08. Juni 2020 / 09:12 Uhr

BSG Chemie fordert rasche Aussage über kommende Saison - "Zustand unerträglich"

BSG Chemie fordert rasche Aussage über kommende Saison - "Zustand unerträglich"

Britt Schlehan und Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Der Fanblock der BSG Chemie ist stets gut gefüllt, bei Heimspielen wie hier und auch auswärts.
Wie die neue Saison aussehen wird/kann, ist auch für die Fans der BSG Chemie noch völlig unklar. © Archiv
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Die Regionalliga-Saison wurde abgebrochen, der Meister steht fest. Was nach wie vor völlig unklar ist: Wie (und wann) geht es nach der Sommerpause weiter? Die BSG Chemie Leipzig fordert eine rasche Klärung. Weitere 13 Wochen Ungewissheit sind für die Leutzscher nicht hinnehmbar.

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Leipzig. Nach der Entscheidung des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOF), die Saison in der Regionalliga Nordost abzubrechen, herrscht auch bei der BSG Chemie Leipzig Erleichterung. Vorstandsvorsitzender Frank Kühne freut sich, dass endlich Klarheit herrscht, kritisiert aber auch: „Die späte Entscheidung des Verbandes war nicht gut, die Vereine hingen sehr lange in der Luft. Aber jetzt wissen wir erst einmal, wo die Reise hingeht.“

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Planungssicherheit herrscht nun zwar für die Spielklasse, in der Chemie auch sportlich nie auf einem Abstiegsplatz stand. Doch nun dürfe es nicht wieder so lange dauern bis zur nächsten Entscheidung, die ebenso wichtig sei wie die soeben gefallene: „Jetzt erwarten wir eine rasche Aussage über die kommende Saison. Der jetzige Zustand ist unerträglich, die Verträge laufen aus, niemand weiß, wie es weitergeht. Da muss schleunigst Klarheit her.“

Mehr zur BSG Chemie

Bis zur Abbruch-Entscheidung am Freitagabend, die für den Lokalrivalen 1. FC Lok mit dem Meistertitel verknüpft war, lagen 13 Wochen Warten und Ungewissheit hinter den 18 Vereinen der Liga. Der NOFV gab im Verlauf dieser Zeit nicht immer eine gute Figur ab – ein paar ausgewählte Entscheidungen, Maßnahmen und Reaktionen der letzten Monate.

7./ 8. März: 25. Spieltag der Regionalliga

Die VSG Altglienicke übernimmt nach dem Sieg gegen die BSG Chemie mit 47 Punkten aus 23 Spielen die Tabellenführung. Bereits als Herbstmeister führte die VSG die Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung auf Energie Cottbus auf Platz 2 und Lok Leipzig auf Platz 3.


12. März: Mitteilung des NOFV

Nach seiner Beratung am Vortag gibt der NOFV Hinweise zum Umgang mit dem Coronavirus bekannt. Unter anderem können bei Spielausfällen "Heimvereine in begründeten Fällen kostenlose Anträge / Spielverlegung beim Spielleiter stellen, die der Verband wohlwollend prüft". Zudem können die Vereine die Verringerung der Zuschauerzahl anstreben, müssen dabei aber beachten, dass die Gastmannschaft zehn Prozent des Kartenkontingents erhält. Bei Geisterspielen müssen keine Spielabgaben an den Verband gezahlt werden. Spieler, die am Coronavirus erkrankt sind, sollen "in Hausarrest gesetzt" werden. Die Tatsache soll zu keiner Spielabsetzung führen. Weiterhin empfiehlt der Verband den Vereinen "auf Handshake zu verzichten". Eine weitere Entscheidung soll am 30. März gefällt werden.

Die Ultras der BSG protestieren gegen diese Verlautbarungen und fordern den sofortigen Abbruch der Saison sowie einen Verzicht auf Geisterspiele.

13. März: Offizielle Stellungnahme der BSG Chemie

Die BSG bittet um die Verlegung der nächsten Spiele auf das Saisonende. Weiterhin schreiben die Grün-Weißen: "Appellierend an die Gesundheit aller Spieler, Mitwirkenden und Fans und die wirtschaftliche Existenz der Vereine fordert die BSG Chemie Leipzig den NOFV und seine Entscheidungsträger auf, die Interessen der Gesellschaft und des Volkssports Fußball mit größtem Engagement und allen Möglichkeiten zu vertreten. Fußball wird für Fans im Stadion gespielt. Vereine leben hierfür und davon. Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit dienen ausschließlich egoistischen Belangen. Diese so genannten Geisterspiele sind der Anfang vom Ende der Idee des Fußballs. Für die BSG Chemie Leipzig und ihre Fanszene sind sie nicht akzeptabel."

18. März: Nutzungsverbot von Sportstätten

Nur in "besonders begründeten Ausnahmefällen" können Vereine beim Gesundheitsministerium eine Aufhebung erwirken, explizit ausgeschlossenen von der Regelung sind Vereine der Regionalliga. Der NOFV setzt den Spielbetrieb bis einschließlich 19. April aus.

2. April: Stellungnahme des NOFV

Sie schließt mit der Feststellung: "Zum jetzigen Zeitpunkt wollen und sollten wir einer Spielfortsetzung (wann auch immer) den Vorrang gegenüber einem Saisonabbruch einräumen." Einen Tag später verkündet der Verband die Aussetzung des Spielbetriebs bis auf Weiteres.

16. April: Konferenz der Vereine der Regionalliga Nordost

Laut NOFV fand dabei ein "konstruktiver Dialog zwischen Verband und Vereinen statt". Geschäftsführer Holger Fuchs äußert sich mit den Worten: "Es bringt nichts, jetzt zu spekulieren. Es gibt viele verschiedene Szenarien, die einfach diskutiert werden müssen." Die Stellungnahme beschreibt ein "geteiltes Meinungsbild unter den Vereinen. Die Mehrheit spricht sich für die sportliche Entscheidung des Wettbewerbes aus, allerdings unter der Zielsetzung, die Meisterschaft zeitnah, nach Möglichkeit bis zum 30. Juni 2020, zu beenden. Eine Fortführung der Saison mit Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit sei für eine Mehrzahl der Vereine schwer zu realisieren."

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Mehr aus der Regionalliga

Der NOFV denkt mit Hilfe des MDR/RBB über "eine Liveübertragung in Form von Livestreams aller Spiele der Regionalliga Nordost“ nach. Laut Verband eine Win-Win-Situation, denn „so hätten die Fans die Gelegenheit, die Spiele live auf der Homepage ihres Vereins zu erleben. Für die Vereine könnten dadurch weitere Einnahmequellen generiert werden". "Der NOFV, der MDR/RBB und die Vereine werden dieses Projekt weiterverfolgen und konkretisieren.“

17. April: Rathenow und Babelsberg widersprechen dem NOFV

Optik-Trainer Ingo Kahlisch erklärte: „Die Mehrheit der Vereine sprach sich für einen Abbruch der Saison aus, weil schon gar keine gesetzliche Grundlage für eine Fortsetzung gegeben ist. Halberstadt, der BFC Dynamo, Chemie Leipzig und viele weitere Vereine sind der gleichen Meinung wie wir.“

21. April: Beginn Kleingruppentraining bei Energie Cottbus

Als erster Verein der Regionalliga Nordost beginnt die Mannschaft dank einer Ausnahmegenehmigung der Stadt Cottbus mit dem Training. Dies ruft unmittelbar Kritiker auf den Plan. Unter anderem drückt der SV Babelsberg 03 seine "Sorge um einen fairen Wettbewerb" aus.

Anfang Mai

Wie soll bei einem Saisonabbruch der Meister ermittelt werden? Ein neuer Vorschlag: ein Final-Four-Turnier um die Relegation für die 3. Liga mit der VSG Altglienicke, Lok Leipzig, Energie Cottbus und Hertha II am 30.5. in Erfurt.

Mehr aus der Regionalliga

8. Mai: Die Quotientenregel

NOFV-Präsident Erwin Bugár bringt die Quotientenregel bei einem MDR-Interview ins Spiel. Damit würde Lok als Kandidat für das Relegationsspiel gegen den Sieger der Regionalliga West feststehen.

4. Juni: Ein weiterer Vorschlag

Der Präsident der VSG Altglienicke schlägt in der Berliner Zeitung ein Spiel der seines Clubs gegen Lok um die Tabellenspitze vor.

5. Juni: Präsidiumssitzung des NOFV

Im Vorfeld durften die 18 Ligavereine ihr Votum über den weiteren Verlauf der Regionalliga abgeben. NOFV-Präsident Erwin Bugár erklärte gegenüber der Lausitzer Rundschau, dass deren Votum nicht ausschlaggebend für die Entscheidung der 15 stimmberechtigten Mitglieder sei, aber wichtig als ergänzendes Meinungs- und Stimmungsbild. Das Final-Four-Turnier, das vor allem Energie Cottbus favorisiert, ist keine Option mehr. Der NOFV entscheidet sich schließlich für die Quotientenregelung, die Lok Leipzig für die Relegation gegen den Kandidaten der Weststaffel, SC Verl, vorsieht.