11. Mai 2020 / 09:03 Uhr

BSG Chemie Leipzig plant Museum in der historischen Tribüne

BSG Chemie Leipzig plant Museum in der historischen Tribüne

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Eines der geplanten Ausstellungsstücke im Chemie-Museum: Ein altes Preisschild.
Eines der geplanten Ausstellungsstücke im Chemie-Museum: Ein altes Preisschild. © Jens Fuge
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Fußball-Regionalligist BSG Chemie Leipzig hat ein echtes Mehr-Generationen-Projekt angeschoben. Mit der Sanierung der alten Tribüne soll auch ein Museum entstehen - mit Exponaten aus mehreren Jahrhunderten, die Jung und Alt verbinden. Dafür recherchiert und arbeitet ein Team aus grün-weißen Fans.

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Leipzig. Meistermedaillen der BSG Chemie, Wimpel aus der Tura-Zeit, Trikots vom FC Sachsen, Fahnen, Fankutten, Programmhefte – mehr als 2000 Exponate umfasst die Sammlung, um die sich das neue Vereinsteam Museum/Archiv kümmert. Ziel ist, die Exponate eines Tages wieder auszustellen – am liebsten in der alten Tribüne. Denn die soll bis 2030 saniert und wieder in altem Glanz präsentiert werden.

„Das ist das emotionale Herz unseres Stadions“

„Es ist faszinierend, derart alte Gegenstände in der Hand zu halten, die vor Jahrzehnten schon eine Rolle gespielt haben und vielen Menschen etwas bedeuten“, sagt Lissy. Sie ist 18 Jahre alt und gehört zur jüngsten Generation, die sich für den grün-weißen Fußball begeistert. Wie die meisten ihrer jungen Mitstreiter engagiert sie sich seit Jahren für Chemie. Auch gestandene Alt-Chemiker gehören zum Team, wie der ehemalige Mannschaftsleiter Henning Neidhardt (71). Ihre Erfahrungen beim Bewerten und Einordnen der Gegenstände sind unerlässlich. Ein Mehr-Generationen-Projekt sozusagen.

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Es gibt viel zu tun im Alfred-Kunze-Sportpark. Die Stadt Leipzig will mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket für den Erhalt der traditionsreichen Spielstätte der BSG Chemie Leipzig sorgen. Zur Galerie
Es gibt viel zu tun im Alfred-Kunze-Sportpark. Die Stadt Leipzig will mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket für den Erhalt der traditionsreichen Spielstätte der BSG Chemie Leipzig sorgen. © André Kempner

Dass es 1999 anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Leutzscher Fußballs bereits ein Museum gab, wussten die jungen Leute lange Zeit nicht. Dass die Ausstellungsstücke sicher aufbewahrt wurden, stößt auf Begeisterung. Denn damit ist der Grundstock gelegt für eine Ausstellung. Diese soll in der altehrwürdigen Holztribüne zu sehen sein. „Das ist das emotionale Herz unseres Stadions, da gehört so etwas hinein. Vielleicht mit einem Fanshop“, wünscht sich Alex (22). Dass das noch ein weiter Weg ist, ist den Hobby-Historikern klar, doch träumen und planen sind erlaubt.

Fankutten aus vier Jahrzehnten

Das Team ist sehr aktiv. Zuerst wurde gesichtet, fotografiert, sind Listen erstellt, Archivnummern vergeben worden. Eine zeitraubende Arbeit, die aber Spaß machte und eine Portion Ehrfurcht vor der Geschichte des Vereins hervorbrachte. „Vieles wird lebendig, wenn man Alfred Kunzes Meistermedaille oder die Fußballschuhe von Bernd Bauchspieß in der Hand hält“, findet Lissy. Erhalten sind die Meistermedaillen 1951 und 1964 mitsamt Urkunden und Pokal, die Kopien des FDGB-Pokals von 1966, der gesamte Nachlass von Meistertrainer Kunze, Programmhefte und Pokale.

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01.12.1984: Oberligaderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig. Endstand 4:0. Im Bild: P. Schöne. Zur Galerie
01.12.1984: Oberligaderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig. Endstand 4:0. Im Bild: P. Schöne. © LVZ

Bretter der alten Tribüne, der abgebrochene Fuß der Betonfigur „Schere“ oder ein altes Schild vom Leutzscher Bahnhof gehören zur Sammlung. Ebenso Beweise der kreativen Fankultur wie selbstgefertigte Fanclubaufnäher aus den 80ern, Fankutten aus vier Jahrzehnten, der längste je gestrickte Schal (5,60 m) oder das erste in der DDR hergestellte und selbstverständlich illegale Fanmagazin mit dem schönen Namen „Leutzscher Volkszeitung“. Ergänzt wird dies mit Kostbarkeiten wie ein Bronzeschild aus dem Jahr 1932 von Tura-Vorgänger „Leipziger Sportverein 1899“, ein Originaltrikot der Tura (in blau) aus den 40er Jahren, etlichen Metern Archivgut und etwa 200 000 Fotos.

Chemie in ruhigem Fahrwasser

Letztere sind digitalisiert und beschriftet, was sich Jahre hinzog. Einige Mitstreiter, darunter zwei gelernte Historiker, mühen sich durch das Aktenkonvolut und ordnen die Bestände. Auch dort findet sich manche Kostbarkeit wie Protokolle aus den ersten Nachwendejahren oder Unterlagen ehemaliger Spieler.

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Zuletzt gab es auch einige Zugänge, als sich Fans von Sammlerstücken trennten und dem Verein zur Verfügung stellten. Endlich ist Chemie in ruhigem Fahrwasser, man kann seine Sachen beruhigt in zuverlässige Hände geben, lautet die Botschaft. Wer beim Aufbau des Museums und des Archives helfen möchte, Erinnerungs- und Sammlerstücke daheim hat und sich davon trennen würde, kann den Verein unterstützen. Gesucht werden Devotionalien wie Trikots, Programmhefte, Pokale, Fotos, Fanutensilien sowie schriftliche Unterlagen jeglicher Art, auch Briefwechsel und Protokolle.

Kontakt: museum@chemie-leipzig.de