04. Juni 2019 / 07:34 Uhr

Nach dem Aufstieg der BSG Chemie: "Wir werden ein reiner Amateurverein bleiben"

Nach dem Aufstieg der BSG Chemie: "Wir werden ein reiner Amateurverein bleiben"

Uwe Köster
Leipziger Volkszeitung
BSG-Vorstandschef Frank Kühne im Freudentaumel. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über Ziele und Perspektiven des Vereins.
BSG-Vorstandschef Frank Kühne im Freudentaumel. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über Ziele und Perspektiven des Vereins. © Picture Point
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Euphorie bei Chemie Leipzig: Als Meister der Südstaffel der NOFV-Oberliga gelang den Leutzschern der angestrebte Wiederaufstieg in die Regionalliga Nordost vorzeitig. Wie geht es nun weiter im Alfred-Kunze-Sportpark? Vorstandsvorsitzender Frank Kühne spricht im SPORTBUZZER-Interview über die Ziele und Perspektiven des Vereins.

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Chemie ist am Sonntag aufgestiegen, Sie haben bei der Mitgliederversammlung vorige Woche ein Rekordergebnis verkündet, Geld ist da – sind Sie rundum zufrieden und glücklich?

Naja, im Geld schwimmen wir nicht gerade. Aber es stimmt schon, wirtschaftlich und sportlich sind wir zufrieden. Natürlich geht immer noch mehr und immer noch was nach oben.

Gibt es denn aktuell Probleme?

Probleme gibt es immer. Wenn es läuft, dann ändert sich nur manchmal die Wahrnehmung. Aus kleinen Problemen werden dann große. Aber ich denke, dass wir als Verein bisher alle Probleme super gelöst haben. Ich hoffe, das bleibt auch so.

JETZT Durchklicken: Die BSG Chemie Leipzig steigt nach dem 2:1 gegen den FC Eilenburg in die Regionalliga auf!

Riesen-Jubel in Leutzsch: Die BSG Chemie Leipzig steigt nach dem 2:1 gegen den FC Eilenburg in die Regionalliga auf! Zur Galerie
Riesen-Jubel in Leutzsch: Die BSG Chemie Leipzig steigt nach dem 2:1 gegen den FC Eilenburg in die Regionalliga auf! ©
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Vor zwei Jahren ist Chemie auch aufgestiegen. Die Euphorie war groß und dann folgte doch der Abstieg. Was haben Sie daraus gelernt? Was wollen Sie diesmal anders machen?

Man muss es ehrlich sagen, dass damals niemand damit gerechnet hat, dass wir aufsteigen. Wir selbst ja auch nicht. Wir waren selbst Aufsteiger und hatten das klare Ziel, in der Oberliga zu bestehen. Dann sind wir aufgestiegen. Was Regionalliga bedeutet, auch was die Regionalliga finanziell bedeutet, da hatten wir überhaupt keine Erfahrung. Dann ist uns auch noch in der Vorbereitung die ganze Mittelfeldachse mit Paul, Bunge und Bury verletzungsbedingt weggebrochen. Das konnten wir auf die Schnelle hin nicht kompensieren. Im Winter haben wir nachjustiert. Am Ende wurden wir wegen der Misswirtschaft zweier anderer Vereine noch bestraft. Das war extrem ärgerlich. Wir haben vernünftig gewirtschaftet und wurden bestraft. Es kam also viel zusammen.

Ist Chemie auf die Regionalliga jetzt besser vorbereitet?

Ja, denn wir wissen was uns erwartet. Wir kennen jetzt die Regionalliga. Wir wissen auch, dass mindestens 80 Prozent unserer Konkurrenten unter Profibedingungen arbeiten. Was wir jedoch noch nicht machen werden. Wir werden ein reiner Amateurverein bleiben.

Ist der Profifußball perspektivisch auch ein Ziel?

Perspektivisch müssen wir uns erst einmal zwei, drei Jahre in der Regionalliga etablieren. Über etwas anderes brauchen wir noch gar nicht zu reden. Denn der nächste Schritt ist natürlich ein Riesenschritt, das kann man mit Oberliga – Regionalliga überhaupt nicht vergleichen. Das bedarf einer sehr guten Vorbereitung, um da keinen Schiffbruch zu erleiden. 70 Prozent der Vereine in der dritten Liga arbeiten ja wirklich auf Kante. Das wollen wir nicht.

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Also lieber eine Liga tiefer spielen, aber vernünftig wirtschaften?

Ja. So wie es Union Berlin gemacht hat, Das ist für mich ein gutes Beispiel. Stück für Stück haben die sich nach vorne gearbeitet, die kamen auch aus der vierten Liga. Oder Fortuna Düsseldorf, die jüngst bei uns zu Gast waren. Auch die haben sich ganz langsam und sehr vernünftig aus der vierten Liga hochgearbeitet.

Apropos wirtschaftliche Vernunft: Sie haben letztes Jahr trotz des Abstiegs Gewinne gemacht. Wohin fließt das Geld?

Jeder, der den Alfred-Kunze-Sportpark kennt, weiß, dass dort viel liegen geblieben ist. Aber das Areal ist nicht unser Eigentum, es gehört der Stadt.

Ist der Erbbaupacht-Vertrag noch nicht abgeschlossen?

Nein, noch nicht. Aktuell ist das Stadion ja noch nicht vermietbar. Erst wenn alle Medien, die unter der Erde liegen, modernisiert und angeschlossen sind, dann ist es vermietbar. Die 2,3 Millionen Euro, die wir dafür vom Bund bekommen, helfen da natürlich sehr.

JETZT Durchklicken: Die Stimmen zum Aufstieg der BSG Chemie Leipzig!

Miroslav Jagatic (BSG Chemie Leipzig): Glückwunsch an uns alle. Das war ein Gemeinschaftswerk. An alle ein dickes Dankeschön. So geile Fans, so eine geile Mannschaft. Respekt auch an Eilenburg. Es wäre nicht Chemie, wenn es nicht immer so spannend wäre. Heute pusten wir durch, morgen ist fei. Aber dann beginnt auch wieder die Arbeit. Zur Galerie
Miroslav Jagatic (BSG Chemie Leipzig): "Glückwunsch an uns alle. Das war ein Gemeinschaftswerk. An alle ein dickes Dankeschön. So geile Fans, so eine geile Mannschaft. Respekt auch an Eilenburg. Es wäre nicht Chemie, wenn es nicht immer so spannend wäre. Heute pusten wir durch, morgen ist fei. Aber dann beginnt auch wieder die Arbeit." ©

Wann sollen die Arbeiten denn beginnen?

Die Planungen laufen schon, dank des ersten Geldes von der Stadt (350. 000 Euro, d.Red.). Bis 2022 soll alles unter der Erde sein, 2020 soll es losgehen.

Wie sieht es beim Flutlicht aus?

Wir haben dafür bis jetzt 180 .000 Euro eingesammelt.

Wie viel Geld genau wird gebraucht?

Das wissen wir noch nicht. Ein Planungsbüro beschäftigt sich damit. Wir haben auch schon eine Bauvorabfrage abgegeben. Jetzt kommt die Tippeltappeltour. Die ganzen Ämter müssen einbezogen werden. Dann gibt es eine Ausschreibung. Es gibt drei Modelle. Dann entscheiden die Fans, welches Modell umgesetzt wird.

DURCHKLICKEN: Das Flutlicht-Benefizspiel gegen Fortuna Düsseldorf

Ein Bundesligist gab sich am 22. Mai die Ehre im Alfred-Kunze-Sportpark. Fortuna Düsseldorf war zu Gast bei der BSG Chemie. Die Partie stiegt im Rahmen der Aktion Flutlicht für Leutzsch. Zur Galerie
Ein Bundesligist gab sich am 22. Mai die Ehre im Alfred-Kunze-Sportpark. Fortuna Düsseldorf war zu Gast bei der BSG Chemie. Die Partie stiegt im Rahmen der Aktion "Flutlicht für Leutzsch". © Christian Modla

Die Zielzeit?

Dieses Jahr wird es noch einen großen Höhepunkt geben, wo noch eine Menge Flutlicht-Geld in die Kasse kommt. Das wird eine riesencoole Geschichte.

Jetzt machen Sie uns neugierig.

Ich kann und will nicht mehr verraten, erst muss alles in trockenen Tüchern sein. Dieses Jahr wollen wir die 200. 000 Euro knacken. Nächsten Jahr wissen wir dann genau, wie viel wir genau benötigen. 2021/22 könnten dann die Masten stehen.

Die Ausnahmegenehmigung des NOFV ...

... läuft noch diese und nächste Saison. Selbst wenn das Flutlicht dann noch nicht möglich ist, musst du eben 300 oder 400 Euro Strafe bezahlen.

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Zurück zum Sport. Der im Winter verpflichtete Trainer Miroslav Jagatic hat seine Mission erfüllt. Wie zufrieden sind Sie mit seiner Arbeit?

Die Arbeit eines Trainers inhaltlich zu bewerten ist immer schwierig. Es gibt einen Trainer und es gibt ein Ergebnis nach der Saison. Und danach wird ein Trainer bewertet. Insofern ist ganz klar: Mission erfüllt, er hat alles richtig gemacht.

Ist es eigentlich eher ein leichter oder schwerer Job, bei Chemie Leipzig Trainer zu sein?

Wer zu Chemie kommt, hat einen Riesenvorteil. Er findet eine geile Truppe und ein geiles Umfeld vor. Und dann natürlich mit diesen Fans im Hintergrund, die sind noch ein zusätzlicher Bonus. Das ist die halbe Miete. Das macht vieles einfacher.

Wie viele neue Leute braucht die Mannschaft noch für die Regionalliga?

Ich denke, dass wir noch vier bis fünf Verstärkungen benötigen, um den Verbleib in der Regionalliga zu ermöglichen.

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Was ist die Perspektive von Chemie Leipzig, langfristig gedacht? Irgendwann einmal 3. Liga?

Es ist vermessen, jetzt darüber zu reden. Die Regionalliga ist für uns im Moment, nach unserer ganzen Entwicklung, die richtige Liga. Uns dort zu halten, die nächsten zwei, drei Jahre, das ist das Ziel.

Und dann?

Die Zeit ist schnelllebig. Gerade bei so einem Verein wie wir, die wir entweder gegen den Abstieg oder um den Aufstieg spielen. Bei uns gibt es kein Mittelding. Auch in der Regionalliga wird das so sein. Da kann man auch schnell in die Situation kommen, über höhere Ziele nachzudenken. Aber jetzt schon darüber nachzudenken, das lohnt sich nicht. Wir freuen uns erst einmal über den Aufstieg. Und ich freue mich riesig.

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