27. August 2021 / 15:19 Uhr

Brust und Rücken: Medaillen-Traum von Bennewitzer Schwimmerin Schott geht weiter

Brust und Rücken: Medaillen-Traum von Bennewitzer Schwimmerin Schott geht weiter

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
26.08.2021, Japan, Tokio: Paralympics: Para-Schwimmen, Finale, Frauen, 200 m Lagen , im Tokyo Aquatics Centre. Verena Schott aus Deutschland freut sich nach dem Wettkampf über ihre Bronzemedaille. Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Verona Schott freut sich nach dem Wettkampf über die Bronzemedaille. © Marcus Brandt/dpa
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Die Bennewitzerin Verena Schott schwimmt bei den Paralympischen Spielen in Tokio überraschend zu Bronze über 200 Meter Lagen. Am Samstag hat die 32-Jährige über 100 Meter Brust und 100 Meter Rücken Chancen auf weiter Medaillen.

Tokio. Aus deutscher Sicht war die Olympiade in Tokio und Sapporo nicht gerade das, was die Sportnation Deutschland erwartet hatte, in diesen Tagen kämpfen Athleten mit körperlichen Beeinträchtigungen bei den Paralympischen Spielen um die begehrten Medaillen in Nippon.

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Paralympische Silbermedaille in London

Mit dabei ist auch die 32-jährige Verena Schott, die in der Gemeinde Bennewitz bei Wurzen aufgewachsen ist. Schott trainierte beim Schwimmclub Wurzen, doch im Jahr 2002 nahm die Entwicklung eine jähe Wende. Auf dem Schulweg zum Wurzener Gymnasium wurden sie und eine Mitschülerin zwischen Pausitz und Schmölen von einem Auto angefahren. Schott hat seit diesem verhängnisvollen Tag eine inkomplette Querschnittslähmung, sitzt im Rollstuhl. Sabine Friedrich, damals Lehrerin am Wurzener Magnus-Gottfried-Lichtwer Gymnasium erinnert sich an Verenas Worte: „Ich mache weiter Schwimmen im Behindertensport und fahre zur Olympiade.“ Friedrich gibt zu, sie war von den Socken und denkt im Nachhinein, dass der Unfall Verena Schott noch stärker gemacht hat. Die Stationen Leipzig, Berlin und Cottbus waren Wegpunkte, um den Traum der gehandicapten Athletin zu verwirklichen.

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Bereits im Jahr 2009 stellten sich erste Erfolge ein, bei den Europameisterschaften zog die junge Nixe fünf Silbermedaillen und zwei Bronzene aus dem Wasser. 2012 dann das Riesending – Verena Schott schwimmt über 200 Meter Lagen zur Silbermedaille bei den Paralympischen Spielen in London, wird für hartes und diszipliniertes Training belohnt.

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2016, bei den Spielen in Rio de Janeiro, reichte es nicht zu einer Medaille – zweimal der verflixte vierte Platz. Schaut man sich jedoch die Medaillenausbeute von Schott an, fallen einem nur die Worte von Reporter-Legende Heinz Florian Oertel ein: „Im Stehen wird die Verneigung tiefer.“

Als Außenseiterin gestartet

Zwischen 2009 und 2019 gewann Schott bei Weltmeisterschaften zweimal Gold, viermal Silber und zweimal Bronze. Dazu gesellten sich von Europameisterschaften zwei Gold-, neun Silber- und neun Bronzemedaillen. Parallel dazu meisterte sie das Studium der Biologie an der Berliner Humboldt Universität, auch Mutter eines kleinen Jungen war Verena in dieser Zeit geworden.

Wenige Tage nach den Wettkämpfen der Athleten ohne Behinderung trafen sich Sportler aus der ganzen Welt, um bei den Paralympischen Spielen um die Medaillen im Land der aufgehenden Sonne zu kämpfen. Im deutschen Aufgebot: Verena Schott, einst das kleine Mädchen aus dem Bennewitzer Ortsteil, das in den letzten Jahren Bahn um Bahn durch die Schwimmbecken zog. Schott, trotz guter Vorlaufzeit als Außenseiterin gestartet, nutzte ihre Chance gleich über 200 Meter Lagen und fischte die Bronzemedaille in Tokio nach 2:59,09 Minuten ab.

Bereits am Samstag steigt Verena Schott erneut ins Becken und kämpft über 100 Meter Brust um die nächste Medaille. Auch über 100 Meter Rücken muss mit ihr gerechnet werden. Der Medaillen-Traum geht weiter.