20. Oktober 2019 / 23:46 Uhr

BSG Chemie Leipzig belohnt sich nach klasse Vorstellung letztlich leider nicht

BSG Chemie Leipzig belohnt sich nach klasse Vorstellung letztlich leider nicht

Tom Rietzschel
SPORTBUZZER-Nutzer
Chemie-Kapitän Stefan Karau (links) im Laufduell mit Energie-Angreifer Felix Brügmann USER-BEITRAG
Chemie-Kapitän Stefan Karau (links) im Laufduell mit Energie-Angreifer Felix Brügmann © Christian Donner
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Die Leutzscher liefern beim Drittliga-Absteiger einen offenen Kampf – und fahren nach der 1:2-Niederlage dennoch mit leeren Händen nach Hause

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Cottbus. So grausam kann Fußball sein. Regionalliga-Aufsteiger BSG Chemie Leipzig lieferte beim Staffelfavoriten und Drittliga-Absteiger FC Energie Cottbus über die komplette Spielzeit einen erbitterten Fight, indem die Mannschaft defensiv zu überzeugen wusste und weiterhin auch mutig nach vorn spielte. Doch nach Abpfiff schlichen die Schützlinge von Trainer Miroslav Jagatic mit hängenden Köpfen vom Platz – die Enttäuschung über die knappe 1:2 (0:0)-Niederlage stand jedem einzelnen Leutzscher Akteur förmlich ins Gesicht geschrieben. Richtig nah war man an einer Überraschung dran, doch letztlich vergaß die Mannschaft sich für diesen couragierten Auftritt selbst zu belohnen. Ein Unentschieden wäre mit Sicherheit das gerechtere Ergebnis gewesen, diesen einen Punkt hätten sich die Grün-Weißen aufgrund ihrer klasse Vorstellung auch verdient gehabt. Doch letztlich fuhren die Chemiker leider mit leeren Händen nach Hause – Aufwand und Nutzen standen aus Leutzscher Sicht diesmal leider in keinem Verhältnis zueinander. Ein Vorwurf kann der Mannschaft nicht im Geringsten gemacht werden, ganz im Gegenteil. Mit einer sehr guten Mannschaftsleistung lieferte man dem großen Favoriten alles ab und brachte Energie Cottbus vor über 8.000 Zuschauern gehörig ins Wanken. Selbstverständlich überwiegt erst einmal die Enttäuschung über die hauchdünne Niederlage, nichtsdestotrotz hat die Mannschaft erneut positiv von sich reden gemacht und sich wiederum gegen ein Top-Team der Regionalliga von ihrer besten Seite präsentiert. Für diesen Aspekt gibt es natürlich leider keine Punkte, doch hat die Elf in Cottbus eindrucksvoll bewiesen, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Nach dem 2:0 (1:0)-Derbysieg über den 1. FC Lokomotive Leipzig und dem 3:0 (1:0)-Pokalerfolg bei Budissa Bautzen traten die Leutzscher auch in Cottbus von Beginn an äußerst selbstbewusst auf. Zwar strich zu Beginn ein Schuss von Moritz Broschinski knapp am BSG-Gehäuse vorbei (6.), doch insgesamt wurden die Platzherren in ihrer schwungvollen Startphase kaum zwingend. Als Manuel Wajer wenig später nach einer flachen Eingabe von Berkan Taz im letzten Moment vor dem einschussbereiten Tobias Eisenhuth klärte (10.), war die Anfangsoffensive der Gastgeber bereits beendet. Zwar hatte Energie in der Folgezeit auch weiterhin erwartungsgemäß mehr Ballbesitz zu verzeichnen, doch arbeiteten sich die Chemiker immer mehr in die Begegnung hinein. Durch ein sehr laufintensives Spiel konnten die Leutzscher die Brandenburger immer wieder weit vom eigenen Tor fernhalten und nach Ballgewinnen oftmals schnell nach vorn spielen. Die erste Duftmarke setzte Tomáš Petráček, der nach gutem Zuspiel von Daniel Heinze aus spitzem Winkel an Toni Stahl im Cottbusser Gehäuse scheiterte (15.). Wenig später brachte Marcel Hoppe, nach einer Cvijetkovic-Eingabe, die Kugel nicht weit genug aus der Gefahrenzone, doch strich der folgende Hinterhaltsschuss von Benjamin Boltze haarscharf am Energie-Kasten vorbei (18.).

Jagatic-Elf bietet dem Favoriten Paroli

Die Jagatic-Elf war nun absolut auf Betriebstemperatur – läuferisch gingen alle Akteure an die Grenzen, keinem Zweikampf gingen die Grün-Weißen aus dem Weg. Cottbus mühte sich zwar im Spiel nach vorn, doch biss sich der Vorjahres-Drittligist an der kompakten Leutzscher Hintermannschaft immer wieder die Zähne aus. Gefährlich wurden die Gastgeber einzig nach einer Hoppe-Flanke, doch verfehlte Routinier Dimitar Rangelov per Kopf das Ziel (27.). Ansonsten ließen die Chemiker nichts zu, so dass sich auf der Haupttribüne so langsam eine gewisse Unzufriedenheit über die Darbietung der eigenen Elf breitmachte. Immer wieder gelang es den Gästen jeglichen Spielfluss der Gastgeber bereits im Keim zu ersticken, so dass vor dem Tor von Benjamin Bellot recht wenig passierte. Die Ausnahme war ein Kopfball von Marcel Hoppe nach vorheriger Broschinski-Flanke, doch warf sich Benjamin Boltze waghalsig in die Flugbahn und verhinderte drohendes Ungemach (42.). Auf der Gegenseite setzte der Außenseiter kurz vor dem Pausenpfiff einen weiteren Nadelstich, als Tomáš Petráček von der Strafraumgrenze beherzt abzog – Energie-Schlussmann Toni Stahl sich jedoch auf dem Posten zeigte (45.). So endeten die ersten 45 Minuten torlos – ein Zwischenstand, welchen nicht viele den Leutzschern zur Halbzeit zugetraut hatten.

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Auch im zweiten Durchgang setzte sich die couragierte Vorstellung der Chemiker fort, in welcher man im Offensivspiel nun sogar deutlich mutiger agierte. Nach einem Ballgewinn von Andy Wendschuch schickte Raffael Cvijetkovic den rechtzeitig startenden Tomáš Petráček auf die Reise, doch setzte der Tscheche sein Visier beim Torabschluss etwas zu hoch an (51.). Vier Minuten später liefen die Leutzscher jedoch in einen verhängnisvollen Konter, der die Stimmung beim Cottbusser Anhang blitzschnell umschlagen ließ. Nach einem abgewehrten Boltze-Freistoß schalteten die Brandenburger blitzschnell um und erwischten die Chemiker zum ersten Mal auf dem falschen Fuß. Über die Stationen Orhan Yildirim und Moritz Broschinski gelangte Jonas Zickert in verheißungsvolle Schussposition und ließ Benjamin Bellot von der Strafraumgrenze nicht die Spur einer Chance – 1:0 (55.).

Doch wer nun dachte, dass die Partie fortan die erwartete Richtung einschlagen würde, musste sich eines Besseren belehren lassen. Die Elf von Trainer Miroslav Jagatic zeigte sich vom Rückstand unbeeindruckt, mit den Einwechslungen von Max Keßler und Tommy Kind verstärkte der Coach fortan die eigenen Offensivbemühungen. Und diese personellen Änderungen im Team griffen sofort, mit gut vorgetragenen Angriffen war man dem sofortigen Ausgleichstreffer durchaus nah. So glänzte Toni Stahl zunächst nach einem Schuss von Daniel Heinze (59.), anschließend rettete der Energie-Schlussmann per Blitzreflex nach einem Versuch von Tomáš Petráček, als dieser das Streitobjekt vom Cottbusser Innenverteidiger Robert Müller quasi auf dem Silbertablett serviert bekam (60.). Die BSG wurde in der Folgezeit immer frecher, langsam machte sich wieder deutlicher Unmut unter den Heim-Fans breit. Nach einem sehr guten Spielzug über Tomáš Petráček und Tommy Kind hatte Max Keßler den Ausgleich auf dem Stiefel, doch trudelte sein Schuss knapp am langen Eck vorbei (66.). Wenig später war es dann jedoch soweit – mehr als verdient kamen die Leutzscher zum Ausgleichstreffer. Nach einer langgezogenen Flanke von Florian Schmidt setzte sich Tomáš Petráček zunächst gegen Marcel Hoppe durch und legte die Kugel im Anschluss auf den besser postierten Max Keßler zurück – fulminant schlug dessen Schuss zum 1:1 im oberen Eck ein (69.).

Auf den umjubelten Ausgleich folgt der Nackenschlag

Allerdings währte die Leutzscher Freude über den Ausgleichstreffer nicht allzu lange. Einen Freistoß vor der Strafraumgrenze zog Berkan Taz sehenswert über die Abwehrmauer der Fünfeckträger – Benjamin Bellot war zwar noch am Ball, doch konnte er den erneuten Führungstreffer der Cottbusser nicht verhindern (75.). Doch auch nach diesem Nackenschlag bäumten sich die Grün-Weißen nochmals auf, mit Elvir Ibiševic brachte Coach Jagatic einen dritten Stürmer. Und eben jener bosnische Neuzugang besaß die vielversprechende Möglichkeit zum abermaligen Ausgleich, als er eine Flanke von Tommy Kind nur hauchzart verpasste (79.). Cottbus war noch lange nicht im Ziel, auch wenn sich die Kontergelegenheiten für die Platzherren fortan häuften. Nachdem ein Schuss von Dimitar Rangelov nach vorheriger Brügmann-Flanke im letzten Moment abgeblockt wurde, gelangte die Kugel genau in den Lauf von Moritz Broschinski, der mit einem fulminanten Schuss nur die Lattenunterkante traf (82.). Fünf Minuten später hätte abermals Broschinski für die endgültige Entscheidung sorgen können, doch nach guter Vorarbeit von Jonas Zickert fehlte es hier an der nötigen Feinjustierung (87.). Somit blieben die Leutzscher im Spiel, welche bis zum Ende immer an den Auswärtspunkt glaubten. Und genau diese eine große Möglichkeit sollte aus BSG-Sicht noch folgen, als man den Cottbusser Fans den letzten Atemzug raubte. Sehr gut von Tommy Kind eingeleitet, besaß Tomáš Petráček die Riesenchance zum 2:2, doch konnte er aus spitzem Winkel Energie-Keeper Toni Stahl nicht überwinden (85.). Der Favorit überstand diese Situation ohne größeren Schaden, die Leutzscher schlugen im Anschluss daran enttäuscht die Hände über den Kopf zusammen.

So blieb es letztlich beim knappen 2:1 (0:0)-Heimsieg des FC Energie Cottbus gegen eine Chemie-Elf, die aufgrund der Leistung definitiv mehr verdient gehabt hätte. Ein Punkt war absolut im Bereich des Möglichen, deshalb ist letztlich die Niederlage umso ärgerlicher. Nichtsdestotrotz kann man im Leutzscher Lager absolut stolz auf die Mannschaft sein. Dieser Auftritt beim Titelfavoriten macht absolut Lust auf die kommenden Aufgaben! Sollte die Jagatic-Elf diese Leistung in den kommenden Wochen und Monaten konservieren können, ist der Klassenerhalt der BSG Chemie ein absolut reelles Ziel.

Cottbus: Stahl – Zickert, Müller, Koch, Hoppe – Erlbeck, Eisenhuth (ab 46. Yildirim) – Broschinski, Rangelov, Taz (ab 77. N. Geisler) – Brügmann (ab 90. Beyazit) – Trainer: Wollitz

BSG Chemie: Bellot – Boltze, Karau, B. Schmidt, Wajer – F. Schmidt (ab 77. Ibiševic), Nikolajewski (ab 58. Kind), Wendschuch, Cvijetkovic (ab 54. Keßler) – Heinze, Petráček – Trainer: Jagatic

Schiedsrichter: Markhoff (Rostock) – Schiedsrichter-Assistenten: Allwardt (Kritzmow), Strübing (Röbel)

Tore: 1:0 Zickert (55.), 1:1 Keßler (69.), 2:1 Taz (75.)

Gelbe Karten: Erlbeck (Foulspiel – 45.+1) – Wendschuch (Foulspiel – 62.), Keßler (Foulspiel – 64.), Petráček (Foulspiel – 82.)

Reservebänke: Moser (Tor), Meyer, Raak – Latendresse-Levesque (Tor), Felgenträger, Schubert, Krahl

Zuschauer: 8.102 im Stadion der Freundschaft zu Cottbus

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