24. November 2020 / 16:56 Uhr

"Heißen Sie wirklich so?" Wenn die Gegner des BSV Gleidingen kein Mittel gegen Corona finden

"Heißen Sie wirklich so?" Wenn die Gegner des BSV Gleidingen kein Mittel gegen Corona finden

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der Verein von Raúl Corona (eingeklinkt) appelliert in den sozialen Medien an seine Mitglieder.
Der Verein von Raúl Corona (eingeklinkt) appelliert in den sozialen Medien an seine Mitglieder. © BSV Gleidingen
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Keine Witze mit Namen - das ist ein ungeschriebenes Journalistengesetz. Im vorliegenden Fall muss eine Ausnahme erlaubt sein, denn beim BSV Gleidingen spielt Raúl Corona Navarro. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht er natürlich auch über Witze, die er sich gerade anhören muss.

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Hallo, Raúl, sind beim BSV Gleidingen eigentlich die Nachnamen der Spieler auf die Trikotrückseiten geflockt?

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Nein, nur die Rückennummer und „BSV Hannovera Gleidingen“.

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Sonst würde da bei Ihnen nämlich …

… „Corona“ stehen – richtig!

Das spanische Namensrecht ist ja etwas anders als das deutsche.

Stimmt, ich bin in Deutschland geboren, habe aber spanische Eltern und besitze deshalb beide Staatsbürgerschaften. Jeder Spanier hat zwei Nachnamen. Ich heiße offiziell Raúl Corona Navarro. Navarro lasse ich aber meistens weg. Man kennt mich also überall als Raúl Corona.

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Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

Als Señor Corona hat man es sicher nicht leicht im Moment.

Ich kassiere schon oft Sprüche. Früher war es immer nur der Vergleich mit der gleichnamigen Biermarke. Aber als die ersten Meldungen über das Virus kamen, hat mich mein Papa aus Spanien angerufen und wir haben darüber gesprochen, dass das alles jetzt gewissermaßen mit unserem Namen passiert. Und dann dachte ich mir schon: „Mensch, jetzt wird Corona aber richtig populär!“

Was hören Sie denn am häufigsten?

„Corona in Gleidingen“ oder „Corona-Fall bei uns an der Schule“ (Corona macht gerade Abitur an der Albert-Einstein-Schule in Laatzen, Anm. d. Red.), so was. Oder die Frage, ob ich denn immun gegen Corona sei. Die meisten Kommentare habe ich schon mehrfach gehört.

Finden Sie das lustig oder eher nicht?

Ich verstehe schon Spaß. Das ist alles okay. Manchmal ist es aber etwas kompliziert, wenn Leute meinen Namen zum ersten Mal hören und dann nachfragen: „Heißen Sie wirklich Corona?“ Oder neulich – da wollte ich Essen für meine Familie bestellen. Der Bringdienst hat dann extra noch mal zurückgerufen, weil die Mitarbeiter dachten, dass sie veräppelt werden und Sorge hatten, vergeblich loszufahren.

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Hozan Partawie (SG Letter 05): Im Auswärtsspiel beim SV Türkay Spor Garbsen hat der 35-jährige Torhüter drei Elfmeter binnen drei Minuten pariert. Dafür wurde er mit 29,4 Prozent der Stimmen der Held der Woche. ©

Und jetzt meldet sich deswegen auch noch jemand vom SPORTBUZZER.

(lacht) Ich kann damit umgehen.


Irgendwann hört der Spaß aber auf. Ihr Team war im August das erste im Umland, das in Quarantäne musste.

Ja. Das war schon krass. Wir hatten sieben positive Fälle im Team. Und meine Mutter gehört zur Risikogruppe. Ist aber alles gut gegangen.

Beim ersten Spiel nach der Zwangspause haben ausgerechnet Sie doppelt getroffen. Sorry für den Kalauer: Aber Ihre Gegenspieler haben wohl kein Mittel gegen Corona gefunden?

(lacht) Der war jetzt gut! Diesen Spruch höre ich nun wirklich zum ersten Mal. Aber es stimmt: Gegen Weetzen lief es für mich super.

Was sind Sie denn für ein Spielertyp?

Ich werde meistens auf der Zehn aufgestellt. Und ich mag es, meine Mitspieler in die Tiefe zu schicken.

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Außerdem spielen Sie auch noch Tennis beim TSV Ingeln-Oesselse.

Richtig, aber Fußball steht im Moment bei mir als Sport an erster Stelle. Schiedsrichter bin ich übrigens auch noch.

Beim Fußball?

Genau, seit drei oder vier Jahren. Ich pfeife A- und B-Jugendpartien. Und manchmal werde ich auch bei den Herren eingesetzt.

Oh, sind Sie da dann nicht erst recht die Zielscheibe für blöde Sprüche?

Nein, komischerweise hat da noch nie einer was in der Richtung gerufen. Aber vermutlich guckt keiner so richtig auf dem Spielformular nach, wie denn der Schiedsrichter heißt.

Was haben Sie für die Zeit nach Ihrem Abitur denn so geplant?

Ich würde gern erst mal etwas reisen, wenn das wieder geht. Nach Portugal und Spanien vielleicht. Ein bisschen die Freizeit ausnutzen. Und danach möchte ich studieren.

Was wollen Sie werden? Virologe?

(schmunzelt) Sehr witzig … Nein, Lehramt würde mich interessieren.