19. November 2020 / 19:36 Uhr

BSG Chemie will in der Corona-Pandemie „den Kopf nicht in den Sand stecken“

BSG Chemie will in der Corona-Pandemie „den Kopf nicht in den Sand stecken“

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Einen vollen Alfred-Kunze-Sportpark gab es schon länger nicht mehr. Statt dessen war zuletzt das Fußballgucken in Clustern angesagt. Nun stehen wohl Geisterspiele an.
Einen vollen Alfred-Kunze-Sportpark gab es schon länger nicht mehr. Statt dessen war zuletzt das Fußballgucken in Clustern angesagt. Nun stehen wohl Geisterspiele an. © Christian Modla
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Die Corona-Pandemie und die damit verbunden Folgen für die Fußball-Regionalliga Nordost und ihre Vereine gehen an der BSG Chemie Leipzig nicht spurlos vorüber. Dennoch äußert sich Schatzmeister Florian Berger in einem Interview jetzt durchaus positiv über die aktuelle Situation der Leutzscher.

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Leipzig. Der zweite Lockdown in einem Jahr, Saisonabbruch und -unterbruch, Partien mit beschränkter Zuschauerzahl, Geisterspiele: Die BSG Chemie Leipzig kämpft wie alle anderen Clubs auch gegen die Folgen der Corona-Pandemie. Schatzmeister Florian Berger hat sich jetzt in einem ausführlichen Interview für die Homepage des Regionalligisten zur Situation geäußert. Sein Zwischenfazit zum aktuellen Finanzstand der BSG: Der „Verein steht im Vergleich sicherlich gut da. Andere haben da deutlich größere Existenzsorgen.“ Bergers positive Analyse gründet sich auf dem „unheimlich erfreulichen“ Trend der vergangenen Jahre in Leutzsch. „Wir haben es geschafft, den Verein bis heute schuldenfrei zu halten und unsere Umsätze jährlich zu steigern.“

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Positive Weiterentwicklung gebremst

Positiv wirkten sich die Spiele im DFB-Pokal der Saison 2018/19 aus, in der der damalige Oberligist in der ersten Runde Jahn Regensburg besiegte und dann im ersten Leutzscher Flutlichtspiel Paderborn in der zweiten Runde unterlag. Die dort eingespielten Gelder kommen den dringend nötigen Investitionen zugute, wie beispielsweise der Bau des Kunstrasenplatzes, schaffen aber auch die Möglichkeit von Festanstellungen.

DURCHKLICKEN: Bilder vom Pokal-Duell gegen Paderborn

Schade Chemie Leipzig ! Es hat nicht sollen sein: Das Team von Trainer Dietmar Demuth verlor die DFB-Pokalpartie gegen Zweitligist SC Paderborn mit 0:3. Zur Galerie
Schade Chemie Leipzig ! Es hat nicht sollen sein: Das Team von Trainer Dietmar Demuth verlor die DFB-Pokalpartie gegen Zweitligist SC Paderborn mit 0:3. ©

Zudem gibt es seit Jahren Aktionen unter dem Slogan „Flutlicht für Leutzsch“ im Alfred-Kunze-Sportpark, um die Auflagen nach Abendspielen für Regionalligisten zu erfüllen. Die Einnahmen der Benefiz-Spiele unter anderem gegen Eintracht Frankfurt oder Fortuna Düsseldorf stellen einen eigenständigen Finanzposten dar, der bisher nicht für das Alltagsgeschäft zur Verfügung stand und steht, so Berger. Seit 2017 kümmert er sich um die monetären Belange der Grün-Weißen und vergleicht die BSG „mit einem gesunden, mittelständischen Unternehmen“.

Bei all den positiven Entwicklungen in den vergangenen Jahren setzt die Pandemie dem Verein trotzdem zu und „bremst die positive Weiterentwicklung aus“, urteilt der Schatzmeister. Berger rechnet damit, dass die Auswirkungen „bis mindestens Frühjahr“ 2021 spürbar sein werden. Für Chemie bricht „ein hoher Umsatz im mittleren sechsstelligen Bereich“ weg. Trotz sinnvollen Haushaltens – unter anderem Kurzarbeit – schmelzen damit die mühevoll erwirtschafteten Rücklagen. „Noch eine Saison unter diesen Bedingungen würde die Existenz des Vereins sicherlich ernsthaft bedrohen.“ Es gelte deshalb, Ideen für „Einnahmen zu generieren und Sondereffekte zu erzielen“ und „die Begeisterung für den Verein bei den Engagierten und Fans weiter am Leben zu halten“.

Positives Beispiel: Rettungspaket in NRW

Unterstützungsgesuche in der aktuellen Lage, die beispielsweise der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) an die Ministerpräsidenten für die Regionalligamannschaften stellte, sieht Florian Berger als eine, aber nicht einzige Variante. Denn die beziehen sich meist nur auf das Regionalliga-Team. Es gehe vielmehr um den Verein als Ganzes, zu dem auch die Mannschaften und die Menschen hinter der ersten Mannschaft gehören. Ein positives Beispiel ist für den BSG-Schatzmeister in diesem Zusammenhang der Geschäftsführer des Handballbundesligisten SC DHfK, Karsten Günther. Der engagiert sich federführend in der Initiative „Teamsport Sachsen“, um Unterstützungslösungen für 22 sächsische Sportvereine zu kreieren.

In diesem Zusammenhang verweist Berger auf das 15 Millionen Euro schwere Rettungspaket für Regionalligisten in Nordrhein-Westfalen, denn die bisher stattgefundenen Saisonspiele verliefen aufgrund des strengen Hygienekonzeptes für die BSG und alle anderen Clubs natürlich nicht kostendeckend. dennoch gelte es, „den Kopf nicht in den Sand zu stecken“ und das Positive aus der aktuellen Situation zu ziehen.