenario mit Friede-Freude-Eierkuchen ist."