30. Mai 2020 / 09:03 Uhr

Labbadia bringt Berlin zurück in die Erfolgsspur: Wird Hertha BSC unter "Big Bruno" zum "Big City Club"?

Labbadia bringt Berlin zurück in die Erfolgsspur: Wird Hertha BSC unter "Big Bruno" zum "Big City Club"?

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
 Seit der Amtsübernahme von Bruno Labbadia läuft es bei Hertha BSC gut.
Seit der Amtsübernahme von Bruno Labbadia läuft es bei Hertha BSC gut. © imago images/Montage
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Seit drei Bundesliga-Partien sitzt Neu-Trainer Bruno Labbadia auf der Trainerbank von Hertha BSC. Unter seiner Leitung hat sich der Hauptstadt-Klub sportlich rasant stabilisiert. Labbadias Devise: Demut statt große Sprüche.

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Es scheint so, als könne Bruno Labbadia seinen Erfolg selbst noch nicht so richtig glauben. „Das kann man nicht erwarten, dass wir schon so Fußball spielen, wie wir es getan haben“, sagte Labbadia einigermaßen verblüfft nach seinen ersten drei Spielen als Coach von Hertha BSC. In denen holten die Berliner sieben von neun möglichen Punkten in der Bundesliga, darunter ein 2:2 gegen Spitzenklub RB Leipzig.

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Mit Labbadia, seit Ostern im Amt, kehrte bei der zuvor kriselnden Hertha der Erfolg zurück – und vor allem Ruhe, nachdem die Berliner in dieser Saison mit dem Klinsmann-Abgang und Kalou-Video für so viele Negativschlagzeilen gesorgt hatten. „Jetzt ist Ruhe in der Burg“, formulierte es Präsident Werner Gegenbauer bei der Mitgliederversammlung.

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An dieser „neuen“ Hertha hat Labbadia entscheidenden Anteil. Der 54-Jährige ist das wohltuende Kontrastprogramm zu Vor-Vorgänger Jürgen Klinsmann, der schon von der Champions League visionierte, als die Berliner noch Abstiegskampf-Fußball spielten. Labbadia übt sich dagegen in Demut, meist in sehr klarer Sprache: „Ohne diese sieben Punkte hätten wir den Arsch an der Wand.“ Damit erreicht der Fußballlehrer seine Spieler, die durchweg positiv über ihn sprechen. „Jeder versteht, was er will. Wenn wir es gut machen, kann es sehr gut funktionieren“, meinte kürzlich Mittelfeldmotor Vladimir Darida – was darauf schließen lässt, dass das bei Labbadias Vorgängern Ante Covic, Klinsmann und Alexander Nouri nicht immer der Fall war.

Labbadia führt Ballbesitz-Fußball ein

Und im Gegensatz zu den drei ersten Hertha-Trainern in dieser Saison ist erstmals auch eine klare Idee im Spiel der Berliner zu erkennen. Labbadia hat der Hertha Ballbesitz-Fußball verordnet, seine Mannschaft steht höher und greift dementsprechend früher den Gegner an. Das zuvor brachliegende Offensivspiel (im Schnitt 1,28 Tore pro Spiel) hat er wachgeküsst (drei Tore pro Spiel), trotzdem steht die Defensive deutlich sicherer.

In Bildern: 72 ehemalige Spieler der Hertha BSC-Akademie – und was aus ihnen wurde.

Jerome Boateng (v.l.), Alexander Madlung und Sejad Salihovic sind nur drei prominente Beispiele für ehemalige Akademie-Spieler von Hertha BSC. Klickt euch durch unsere Galerie und erfahrt, welche Spieler den Sprung von den Hertha-Bubis in den Profifußball geschafft haben! Zur Galerie
Jerome Boateng (v.l.), Alexander Madlung und Sejad Salihovic sind nur drei prominente Beispiele für ehemalige Akademie-Spieler von Hertha BSC. Klickt euch durch unsere Galerie und erfahrt, welche Spieler den Sprung von den Hertha-Bubis in den Profifußball geschafft haben! ©

Dabei scheut sich der passionierte Läufer Labbadia, der stets im passgenauen Anzug an der Linie steht, auch nicht, Talente aus der hochgelobten Hertha-Nachwuchsabteilung ins kalte Wasser zu werfen. Jessic Ngankam (19) und Supertalent Lazar Samardzic (18), auf den diverse europäische Spitzenklubs ein Auge geworfen haben sollen, feierten unter Labbadia bereits ihr Bundesliga-Debüt. Luca Netz (17) und Marton Dardai (18), zweitältester Sohn von Ex-Trainer Pal Dardai, könnten am Samstag (15.30 Uhr) im Heimspiel gegen den FC Augsburg folgen.
Das spricht auch dafür, dass Labbadia in Berlin langfristig etwas aufbauen möchte.

Hertha dank Windhorst-Millionen finanziell gesichert

Dabei hat er ein finanzielles Umfeld, das ihm großen Spielraum dafür lässt. Nachdem Investor Lars Windhorst 224 Millionen Euro in den Verein gepumpt und sogar noch weitere Investitionen angekündigt hat, könnte Hertha BSC aus der Corona-Krise – so makaber es klingt – als Gewinner hervorgehen. Denn während andere Klubs ums Überleben kämpfen, können die Berliner mit gut gefülltem Geldbeutel Spieler einkaufen, die vor der Corona-Krise noch deutlich teurer gewesen wären.

Damit hat Labbadia die Chance, die sportliche Vision vom „Big City Club“ (Windhorst) zu realisieren. Für dieses Projekt hat der Investor unter anderem Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann und Klopp-Berater Marc Kosicke für den Aufsichtsrat – beide müssen voraussichtlich im Juni noch bestätigt werden – gewonnen. Sollte Labbadia das Ziel erreichen, würde er auch das Image des Feuerwehrmanns abstreifen – und zu „Big Bruno“ beim „Big City Club“ werden.