23. Juni 2019 / 15:07 Uhr

Bronzenes Märchen: Judoka Pauline Starke gewinnt EM-Medaille in Minsk

Bronzenes Märchen: Judoka Pauline Starke gewinnt EM-Medaille in Minsk

Matthias Abromeit
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Glückliche Kämpferin: Pauline Starke zeigt ihre EM-Medaille.
Glückliche Kämpferin: Pauline Starke zeigt ihre EM-Medaille.
Anzeige

Groß Zeit zum Nachdenken hat Pauline Stark nicht. Die Judoka vom JT Hannover ist erst im letzten Moment auf den Euro-Zug aufgesprungen und hat dann die Sensation geschafft: Die Kampfsportlerin erreicht über die Trostrunde die Bronzemedaille - der größte Erfolg  ihrer Karriere.

„So richtig glauben kann ich es immer noch nicht“, sagt Pauline Starke. Doch zum Glück baumelt etwas um den Hals der jungen Judoka, das die Athletin vom JT Hannover an den bisher größten Erfolg ihrer Karriere erinnert: die Bronze-Medaille von den Europameisterschaften.

Anzeige

Noch am Mittwoch deutete rein gar nichts auf Starkes Erfolg hin. Sie war nicht einmal nominiert gewesen. Die aktuell Stärksten ihrer Klasse bis 57 Kilo, die Münchener Schwestern Theresa und Amelie Stoll, sagten verletzt ab, die Stuttgarterin Sappho Coban rückte nach. „Ich habe gedacht, dass dann nur eine nach Minsk fährt. Ich hatte in diesem Jahr noch nicht das gezeigt, was ich eigentlich kann“, sagte Starke. Doch am Mittwoch kam der Anruf vom Deutschen Judo Bund. „Freitag musste ich auf die Waage, Sonnabend kämpfen“, sagte die 21-Jährige. Spontaner ging es kaum.

Kraftdemonstration:  Pauline Starke (weiß) wirbelt die Belgierin Mina Libeer herum.
Kraftdemonstration:  Pauline Starke (weiß) wirbelt die Belgierin Mina Libeer herum. © (c) BELGA

Aus dem Flieger direkt auf die Waage

„Das Gute war, dass ich überhaupt keine Zeit hatte, nervös zu werden. Und als Jüngste im Team hatte auch keiner etwas von mir erwartet.“ So ging sie einfach auf die Matte, gewann zwei Kämpfe und scheiterte erst im Pool-Finale an Nora Gjakova aus dem Kosovo. Der Platz in der Trostrunde war ihr sicher. Dort siegte sie weiter. Und als es im Kampf um Bronze ausgerechnet gegen ihre nationale Rivalin Coban ging, brauchte Starke nur 54 Sekunden. Dann hatte sie Bronze. „Innerlich habe ich mich schon riesig gefreut. Aber zeigen mochte ich das nicht so. Denn ich hätte das auch Sappho gegönnt“, sagte die Hannoveranerin.


Bei der DM, ihrem bisher einzigen Aufeinandertreffen, hatte noch Starke den Kürzeren gezogen. Doch nun bekommt die EM-Medaille einen Ehrenplatz in der Vitrine in Starkes Wohnzimmer. „Gleich neben der EM-Gold-Medaille von 2016 bei den Junioren. Die kam übrigens genauso unerwartet wie jetzt“, erinnert sich Starke.

Die Siegerehrung: (v.l.) Silber für Nora Gjakova (Kosovo), Gold für Daria Mezhetskaya (Russland) und Bronze für Telma Monteiro (Portugal) und Pauline Starke.
Die Siegerehrung: (v.l.) Silber für Nora Gjakova (Kosovo), Gold für Daria Mezhetskaya (Russland) und Bronze für Telma Monteiro (Portugal) und Pauline Starke. © imago images / ITAR-TASS

Pauline tritt im Team-Wettkampf an

In Minsk hat sie noch Zeit bis Dienstag, auch die Stadt kennenzulernen. Dann stehen noch die Team-Wettkämpfe an. „Bis jetzt habe ich nur den Flughafen, die Sporthalle und das Athleten-Dorf gesehen.“ Und das war das eigentlich Neue. „Echt cool. So ungefähr stelle ich mir olympische Spiele mit Athleten aus vielen anderen Sportarten vor. Nur ist es hier noch etwas kleiner“, sagt Starke. Nur ab und zu musste sie sich kneifen, um zu wissen, dass es kein Traum ist. „Das Athleten-Dorf, die Halle – das könnte überall sein. Nur auf der Fahrt mit dem Bus von der Halle habe doch realisiert, dass ich nicht in Hannover, Malaga oder Neapel bin.“ Sie war wirklich in der weißrussischen Hauptstadt und hatte wirklich Bronze geholt