31. August 2020 / 19:36 Uhr

Zwei Teams in Quarantäne! Hannovers Amateurfußball droht der Corona-Kollaps

Zwei Teams in Quarantäne! Hannovers Amateurfußball droht der Corona-Kollaps

Carsten Bergmann und David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Bezirksligist SpVgg Niedersachsen Döhren ist nach positiven Corona-Tests in der Mannschaft in Quarantäne, das Gleiche gilt für Kreisligist BSV Gleidingen.
Bezirksligist SpVgg Niedersachsen Döhren ist nach positiven Corona-Tests in der Mannschaft in Quarantäne, das Gleiche gilt für Kreisligist BSV Gleidingen. © Florian Petrow / imago images/localpics
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Am Wochenende soll es endlich wieder losgehen im Amateurfußball - doch die Zweifel an der Umsetzbarkeit der neuen Saison wachsen. Bei der SpVg Niedersachsen Döhren und beim BSV Gleidingen gab es Corona-Fälle, die Teams sind in Quarantäne. Schon vor dem Start droht dem kleinen Fußball der erneute Kollaps.

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Corona-Alarm im Amateurfußball! Eigentlich sollen am kommenden Wochenende Hannovers Fußballer von der Regionalliga bis zur 4. Kreisklasse in die neue Saison starten. Doch an einen regulären Ablauf ist nicht zu denken. In der Region häufen sich die Corona-Fälle.

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Es erwischte den Bezirksligisten Niedersachsen Döhren mitten auf dem Spielfeld. Eigentlich sollte in wenigen Minuten der Test gegen den SC Harsum beginnen, als Trainer Michael Wohlatz ein Anruf eines Spielers erreichte. Corona-Test positiv. Der Coach reagierte prompt, schickte das Team vom Platz und nach Hause. Am Folgetag machte sich eine Vielzahl auf ins Corona-Zentrum nach Minden, um sich auf eigene Kosten testen zu lassen. Ergebnis: Zwei weitere positive Covid-19-Fälle – und damit der Beginn einer Tortur. Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt wurden 25 Spieler und die beiden Trainer in häusliche Quarantäne geschickt, verbindlich bis zum 11. September.

Das sagen Hannovers Sportler zum ab dem 6. Juli wieder erlaubten Training unter Wettkampfbedingungen

... die Fußballer
: Mehmet Cobankara (50) war etwas „mulmig“ zumute im ersten Fußballtraining in Kleingruppen und auf Abstand: „Ich habe mehr Hütchen aufgestellt als sonst, aber ich war froh, die Kinder wiederzusehen“. Er trainiert die Kinder des Jahrgangs 2011 (ab heute E-Jugend) und die B-Junioren bei Kleeblatt Stöcken. Den Kindern hat „die Bewegung erst mal unheimlich gutgetan“, sagt Cobankara. Ab nächste Woche dürfen sich die Kinder endlich mit Toren in Trainingsspielen belohnen: „Das trockene Training wird irgendwann langweilig. Tore und Zweikämpfe stärken ihr Selbstbewusstsein, sie gehen stärker nach Hause.“ Eines wird der leidenschaftliche Trainer aus der Abstandsregelzeit beibehalten: „Die Abstandshütchen beim Torschuss, dann zankt sich keiner mehr, wer dran ist und keiner schießt dem anderen den Ball weg.“ Zur Galerie
... die Fußballer : Mehmet Cobankara (50) war etwas „mulmig“ zumute im ersten Fußballtraining in Kleingruppen und auf Abstand: „Ich habe mehr Hütchen aufgestellt als sonst, aber ich war froh, die Kinder wiederzusehen“. Er trainiert die Kinder des Jahrgangs 2011 (ab heute E-Jugend) und die B-Junioren bei Kleeblatt Stöcken. Den Kindern hat „die Bewegung erst mal unheimlich gutgetan“, sagt Cobankara. Ab nächste Woche dürfen sich die Kinder endlich mit Toren in Trainingsspielen belohnen: „Das trockene Training wird irgendwann langweilig. Tore und Zweikämpfe stärken ihr Selbstbewusstsein, sie gehen stärker nach Hause.“ Eines wird der leidenschaftliche Trainer aus der Abstandsregelzeit beibehalten: „Die Abstandshütchen beim Torschuss, dann zankt sich keiner mehr, wer dran ist und keiner schießt dem anderen den Ball weg.“ ©

Sechs Gleidinger Spieler positiv

Beim Kreisligisten BSV Gleidingen erhielt Trainer Dimitri Kiefer am vergangenen Donnerstag einen Anruf von einem seiner Spieler, der sich angesteckt hatte. Der Vorstand reagierte ebenso schnell, schickte alle Spieler, die am Sonntag zuvor noch beim Vorbereitungsspiel gegen den VfL Eintracht Hannover dabei gewesen waren, in Quarantäne und ordnete Corona-Tests an.

Das Ergebnis: Sechs Gleidinger Kicker sind positiv. Bis zum 6. September geht beim BSV erst einmal gar nichts mehr. Der Kreisligaauftakt gegen die TuS Wettbergen muss verlegt werden. „Das ist echt ein Schlag nach den vergangenen Monaten“, sagt Kiefer. „Durch die Quarantäne geht uns jetzt weitere Luft verloren.“

"Auch losgelöst vom Fußball habe ich ein sehr mulmiges Gefühl"

Das Thema Corona war gedanklich nicht mehr allzu präsent, die Vorfreude auf den Ligastart groß. „Auch losgelöst vom Fußball habe ich ein sehr mulmiges Gefühl“, sagt Döhrens Trainer Wohlatz. Jetzt werden die ersten beiden Spiele gegen Can Mozaik in Bemerode verschoben. Staffelleiter Bastian Schiebe dazu: „Die erste Frage ist immer, ob es den Spielern gut geht. Alles weitere kommt später, und dann müssen wir schauen, wie die Spiele reinpassen.“

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"Alle hatten das Gefühl, das Thema Corona haben wir im Griff. Dem ist nicht so."

Und genau das – so viel steht nach weiteren Fällen unter anderem in Wilkenburg bis hinauf in die Oberliga zu Lupo Martini Wolfsburg fest – wird ein enormes Puzzlespiel. Eine Herausforderung, die für Vereine, die Mannschaften bis hinunter zu den Mini­kickern melden, kaum zu lösen sein wird. „Die Zweifel werden mit jedem Tag größer“, sagt Döhrens Vorsitzender Till Uhlig. Es werde Absagen hageln. „Alle hatten das Gefühl, das Thema Corona haben wir im Griff. Dem ist nicht so.“

Verantwortung tragen am Ende die Vereine

Der Niedersächsische Fußballverband hat seinen Vereinen Handlungsempfehlungen mit an die Hand gegeben. Auch die Spieltage sind bis Saisonende mit reichlich Luft für Ersatztermine ausgestattet. Die Verantwortung am Ende tragen aber die Vereine, und die Befürchtungen, dass die Abstands- und Hygieneregeln bei der Vielzahl an Mannschaften nicht eingehalten werden können, wachsen.

Trainer Wohlatz befürchtet, dass irgendwann auch die Arbeitgeber der Spieler nicht weitere Quarantänefälle ohne Folgen akzeptieren werden: „Das Risiko steigt für alle.“