28. Juli 2020 / 18:21 Uhr

Bruno Labbadia feilt an seinem Hertha-Bild: Neue Matratzen für die neue Achse (mit Galerie)

Bruno Labbadia feilt an seinem Hertha-Bild: Neue Matratzen für die neue Achse (mit Galerie)

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
28.07.2020, Berlin: Fußball: Bundesliga, Trainingsauftakt Hertha BSC, Hertha-Trainingsgelände. Trainer Bruno Labbadia von Hertha BSC beobachtet die Spieler im Training. Foto: Andreas Gora/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
Bruno Labbadia sucht derzeit Spieler, die bei Hertha BSC die neue Achse bilden können. © Andreas Gora/dpa
Anzeige

Der Trainer des Berliner gibt zum Trainingsauftakt Einblicke in seinen Plan für den Bundesligisten. Bruno Labbadia muss sich nach dem Abgang einiger Leistungsträger bei Hertha BSC eine neue Spielerachse aufbauen.

Anzeige
Anzeige

Nur noch ein paar Kleinigkeiten fehlen, dann entspricht zumindest schon einmal das Trainingsgelände den Vorstellungen von Bruno Labbadia. „Infrastrukturmäßig haben wir Vollgas gegeben“, erzählte der Trainer von Hertha BSC beim Trainingsauftakt am Dienstag. Ein wichtiger Bestandteil dabei: Alle Spieler können künftig zwischen den Trainingseinheiten in Betten im Kabinentrakt einen Mittagsschlaf halten. Allerdings: „Heute noch nicht, weil die Matratzen noch nicht gekommen sind“, gab Labbadia preis, für Dienstagabend war die Lieferung angekündigt.

Kein Trainingslager für Hertha

In der vierwöchigen Sommerpause wurde in den Vereinsräumen auf dem Olympiagelände fleißig gewerkelt, um sie noch komfortabler und praktikabler für die Mannschaft zu gestalten. Schließlich verzichten die Berliner coronabedingt auf ein Trainingslager, „wir werden hier lange Tage verbringen“, kündigte Labbadia an. „Auf der anderen Seite ist es auch für die Spieler gut, sie müssen nicht 14 Tage in ein Hotel, sondern können abends nach Hause“, sagte der Hertha-Trainer.

In Bildern: Das war der Trainingsauftakt von Hertha BSC.

Trainer Bruno Labbadia hatte beim Hertha-Trainingsstart 19 Feldspieler und drei Torhüter im Einsatz – darunter auch Neuzugang Lucas Tousart. Individuell trainiert haben Niklas Stark (abklingender Infekt) und Santiago Ascacibar (Fußverletzung). Gefehlt haben hingegen Ondrej Duda (noch ausstehender 2. Corona-Test) und aus persönlichen Gründen Lazar Samardzic. Zur Galerie
Trainer Bruno Labbadia hatte beim Hertha-Trainingsstart 19 Feldspieler und drei Torhüter im Einsatz – darunter auch Neuzugang Lucas Tousart. Individuell trainiert haben Niklas Stark (abklingender Infekt) und Santiago Ascacibar (Fußverletzung). Gefehlt haben hingegen Ondrej Duda (noch ausstehender 2. Corona-Test) und aus persönlichen Gründen Lazar Samardzic. © Andreas Gora/dpa

Am Dienstagvormittag waren es allerdings nur 22 Akteure, davon drei Torhüter. Beim abschließenden Trainingsspiel musste Keeper Dennis Smarsch im defensiven Mittelfeld an der Seite von Lucas Tousart spielen. Der Franzose ist bislang der einzige Neuzugang, wird das aber sicherlich nicht bleiben. Auf der Torwartposition suche man nach einem Keeper, der auch sofort die Nummer eins sein könne, erklärte Labbadia. Im Optimalfall solle er deutschsprachig sein und auch noch gut Fußballspielen können. „Wir müssen Struktur aufbauen und wir müssen die richtige Auswahl treffen. Die meisten Spieler, die man gut findet, finden andere auch gut“, sagte der 54-Jährige.

Labbadia will Qualität statt Quantität

Immer wieder werden namhafte Neuzugänge mit den Berlinern in Verbindung gebracht, die durch das Geld von Investor Lars Windhorst gut bei Kasse sind. Beispielsweise Weston McKennie vom FC Schalke 04, der die Lücke im zentralen Mittelfeld füllen könnte, die nach der Rückkehr von Marko Grujic zum FC Liverpool entstanden ist. „Wir haben die Situation, dass wir eine funktionierende Achse verloren haben“, sagt Labbadia mit Blick auf Grujic, Per Skjelbred und Vedad Ibisevic, die allesamt den Verein verlassen haben. Jetzt gelte es, wieder eine funktionierende Achse aufzubauen. „Die Spieler, die wir dazu holen, die müssen zu unseren Spielern passen, die da sind“, erklärte Labbadia. Lieber verzichte er auf ein, zwei Spieler, hole dafür Qualität und ergänze den Kader dann mit Spielern aus dem Nachwuchs, sagte der Trainer. Er wolle dabei auch auf das Gehaltsgefüge achten, man müsse damit „sorgsam umgehen“.

Er klingt dabei so, als hätte er sich viele Gedanken zu seiner verantwortungsvollen Aufgabe gemacht. Auch wenn er die kurzfristigen Erfolge nicht außer Acht lassen könne, würde das jetzige Handeln „die Geschicke der nächsten drei bis fünf Jahre von Hertha mitbestimmen“, weshalb er keine Schnellschüsse bei den Neuzugängen abfeuern werde: „Dann dürfen wir auch nicht den Fehler machen, einfach was zu machen, nur damit wir etwas getan haben.“

Mehr zu Hertha BSC

Und schließlich hat Labbadia ja schon einen Kader, der im Winter ordentlich aufgerüstet wurde. Spieler wie Cunha, der künftig mit der Nummer 9 statt der 26 auflaufen wird, Krzysztof Piatek oder eben Tousart genügen bereits internationalen Ansprüchen. Letzteren lobte Labbadia als „Idealvorstellung von einem Neuzugang“. Der 23-Jährige habe schon eine Wohnung in Berlin bezogen, wirke für sein Alter sehr reif. „Er ist jemand, der vom Typ her auf alle Fälle reinpasst, er hat Bock auf Hertha“, sagte Labbadia, der sich nach dem Training noch minutenlang auf Englisch mit dem zentralen Mittelfeldspieler unterhielt. Schon wegen seiner Position und seiner internationalen Erfahrung könnte Tousart ein Teil der neuen Hertha-Achse werden.

Zur dieser dürfte dann auch der neue Kapitän gehören, der nach dem Abgang von Ibisevic noch gesucht wird. Der Mannschaftsrat sei ihm sehr wichtig, betonte Labbadia, es werde auf jeden Fall ein Spieler Kapitän werden, der dort Mitglied sei. Ob er den neuen Hertha-Anführer selbst bestimmen, oder ob dieser von der Mannschaft gewählt werden wird, das wisse er allerdings noch nicht.