28. Mai 2018 / 20:03 Uhr

Bruno Labbadia und der VfL Wolfsburg: „Nicht zu viel erzählen, sondern machen!“

Bruno Labbadia und der VfL Wolfsburg: „Nicht zu viel erzählen, sondern machen!“

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Bruno Labbadia im Sportbuzzer-Interview
Bruno Labbadia im Sportbuzzer-Interview © dpa
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Bruno Labbadia, Trainer des VfL Wolfsburg, sprich über Fan-Ärger, Olaf Rebbe und die neue Saison.

Er hat den VfB Stuttgart und den Hamburger SV vor der 2. Liga bewahrt – und jetzt auch den VfL Wolfsburg. Große Einzel-Interviews wollte Bruno Labbadia deshalb lange nicht geben. Er brauche seine Kraft für den Klassenerhalt, hatte er dann immer gesagt. In unserer Montag-Ausgabe hatte Labbadia über seinen Verbleib beim VfL gesprochen, im Interview jetzt mit WAZ-Sportredakteur Engelbert Hensel blickt der 52-Jährige auf seine nervenaufreibende Retter-Mission in Wolfsburg zurück. Er spricht über Fan-Ärger, über Olaf Rebbe und über die neue Saison.

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Sie bleiben VfL-Trainer – was muss sich in der nächsten Spielzeit zwingend ändern?

Wir werden uns – damit meine ich Trainer, Trainerteam und Mannschaft – von Beginn an in die Verantwortung nehmen. Wir werden von der ersten Sekunde zielorientiert und intensiv arbeiten. Ich weiß noch genau, in welchem Zustand die Mannschaft war, als ich kam.

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Und zwar?

Sie war orientierungs- und emotionslos, dazu verunsichert und hat die Situation nicht richtig eingeschätzt. Mir hat ein klarer Rahmen gefehlt.

Was meinen Sie da konkret?

Der VfL bietet den Spielern wirklich viele gute Dinge, aber die Spieler brauchen auch gewisse Richtlinien – Dinge, an denen sich jeder orientieren kann aus dem Team. Als Trainer lebe ich diesen Rahmen vor und erwarte, dass jeder diesen Weg mitgeht und sich einbringt.

Sie sind jemand, der sehr selbstkritisch ist: Haben Sie sich mal nach dem Klassenerhalt gefragt, ob auch Sie Fehler gemacht haben?

Es ist immer blöd, über sich selbst zu sprechen. Denn es wird immer Dinge geben, die man besser machen kann. Ja, die Ergebnisse waren nicht da. Entscheidend ist für mich aber, dass ich trotzdem ruhig geblieben bin, denn wir hatten in meiner kurzen Zeit in Wolfsburg viele Situationen, die ganz sicher nicht einfach waren.

Gab es für Sie den einen Tiefpunkt in der Saison?

Ja, nach der 1:4-Niederlage in Leipzig lagen wir am Boden, da hat man gemerkt: Der Glaube an den Klassenerhalt war nicht mehr bei allen Spielern zu hundert Prozent da. In solchen Situationen kommt häufig auch die Frage: Ist der Trainer noch der richtige?

Die Frage kam von den Medien. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich kann mich da nur wiederholen: Ich bin ruhig geblieben, das sind Momente, die mich noch mehr Kraft entwickeln lassen, weil ich an mich glaube. Ich habe der Mannschaft gesagt: Ich werde den Glauben nicht verlieren, so lange wir noch eine Chance auf den Klassenerhalt haben. Aber ein entscheidender Punkt für mich war der Sonntag nach dem Leipzig-Spiel. Da habe ich den Spielern gesagt: Jetzt erst recht!

In der vorletzten Saison waren Team und Fans noch eine Einheit, aber rund um das Leipzig-Spiel waren Teile der Anhängerschaft frustriert und haben das auch die Mannschaft spüren lassen. Wie sind Sie damit umgegangen?


Die Karriere von Bruno Labbadia

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Bruno Labbadias Karriere in Bildern ©

Es war von meinem ersten Tag an zu spüren, dass die Fans eben nicht voll hinter der Mannschaft stehen, dass sie enttäuscht waren. Gegen mich gab’s ja diese Gesänge...

Ein kleiner Teil an VfL-Fans hatte bei Ihrem ersten Heimspiel das sarkastisch-böse Lied: „Wir steigen ab, wir komm’n nie wieder, wir haben Bruno Labbadia“ gesungen...

...das hatte mich überrascht und irritiert. Das hat dem Verein und hat auch mir geschadet. Es hat meine Arbeit doppelt und dreifach erschwert. Es passte aber nicht zu dem, wie die Menschen mich am Trainingsplatz empfangen haben, oder wie die Menschen mir beim Joggen begegnet sind. Das war das komplette Gegenteil. Das war extrem positiv, die Leute haben mir gesagt, dass sie an das glauben, was ich mache. Das tat schon gut, keine Frage.

Beim 1:4 in Leipzig hatte es erneut den Spott-Gesang gegeben. Am Tag danach haben Sie um ein Gespräch mit Fanvertretern gebeten. Warum?

Ich wollte wissen, weshalb es Leute gibt, die so reagieren. Glauben Sie mir, es war ein sehr wichtiges Gespräch, ich habe gut zugehört. Die Fanvertreter sagten mir: ,Herr Labbadia das hat nichts mit Ihnen zu tun.’ Die generelle Lage des Klubs in den letzten zwei Jahren hat für viel Frust gesorgt. Mir wurde gesagt, das Lied sei zunächst ein Spaß gewesen. Erst waren es nur ein paar, dann wurden es mehr, die es gesungen haben. Aber das hat sich gegen Köln wieder gedreht, da war die Stimmung top.

Weil die Mannschaft auch endlich mal wieder Fußball spielte...

Ja, das stimmt. Die vielen Stunden auf dem Trainingsplatz haben sich bezahlt gemacht, um die Automatismen im Spiel umzusetzen. Das gibt einem ein gutes Gefühl. Aber ich weiß auch: Es war höchste Zeit, dass wir in Gang kommen.

Sie haben nach der erfolgreichen Relegation gegen Holstein Kiel gesagt, der VfL sei Ihre schwerste Aufgabe gewesen...

Der VfL Wolfsburg im Liga-Vergleich 2017/18

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Die VfL-Zahlen ©

...ja, weil einfach unfassbar viele Dinge verkehrt gelaufen sind. Diese Ansammlung war schon heftig, daher habe ich von meinem schwierigsten Job gesprochen. Ob das Andere anders sehen, das weiß ich nicht. Aber ich denke, ich darf das nach meinen beiden Retter-Geschichten in Stuttgart und in Hamburg so sagen.

Apropos Hamburg: Am Abend vor dem so wichtigen Heimspiel gegen den HSV hatte der VfL die Trennung von Sportdirektor Olaf Rebbe bekanntgegeben. Hat Rebbe Ihnen zum Klassenerhalt gratuliert?

Ja, klar. Er hat mir immer mal wieder geschrieben, nach dem Rückspiel in Kiel haben wir länger telefoniert. Er hat sich bedankt und sich gefreut, dass wir es geschafft haben. Egal, wie es für ihn hier gelaufen ist – er stand und steht dem Verein sehr positiv gegenüber.

Sie selbst haben alles dem Klassenerhalt untergeordnet, haben sich wenig Freizeit gegönnt und bislang in einem Hotel gewohnt. Ziehen Sie jetzt in die eigenen vier Wände und werden echter Wolfsburger?

Stimmt nicht ganz, ich habe hier in einem Appartement gelebt, das war sehr gut. Ich werde mich in den nächsten Tagen und Wochen mal umschauen, ob ich etwas Neues finde. Aber glauben Sie mir: Das ist für mich zweitrangig, wir müssen arbeiten und die neue Saison vorbereiten – das ist für mich das Wichtigste.

Dürfen Sie eigentlich nach dem Abstieg des HSV noch nach Hamburg...?

Ich habe ja mal gesagt: Ich konnte sie nicht aus der Ferne retten... Ich habe den HSV ja einmal gerettet und jetzt habe ich mich entschieden, den VfL zu retten. Das ist gelungen, das ist das Allerwichtigste für mich. Auch in Hamburg haben mir Menschen dazu gratuliert. Ich habe meinen Job in Hamburg gemacht, aber nun ging es nur um den VfL, darum, drinzubleiben. Und das haben wir geschafft.

Wie ist Ihr Gefühl, wenn Sie an die neue Spielzeit denken?

Wir müssen viel arbeiten, sollten ein Stück weit mit Demut und Respekt an die Saison herangehen.

Gönnen Sie sich zuvor noch ein paar Tage Urlaub?

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Ja, das wird so sein, aber geplant ist da noch nichts – zum Leidwesen meiner Familie. Aber der VfL hat jetzt Vorrang, wir müssen arbeiten, arbeiten, arbeiten! Wir sollten nicht zu viel erzählen, sondern machen.