09. Juni 2021 / 18:29 Uhr

Brych, Kuipers und Co. – Ex-Referee Babak Rafati stellt die Schiedsrichter der EM vor

Brych, Kuipers und Co. – Ex-Referee Babak Rafati stellt die Schiedsrichter der EM vor

Babak Rafati
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-Referee Babak Rafati schaut auf die EM-Schiedsrichter (v. l.): Felix Brych, Björn Kuipers und Cüneyt Cakir.
Ex-Referee Babak Rafati schaut auf die EM-Schiedsrichter (v. l.): Felix Brych, Björn Kuipers und Cüneyt Cakir. © Getty/IMAGO/Future Image (Montage)
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Ex-Schiedsrichter Babak Rafati lobt die Initiative der UEFA, die Spielleitung bei der EM in die Hände erfahrener Referees zu legen. Dennoch sind einige Neulinge dabei – darunter mit Stéphanie Frappart auch die erste Frau.

Die UEFA hat nunmehr 18 Schiedsrichterteams für die EM 2020 bekannt gegeben. Sie werden zuerst in Istanbul und für die letzten drei Finalspiele in London ihr Quartier beziehen. Neu ist, dass aus einigen Nationalverbänden zwei Schiedsrichter nominiert sind, wovon auch Deutschland profitiert. Die UEFA will weg vom Proporz und hin zur Qualitätssteigerung. Dabei sind durchaus Überraschungen dabei. Nur sieben Schiedsrichter haben bereits EM- oder WM-Erfahrung. Die prominentesten sind Björn Kuipers (48), Felix Brych (45) und Cüneyt Cakir (44). Für mich zählen diese drei und Daniele Orsato (45) aus Italien zu den Topfavoriten für die entscheidenden Spiele. Sie pfeifen zudem, wegen der Altersgrenze, ihr letztes Turnier.

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Die weiteren elf Schiris feiern ihr Debüt bei einem großen Turnier. Premiere: Der Argentinier Fernando Rapallini (43) ist im Rahmen eines Austausches mit dem südamerikanischen Fußballverband dabei. Ebenso erstmalig dabei ist eine Schiedsrichterin: Stéphanie Frappart (37) aus Frankreich, die auch schon in der Champions League der Männer und 2019 beim UEFA-Supercup zwischen Liverpool und Chelsea gepfiffen hat. Allerdings ist sie als vierte Offizielle nominiert. Nur im Falle einer Verletzung würde sie einspringen und endgültig Geschichte schreiben.

Brych und Kuipers nur dank Ausnahmeregelung dabei

Aus deutscher Sicht ist der Weltschiedsrichter von 2017, Felix Brych, nominiert. Die Euro 2020 ist sein viertes großes Turnier. Eigentlich hätte er bereits zum Jahresanfang wegen der Altersgrenze aufhören müssen. Allerdings wurde für die EM-Teilnahme für ihn wie auch für seinen niederländischen Kollegen Björn Kuipers die Altersgrenze verlängert. Zwei Ausnahmeschiedsrichter, zwei Ausnahmeregelungen. Absolut berechtigt! Brych genießt bei den UEFA-Verantwortlichen ein großes Ansehen. Er bringt als Rekordhalter von 64 Champions-League-Spielen eine Menge Erfahrung mit.

Der zweite deutsche Schiedsrichter, Daniel Siebert (37), ist eine absolute Überraschung. Er pfeift trotz wenig Erfahrung von nur vier Champions-League-Spielen in drei Jahren sein erstes großes Turnier. Novum: Wie Andreas Ekberg aus Schweden bekam auch er den Vorzug, obwohl er in der zweiten UEFA-Kategorie eingestuft ist. Bisher haben an großen Turnieren ausschließlich Schiedsrichter aus der Elitekategorie teilgenommen. Aus Deutschland wären mögliche Kandidaten aus dieser besonderen Gilde Felix Zwayer, Deniz Aytekin und Tobias Stieler. Sie haben aber in den letzten Jahren die Erwartungen des UEFA-Chefs Roberto Rosetti wohl nicht erfüllen können. Dazu muss man wissen, dass es in der Königsklasse weitaus weniger Spiele für die Schiris gibt als in der Bundesliga. Fehlentscheidungen fallen somit mehr ins Gewicht. Siebert wiederum hat durch gute Leistungen auf der kleinen Bühne in der Europa League überzeugt.

Regeländerungen: Handspiel im Fokus

Regeländerungen werden immer ab 1. Juli eingeführt, wobei diese bei großen Turnieren meist vorgezogen werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die neue Handspielregel bei der EURO 2020 bereits Anwendung finden, auch wenn dies bis heute noch nicht amtlich ist. Dabei soll beim Handspiel die Absicht wieder als entscheidendes Kriterium in den Fokus rücken. Zudem wird bei unabsichtlichem Handspiel mit Torfolge nur noch die Unmittelbarkeit bestraft. Das bedeutet, dass nur noch, wenn der Torschütze zuvor den Ball mit der Hand gespielt hat, strafbares Handspiel vorliegt. Ein Mitspieler kann dafür nicht bestraft werden. Beim Videobeweis bin ich davon überzeugt, dass die UEFA diesen besser als in der Bundesliga umsetzen wird. Motto: Minimaler Einsatz und maximaler Nutzen.

Schiedsrichter-Trainingslager in Istanbul

Mit einem Camp in Istanbul sollte die direkte EM-Vorbereitung für die deutschen Referees Felix Brych und Daniel Siebert beginnen. Alle 19 Turnier-Schiedsrichter trafen sich in der türkischen Stadt am 7. Juni. Die Ansetzungen für die 51 Partien zwischen dem 11. Juni und 11. Juli in den elf Ländern gibt die UEFA kurzfristig bekannt. Für den 45-jährigen Brych aus München ist es der zweite Einsatz bei einer EM nach 2016 in Frankreich, für den neun Jahre jüngeren Berliner Siebert ist es das erste große Turnier als Schiedsrichter. "Ich freue mich sehr für unsere nominierten Schiedsrichter. Es ist eine tolle Auszeichnung für ihre Leistung und harte Arbeit", sagte Deutschlands Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich.


Jurist Brych pfeift seit 2004 in der Bundesliga und ist seit 2007 FIFA-Schiedsrichter. Er bildet bei der EM mit Mark Borsch und Stefan Lupp ein Gespann. Sportwissenschaftler Siebert ist seit 2012 in der Bundesliga unterwegs und leitet seit 2015 internationale Spiele im Seniorenbereich. Er wird von Jan Seidel und Rafael Foltyn an der Seite unterstützt. Als Video-Referees wurden Bastian Dankert, Christian Dingert, Marco Fritz und Christian Gittelmann von der UEFA nominiert.

Alle EM-Schiedsrichter auf einen Blick

Cüneyt Çakır (Türkei), 44 Jahre alt, pfeift seit 2006 international

Carlos Del Cerro Grande (Spanien), 45 Jahre alt, pfeift seit 2013 international

Andreas Ekberg (Schweden), 36 Jahre alt, pfeift seit 2013 international

Orel Grinfeeld (Israel), 39 Jahre alt, pfeift seit 2012 international

Ovidiu Alin Hategan (Rumänien), 40 Jahre alt, pfeift seit 2008 international

Sergei Karassjow (Russland), 41 Jahre alt, pfeift seit 2010 international

István Kovács (Rumänien), 36 Jahre alt, pfeift seit 2010 international

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Björn Kuipers (Niederlande), 48 Jahre alt, pfeift seit 2006 international

Danny Makkelie (Niederlande), 38 Jahre alt, pfeift seit 2011 international

Antonio Miguel Mateu Lahoz (Spanien), 44 Jahre alt, pfeift seit 2011 international

Michael Oliver (England), 36 Jahre alt, pfeift seit 2012 international

Daniele Orsato (Italien), 45 Jahre alt, pfeift seit 2010 international

Artur Manuel Ribeiro Soares Dias (Portugal), 41 Jahre alt, pfeift seit 2010 international

Daniel Siebert (Deutschland), 37 Jahre alt, pfeift seit 2015 international

Anthony Taylor (England), 42 Jahre alt, pfeift seit 2013 international

Clément Turpin (Frankreich), 39 Jahre alt, pfeift seit 2009 international

Slavko Vinčić (Slowenien), 41 Jahre alt, pfeift seit 2010 international

Fernando Rapallini (Argentinien), 43 Jahre alt, pfeift seit 2014 international