31. Dezember 2020 / 08:00 Uhr

BSG Chemie Leipzig vom Pokalschreck bis zur magischen Nacht

BSG Chemie Leipzig vom Pokalschreck bis zur magischen Nacht

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Das war wirklich magisch: Ein Feuerwerk hinter dem Norddamm des AKS beim DFB-Pokalspiel BSG Chemie Leipzig gegen SC Paderborn im Oktober 2018

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Das war wirklich magisch: Ein Feuerwerk hinter dem Norddamm des AKS beim DFB-Pokalspiel BSG Chemie Leipzig gegen SC Paderborn im Oktober 2018 . © Christian Modla
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Mit dem Alfred-Kunze-Sportpark feiert eine der traditionsreichsten Spielstätten in Leipzig ihren 100. Geburtstag. Dort fanden zahllose Fußballspiele statt und zogen die Massen in ihren Bann – erst TuRa, dann Chemie, später der FC Sachsen und nun wieder die BSG Chemie. Der SPORTBUZZER stellt die denkwürdigsten Spiele in einer zehnteiligen Reihe vor. Wir erinnern an die Regionalligasaison 2017/2018, den letzten Landespokalsieg und das erste Flutlichtspiel in Leutzsch.

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Leipzig. Hurra, Chemie ist wieder da! Nach einem fulminanten Durchmarsch ist die Truppe um Trainer-Promi und „Weltpokalsiegerbesieger“ Dietmar Demuth direkt von der Landesliga in die Regionalliga durchmarschiert. Nach dem ersten Lehrgeld schöpfte man Hoffnung, holte aber zu wenig Punkte. Die Fans feierten ihr Team, das am 6. Mai 2018 bei den Amateuren von Hertha BSC mit 0:5 unterging – und abstieg. Zu schnell kam der Aufstieg, zu wenig konnte man seitens der BSG vorbereitet sein.

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Landespokalsieger 2018

Dafür klappte es im Pokal um so besser. Ein Höhepunkt war der 4:2-Achtelfinalsieg gegen den alten Rivalen FSV Zwickau, der eine Liga höher in Profiliga 3 spielte. Eine echte Überraschung, weil an diesem Tag einfach alles klappte. Einer der Torschützen: Alexander Bury. Nach dem 1:0 gegen Bautzen im Viertelfinale, bei dem erneut Bury traf, ging es im winterlichen Auerbach um den Finaleinzug. 2000 Chemiker verwandelten die Arena in einen Heimspiel-Ground, und erneut hieß der Schütze des Goldenen Tores Bury.

DURCHKLICKEN: Das Landespokalfinale 2018 zwischen der BSG Chemie und FCO Neugersdorf

Sachsenpokalfinale 2018: BSG Chemie Leipzig bezwingt den FC Oberlausitz Neugersdorf 1:0 Zur Galerie
Sachsenpokalfinale 2018: BSG Chemie Leipzig bezwingt den FC Oberlausitz Neugersdorf 1:0 © Christian Modla

Es kam der 21. Mai 2018. Finale „dahoam“ gegen den FC Oberlausitz Neugersdorf. Das heißt: im Alfred-Kunze-Sportpark. So war es zuvor ausgelost worden. Es brodelte und summte, es wuselte und vibrierte im altehrwürdigen Sportpark. Restlos ausverkauft innerhalb von Stunden, DFB-Präsident Reinhard Grindel im Stadion, eine eindrucksvolle Choreo der Ultras beim Anpfiff: Es war angerichtet! Chemie war die Chance bewusst, die sich da im Erfolgsfall bot: Viel Geld, jede Menge Aufmerksamkeit und breite Brust bei einem Spiel im DFB-Pokal.

Konzentriert wurde agiert und  wieder einmal ein Heldenepos geboren, wie er eben nur im Fußball möglich ist. Es war erneut der schlaksige Mittelfeld-Nerd Alexander Bury, der mit unnachahmlicher Schusstechnik den Ball ins lange Eck zum einzigen und alles entscheidenden Siegtreffer schlenzte. Das war der Pokalsieg!

Alexander Bury: Ein Held wurde geboren

Gefeiert wurde er, wie man eben nur in Leipzig-Leutzsch zu feiern versteht: Sekundenschnell erstürmten die begeisterten Fans nach Abpfiff das Spielfeld und feierten ihre Helden – nur 14 Tage nach dem Abstieg in die Oberliga. Mit Mühe wurde ein Areal abgesperrt, in dem die Übergabe der Pokaltrophäe und der Medaillen abgewickelt wurde. Überglücklich nahmen die grün-weißen Sieger die Medaillen vom höchsten Vertreter des deutschen Fußballs entgegen.

Was Herr Grindel in diesem Moment nicht wusste: er hängte eine der übrigens überraschend billig gemachten Medaillen einem der führenden Ultras der BSG Chemie höchstselbst um! Vorsänger „Menne“ war direkt nach Abpfiff selbstredend beim Team zu finden und hielt sich während der Siegerehrung auch direkt im abgesperrten Bereich auf. Und weil er jung und sportlich und in seinem Trikot kaum von einem der Spieler zu unterscheiden war, stellte er sich eben mit in die Reihe der auf die Ehrung wartenden Spieler an. „Und irgendwann war ich dran, als letzter. Eine Medaille war noch übrig, die hängte mir der Grindel um und dann gratulierte er mir noch ganz herzlich. Ich habe mich artig bedankt und mich köstlich amüsiert“, erinnert sich „Menne“. Die Ultras lachten sich schlapp über die nette Randanekdote. Im allgemeinen Siegesrausch ging das Bonmot etwas unter.

DURCHKLICKEN: Bilder vom Pokal-Duell gegen Paderborn

Schade Chemie Leipzig ! Es hat nicht sollen sein: Das Team von Trainer Dietmar Demuth verlor die DFB-Pokalpartie gegen Zweitligist SC Paderborn mit 0:3. Zur Galerie
Schade Chemie Leipzig ! Es hat nicht sollen sein: Das Team von Trainer Dietmar Demuth verlor die DFB-Pokalpartie gegen Zweitligist SC Paderborn mit 0:3. ©

Der Lohn dieses Sieges war das Erstrundenspiel gegen Jahn Regensburg genau drei Monate später. Unvergessen der 2:1-Siegtreffer durch Kai Druschky, der Jubel, das ungläubige Staunen. Es folgte das unübertroffene Highlight: Das erste Flutlichtspiel der 119-jährigen Leutzscher Geschichte. 1000 Fans beim Abschlusstraining, helle Aufregung und beinahe kindliche Vorfreude allerorten. Es wurde ein magischer Abend trotz der 0:3-Niederlage gegen Paderborn. Die vier Masten, das verzaubernde Fluidum, die Magie des Augenblicks. Leutzsch feierte sich wieder einmal selbst, und der AKS hatte einen neuen Meilenstein in seiner 100-jährigen Geschichte gesetzt.